Im Visier der Kartellbehörden – droht Google die Zerschlagung?

Google steht offenbar vor einer weiteren Milliardenstrafe der EU, langfristig könnte dem Konzern sogar die Zerschlagung drohen. (Foto: lightpoet / shutterstock.com)

Schon in 2017 hatte die Europäische Kommission Google mit einer Rekordstrafe in Höhe von 2,4 Mrd. € belegt. Damals war die EU-Kommission zur Erkenntnis gelangt, dass der Internetgigant seine dominierende Stellung im Suchmaschinenmarkt dazu genutzt hat, um seinen eigenen Shopping-Suchdienst in seinen Suchergebnisseiten zu bevorzugen.

Der Vormachtstellung von Alphabet bzw. Google hat dies bisweilen keinen Abbruch getan. Google dominiert nach wie vor den Suchmaschinenmarkt nach Belieben und die Alphabet-Aktie liegt auf 1-Jahressicht rund 20 % im Plus.

Google vor weiterer Milliardenstrafe

Doch nun droht Google offenbar eine weitere Milliardenstrafe durch die EU-Kommission. Dieses Mal geht es darum, dass Google Smartphone-Hersteller dazu gezwungen haben soll, Google-Dienste wie die Google Suchmaschine und den Chrome Browser auf Android-Telefonen vorzuinstallieren. Glaubt man Medienberichten, will die EU-Kommission in Form von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager schon im Juli dazu eine Entscheidung treffen.

Dazu müssen Anleger wissen, dass das Google-Betriebssystem Android das führende mobile Betriebssystem auf Mobiltelefonen (Smartphones) ist. Weltweit war Android im ersten Quartal 2018 auf knapp 86 % aller Smartphones zu finden (Quelle: Statista). Die EU-Behörden untersuchten zuletzt, inwieweit Google seine Machtposition genutzt hat, um seine eigenen Services (Google Search, Chrome etc.) zu vermarkten.

Google droht möglicherweise sogar die Zerschlagung

Neben einer Milliardenstrafe könnte die EU-Kommission Google auch dazu auffordern, sein Mobile-Betriebssystem Android unabhängig von seiner Google Suchmaschine auszuliefern. Ein solches Vorgehen wäre nicht neu, hatte bereits Microsoft auf Druck der Kartellbehörden sein populäres Betriebssystem Windows von seinem Internet Explorer trennen müssen.

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Doch die EU-Kommission könnte noch einen Schritt weitergehen und sogar auf eine Zerschlagung drängen, wie es bereits in den 1980er Jahren mit dem US-Telefongiganten AT&T geschehen ist. Hierzu müssen Anleger wissen, dass AT&T in den 1980er Jahren im US-Telefongeschäft ein Quasi-Monopolist war. Nach dem die US-Regierung im Jahr 1974 ein Kartellverfahren gegen AT&T eröffnet hatte, kam 1981 das Aus für den Telekomgiganten unter der bisherigen Struktur – AT&T wurde de facto zerschlagen.

Fazit: Kartellwächter nehmen Google & Co stärker ins Visier

Da Google, Amazon.com, Facebook und Microsoft immer mächtiger werden, geraten die US-Technologiekonzerne zunehmend ins Visier der Kartellwächter in Europa. Besonders Google scheint angezählt, da der Suchmaschinengigant bereits gegen geltendes Wettbewerbsrecht verstoßen hat, was seine Shopping-Suchmaschine angeht.

Noch halten Marktbeobachter eine Aufspaltung von Google bzw. Alphabet eher für unwahrscheinlich. Doch die Gefahr steigt für Google & Co, dass die Kartellbehörden sowohl in Europa als auch in Übersee (USA) regulierend eingreifen, um Monopolstellungen der großen Tech-Konzerne zu verhindern.

Für Google-Anleger könnte es damit in den kommenden Wochen kurzfristig ungemütlich werden. Langfristig dürfte Google als Suchmaschine aber kaum zu ersetzen sein, da bislang echte Alternativen fehlen. Darum ist und bleibt Google aka Alphabet für langfristig orientierte Anleger weiter interessant.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands