Immobilienblase in China? immenser Preisanstieg bereitet Sorgen

Im 2. Quartal 2017 ist die chinesische Wirtschaft stärker gestiegen als erwartet. Mit 6,9 % hatte das Bruttosozialprodukt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich zugelegt. Allerdings haben in China die Preise für Wohn- und Gewerberäumlichkeiten Rekordmarken überschritten, so dass Experten inzwischen immer lauter vor dem Platzen einer Immobilienblase warnen.

China Immobilienblase: Wohnraum fast unbezahlbar

Da die staatlichen Banken und Geldinstitute nur äußerst geringe Zinsen bieten, gilt eine Eigentumswohnung in China als Geldanlage Nummer 1. Im Reich der Mitte übersteigt die Zahl der Eigentumswohnungen die der verfügbaren Mietobjekte. Mehr als 70 % der chinesischen Wohnungseigentümer haben ihr Kapital in weiteren Immobilien angelegt.

Die Preise für Wohnraum sind in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass Spekulanten erhebliche Gewinne machen konnten. Daher hatten viele oft kein Interesse daran, diese selbst zu beziehen oder ihre Wohnung zu vermieten.

Nicht nur in den Ballungsräumen wie dem Zentrum Pekings erreichen die Preise für Wohnraum zweistellige Zuwachsraten pro Jahr. Aktuell fällt der Preisanstieg in den weniger bekannten Städten aus der zweiten Reihe sogar noch aufsehenerregender aus als in den heute schon überteuerten Küstenregionen. Dem im Grunde streng kontrollierten Markt hatte die chinesische Regierung in der Vergangenheit bewusst freien Lauf gelassen, um auf diese Weise die Konjunktur zu unterstützen.

Inzwischen müssen Bewohner des Landes in Shanghai oder Peking mehr als das 30-fache des Jahreseinkommens hinlegen, wenn sie eine durchschnittliche Wohnung erwerben möchten. Zum Vergleich: In Berlin, wo der Immobilienmarkt derzeit stark boomt, kostet eine vergleichbare Eigentumswohnung gerade einmal das 8-fache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens.

Was beim Platzen der Immobilienblase drohen könnte

Seit dem Jahr 2000 sind die Immobilienpreise in den chinesischen Ballungsräumen um das 5- bis 7-fache gestiegen. Anders als bei der Situation im Jahr 2008 in den USA sind dabei Kredite nicht das wirkliche Problem, das mit der entstandenen Preisblase in Verbindung gebracht wird. Die wenigsten Chinesen kaufen ihre Wohnung auf Pump – lediglich 18 % der Immobilien sind derzeit überhaupt mit einer Hypothek belastet. Daher würde ein unvermittelter Preissturz wahrscheinlich auch keine Krise am Finanzmarkt auslösen wie seinerzeit in den USA.

Ein derartiger Preissturz würde viele Millionen Chinesen ganz unmittelbar treffen. Wenn es zu einem echten Crash mit Verlusten von etwa 50 % käme, wie vor etwas mehr als 2 Jahrzehnten in Japan, wären auf einen Schlag 10 Billionen US-$ vernichtet. Die psychologische Wirkung eines solchen Ereignisses wäre verheerend. Die Auswirkungen auf den privaten Konsum im Reich der Mitte sind aus heutiger Sicht nicht kalkulierbar.

2. November 2017

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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