Incyte Aktie erleidet heftigen Kurssturz – Wie geht es weiter?

Anti-Krebsstar Incyte muss eine herbe Niederlage im Kampf gegen den Krebs einstecken. Was passiert jetzt mit der Aktie? (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Herbe Enttäuschung für die Anleger des US-Biotech-Spezialisten Incyte. Der Entwickler von Krebsmedikamenten musste eine Niederlage bei einem seiner wichtigsten Forschungsprogramme hinnehmen.

Konkret geht es um eine Phase 3 Studie bezüglich des Incyte Wirkstoffes Epacadostat (IDO1 Hemmer), der in Kombination mit dem Merck-Krebsmedikament Keytruda zur Behandlung metastasierender Melanome getestet wurde.

Leider erwies sich die Kombination der beiden Wirkstoffe gegen diese Krebsart als wenig effektiv, so dass sich Incyte dazu entschieden hat, die entsprechende Studie (ECHO301/KEYNOTE-252) einzustellen. Der Incyte-Aktienkurs brach daraufhin deutlich ein, insgesamt verlor die Incyte-Aktien in den letzten 6 Monaten rund 40 % an Wert.

Incyte Aktie mit Kurssturz: Das sind die Gründe

Der Kurssturz rührt vor allem auch daher, dass Incyte große Hoffnungen auf seinen IDO1 Hemmer gesetzt hatte. Ein Großteil der zuletzt erwirtschafteten operativen Gewinne floss in das Forschungsprogramm rund um Epacadostat.

Die Idee: Ein Enzym (Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO)) soll die Interaktion zwischen Immunsystem und Krebszellen blockieren. IDO-Hemmer hemmen die Produktion von bestimmten Enzymen (IDO-Enzymen) in Krebszellen, so dass Tumorzellen weniger gut vor dem menschlichen Immunsystem geschützt sind. Damit helfen IDO-Hemmer, dass sich der Körper durch sein Immunsystem selbst helfen kann. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von sogenannten Immuntherapien.

Das Problem: Leider funktioniert der Forschungsansatz in der Praxis weniger gut als erwartet. Incyte lässt daher durchblicken, dass der Misserfolg auch andere Forschungsstudien mit Epacadostat negativ beeinträchtigen könnte. Anleger müssen wissen: Epacadostat wird derzeit noch in Kombination mit anderen Medikamenten bei verschiedenen anderen Krebsarten (Blasenkrebs etc.) getestet.

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Nach Epacadostat-Flop sind Umsätze in Gefahr

Analysten hatten bislang damit gerechnet, dass Epacadostat eines Tages zu einem Blockbuster-Medikament avanciert und in 2018 noch die Zulassung erhält. Marktschätzungen zufolge sollte Epacadostat eines Tages für einen Spitzenumsatz von 2,0 Mrd. US-$ im Jahr sorgen und so zum künftigen Umsatzwachstum von Incyte beitragen – diese erwarteten Einnahmen sind jetzt in Gefahr.

Doch Epacadostat ist nicht der einzige Wirkstoff in der Pipeline von Incyte. Anleger müssen auch wissen, dass Incyte mit Jakafi (Wirkstoff Ruxolitinib) nicht nur ein Blockbuster-Medikament (Milliardenumsatz überschritten) besitzt, dass nach wie vor Wachstum zeigt, sondern mit Baricitinib auch ein Medikament gegen die atopische Dermatitis (Ekzeme) an der Hand hat, das gemeinsam mit Eli Lilly entwickelt wird.

Fazit: Incyte angeschlagen, aber nicht K.O.

Der jüngste Misserfolg im Zusammenhang mit der Epacadostat-Studie ist zweifelsohne ein Rückschlag für Incyte. Dennoch bedeutet der Rückschlag nicht, dass Incyte oder der Forschungsansatz der IDO-Hemmer vollends gescheitert sind. Vielmehr muss Incyte die Wirkungsweise der IDO-Hemmer noch besser verstehen lernen, was voraussichtlich mehr Zeit und Kosten verursachen wird.

Darüber hinaus dürfte Incyte nach der gescheiterten Studie und der damit verbundenen gesunkenen Marktkapitalisierung auch als Übernahmekandidat in der Biotech-Branche weiter interessant bleiben.

Dennoch zeigt der Rückschlag und der Kurssturz der Incyte-Aktie, welche Risiken für Anleger mit dem Investment in Biotech-Aktien verbunden sind. Hohe Renditechancen stehen auch einem hohen Kursrisiko gegenüber. Anleger, die sich für den innovativen Biotech-Sektor interessieren, sollten sich Aktien von Beteiligungsgesellschaften wie BB Biotech näher ansehen, denn dadurch lassen sich die Risiken von Einzelinvestitionen vermeiden.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands