Inflationsrate: Die USA schmälert ihre Teuerungsrate

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Die Inflationsrate in den USA wird anhand variabler Preise berechnet. Allerdings gewährt diese Methode einigen Manipulationsspielraum. (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

Die Inflationsrate misst die jährliche prozentuale Veränderung des durchschnittlichen Preisniveaus innerhalb einer Volkswirtschaft. Was wir in den Medien also in der Regel als “Inflationsrate” präsentiert bekommen, ist streng genommen die “Teuerungsrate”. Sie gibt an, wie teuer das Leben für die Verbraucher eines Landes geworden ist und dient den Bürgern darüber hinaus als Instrument, um Preise zu verschiedenen Zeitpunkten miteinander vergleichen zu können.

Die Berechnung der Inflationsrate

Die Berechnung der Inflationsrate geschieht mithilfe eines Warenkorbes, welcher verschiedene Posten des alltäglichen Lebens, wie beispielsweise Miete, Benzin und Nahrungsmittel, beinhaltet. Darüber hinaus erfolgt die Ermittlung der Inflationsrate anhand verschiedener Preisanpassungen im Zusammenhang mit angenommenen Qualitätsverbesserungen, Verhaltensänderungen und saisonalen Besonderheiten.

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Der daraus resultierende Preisindex bezeichnet das Maß der durchschnittlichen Preise einer bestimmten Gruppe von Gütern relativ zu den Preisen derselben Güter in einem Basisjahr. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Verbraucher packt sich einen Einkaufskorb voll mit bestimmten Waren. Im nächsten und übernächsten Jahr tut er dies erneut mit genau denselben Gütern.

Vergleicht er die Preise miteinander, wird er vermutlich feststellen müssen, dass er in jedem Jahr mehr bezahlt hat. Berechnet er nun die prozentuale Steigerung des Preisniveaus seiner ausgewählten Waren erhält er die Inflationsrate.

Die Inflationsrate der USA: Variable Preise zur genaueren Ermittlung der Wirtschaftslage

Die USA verwenden seit 1986 variable, das heißt hedonische, Preise zur Berechnung des Preisindex. Die Berechnung hedonischer Preise ist ein Verfahren, dass die statistischen Ämter anwenden, um Qualitätsänderungen bei der Ermittlung der Inflation berücksichtigen zu können. Diese Möglichkeit bietet sich vor allen Dingen bei Gütern an, deren Leistungsmerkmale sich ständig und schnell weiterentwickeln.

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Als Beispiel gelten vor allen Dingen elektronische Geräte, wie der Computer. Die Berechnung eines Preisindex für Computer birgt nahezu zwangsläufig das Risiko falscher Ergebnisse, wenn man dessen rasante Qualitätsverbesserung in den letzten Jahren außer Acht lässt.

Die Ermittlung hedonischer Preise schafft hier Abhilfe und macht eine genauere Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage eines Landes möglich.  Dies ist wichtig, da die Inflation über Leitzinsen und die Geldmenge beeinflusst wird. Hinzu kommt, dass in den USA soziale Leistungen oft mit der Inflationsrate angepasst werden. Auch die Lohnpolitik richtet sich nach der Inflationsrate. Eingeführt wurde dieses Verfahren von dem damaligen Chef der US-Zentralbank Alan Greenspan.

Die USA schönen ihre Daten: Wie die Staaten die Teuerungsrate klein rechnen

Bereits mit dem Verfahren der hedonischen Preise lassen sich durchaus geeignete Manipulationen an der Bewertung der Inflationsrate durchführen. Allerdings haben allen voran die USA weit ausgefeiltere Methoden entwickelt, um die Inflationsrate der Vereinigten Staaten auf einem geringen Level zu halten.

Offiziell anerkannte Methoden zur Schmälerung der Inflationsrate fanden ihren Anfang als die Clinton Administration ihren Staatshaushalt saniert übergeben wollte und ganz offiziell eine optimierte Inflationsrate ins Leben rief. DerSurrogatansatz beispielsweise geht davon aus, dass man ein Gut im nächsten Jahr auch durch ein anderes, billigeres ersetzen kann.

Wenn also beispielsweise der Preis für Tomaten von 2010 auf 2011 gestiegen ist, dann weicht man 2011 eben auf die günstigeren Gurken aus. Die vermeintliche Erklärung für die Anwendung des Surrogatansatzes ist so banal wie unsinnig: Die billigeren Waren müssten aufgrund ihres Preises ja eine höhere Nachfrage erzielen. Dass aber vor allen Dingen die Nachfrage den Preis bestimmt, scheint bei dieser Methode keine Rolle zu spielen.

Ein weiteres Verfahren zur Kleinrechnung der Inflationsrate in den USA ist die geometrische Gewichtung: Hier werden teurere Produkte im Warenkorb einfach geringer gewichtet. Frei nach dem Motto: Dann kauft der Verbraucher eben weniger von dem Produkt. So soll die Inflationsrate in den USA, laut Berechnungen von US-Wirtschaftswissenschaftlern, in der Regel fast doppelt so hoch ausfallen wie offiziell verlautet.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.