Instagram: Mitgründer treten zurück – die Auswirkungen auf Facebook

Nach dem Rücktritt der zwei Mitgründer von Facebook-Tochter Instagram: Was sind die Auswirkungen auf die Aktie? (Foto: I am Nickom / shutterstock.com)

Die Facebook-Aktie befindet sich seit August in einem Abwärtstrend. Neben einem schwächeren Nutzerwachstum sorgte zuletzt ein neuerlicher Datenskandal für negative Stimmung.

Zu guter Letzt kündigten die beiden Instagram-Mitgründer Kevin Systrom und Mike Krieger ihren Rücktritt an. Die Geschicke der Facebook-Tochter Instagram soll künftig Adam Mosseri leiten.

Der überraschende Rücktritt von Systrom und Krieger wirft ein schlechtes Licht auf Facebook, zumal Details über die Rücktrittsgründe der beiden Instagram-Mitgründer durchgesickert sind. Demnach waren die beiden Top-Manager zuletzt offenbar nicht mehr zufrieden mit dem Einfluss von Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf Instagram.

So wichtig ist Instagram für Facebook

Facebook hatte Instagram im Jahr 2012 für und 1 Mrd. US-$ übernommen. Damals wurde die Übernahme von vielen Analysten skeptisch betrachtet, legte Facebook zu jener Zeit viel Geld für ein kleines Start-up auf den Tisch.

Inzwischen hat Instagram den hohen Kaufpreis mehr als gerechtfertigt, denn Instagram hat sich in den letzten Jahren zu der wichtigsten Plattform für Stars und Sternchen entwickelt.

Dies lässt sich auch in reinen Zahlen ablesen. Mithilfe von Facebook ist die Zahl der Instagram-Nutzer im Juni 2018 auf über 1 Mrd. Mitglieder gewachsen. Während die Facebook-Nutzerzahlen in Nordamerika und Europa stagnieren, wächst Instagram weiterhin.

Dies macht sich auch den Umsatzzahlen bemerkbar. Die Marktforscher aus dem Hause eMarketer schätzen, dass Instagram allein in diesem Jahr rund 8 Mrd. US-$ an Werbeumsätzen für Facebook generieren wird.

Instagram-Mitgründer treten zurück: Was können Anleger erwarten?

Nachdem Rücktritt der beiden Instagram-Mitgründer übernimmt nun Adam Mosseri die Leitung von Instagram. Mosseri ist ein Facebook-Mann, der zuvor unter anderem für den Facebook Newsfeed verantwortlich zeichnete, bevor der Manager vor Monaten die Produktleitung bei Instagram übernahm.

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Mit dem Wechsel von Mosseri an die Spitze von Instagram dürfte der Einfluss von Facebook auf Instagram weiter wachsen. Anleger können erwarten, dass Instagram die Monetarisierung der Plattform weiter vorantreiben wird. Gleichzeitig wird erwartet, dass Instagram versuchen wird, mit neuen Produktideen weiter zu expandieren.

Wie Instagram YouTube angreifen will

Ein großes Instagram-Projekt ist dabei die neue TV-App IGTV. Vor 4 Monaten stellte Instagram die neue TV-App der Öffentlichkeit vor. IGTV ist innerhalb der Instagram App über einen Button zu erreichen.

Über IGTV können Video-Produzenten Videos mit einer Laufzeit von bis zu 1 Stunde hochladen – bislang lag das Limit bei Instagram-Videos bei 1 Minute. IGTV will vor allem populäre Videos von Prominenten und anderen Instagram-Stars promoten.

Allerdings können nicht nur Promis die neue Plattform nutzen. Auch gewöhnliche Nutzer, die schon länger bei Instagram dabei sind und eine größere Fangemeinde haben, können längere Videos über die Instagram App oder über das Web auf die neue Webseite hochladen. Instagram will diese Option später für alle Nutzer öffnen, heißt es.

Fazit: Instagram bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber für Facebook

Auch nach dem Rücktritt der beiden Instagram-Mitgründer ist die Foto-Sharing-Plattform ein wichtiger Wachstumstreiber für Facebook. Das Management rund um Mark Zuckerberg wird sicherstellen, dass dies auch künftig so bleibt.

Anleger können daher weitere Monetarisierungsschritte bei Instagram erwarten. Hier hat die Facebook-Tochter bereits mit der Integration seiner Stories- und Shopping-Funktion gute Erfolge vorzuweisen. Auch bei der neuen TV-App IGTV dürfte es über kurz oder lang wohl Werbeclips geben.

Doch ob Instagram tatsächlich zur großen Gefahr für YouTube & Co wird, ist fraglich – bislang blieb der große Ansturm auf die neue TV-App aus. Erste Szenekenner sprechen bereits vom ersten Instagram-Flop. Facebook wird sich also voraussichtlich deutlich mehr einfallen lassen müssen, um das langfristige Wachstumsziel von Mark Zuckerberg (5 Mrd. Facebook-Nutzer bis 2030) zu erreichen.

Für Anleger heißt das: Erst einmal die nächsten Zahlen abwarten, denn es könnte nochmal unruhig um die Facebook-Aktie werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Social Media Gigant bei den Nutzerzahlen enttäuschen sollte.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands