Intel-Aktie nach den Zahlen: Wohin geht die Reise in 2019?

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Intel enttäuschte zuletzt mit einem verhaltenen Ausblick. Dennoch sollten Anleger die Aktie nicht abschreiben. (Foto: Alexander Tosltykh / shutterstock.com)

Intel hat mit Robert Swan einen neuen Chef, nachdem der Manager 7 Monate lang als Interim-CEO fungierte. Nun soll Swan Intel als permanenter Chef leiten. Swan löst damit den langjährigen Intel-Chef Brian Krzanich ab, der wegen einer Beziehung zu einer Intel-Mitarbeiterin gehen musste – Krzanich hatte damit gegen interne Regeln des Halbleiterkonzerns verstoßen.

Auf den neuen Intel-Chef Robert Swan wartet viel Arbeit. Unter Krzanich hatte Intel zwar seine Abhängigkeit vom zyklischen PC-Prozessormarkt zwar reduzieren können, doch Akquisitionen wie die übernommene Basis Science und die anschließend neu gegründete Sparte New Devices Group entpuppten sich als Flop. Intel hatte die neue Sparte rund um tragbare Elektronikgeräte (Wearables) im Frühjahr 2018 geschlossen.

Swan muss daher neue Wachstumsmöglichkeiten für Intel auftun, will der Prozessor-Marktführer zu alter Stärke zurückfinden. Die jüngsten Zahlen zum vergangenen vierten Quartal 2018 offenbaren die Schwächen von Intel.

Intel-Aktie: Schwaches Wachstum und Ausblick enttäuschen

Zwar konnte Intel einen Umsatzanstieg um 9 % gegenüber dem Vorjahr auf 18,66 Mrd. US-$ melden, allerdings blieb der Chip-Spezialist damit hinter den Umsatzprognosen der Analysten (19 Mrd. US-$) deutlich zurück.

Insbesondere das Kerngeschäft mit PC-Chips (Client Computing Group) blieb mit einem Umsatzanstieg von 10 % auf 9,82 Mrd. US-$ hinter den Erwartungen (10 Mrd. US-$). Das Geschäft mit Halbleitern für Datenzentren (Data Center Group) blieb mit 6,07 Mrd. US-$ ebenfalls hinter den Prognosen der Wall Street (6,35 Mrd. US-$) zurück. Lediglich das Geschäft mit nichtflüchtigen Speicherlösungen konnte mit 1,11 Mrd. US-$ die Erwartungen annähernd erfüllen.

Zwar konnte Intel unter dem Strich mit einem Nettogewinn von 1,28 Dollar je Aktie die Gewinnerwartungen (1,22 Dollar je Aktie) übertreffen, gleichzeitig sorgte der Ausblick auf das laufende erste Quartal 2019 wieder für Enttäuschung. Intel erwartet fürs laufende Quartal einen Umsatz von rund 16 Mrd. US-$ und einen Nettogewinn von 87 US-Cent je Aktie. Analysten hatten mit einem Plus von 1,01 Dollar je Aktie und mit höheren Einnahmen (17,35 Mrd. US-$) kalkuliert.

Ansonsten soll der Intel-Umsatz in 2019 um nicht einmal 1 % auf rund 71,5 Mrd. US-$ zulegen, bei einem Nettogewinn von 4,6 Dollar je Aktie. Entsprechend enttäuscht reagierten Anleger und schickten die Intel-Aktie erst einmal auf Talfahrt.

So will Intel die Wachstumskrise beenden

Um wieder stärker zu wachsen, will Intel im Fiskaljahr 2019 seine Investitionen kräftig nach oben fahren – ganze 15,5 Mrd. US-$ sollen in diesem Jahr an Investitionsausgaben getätigt werden.

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Mit einer neuen Strategie will Intel in Märkten wie Daten-Management, dem Internet der Dinge und im Bereich Autonomes Fahren Fuß fassen. Um im letzteren Markt eine größere Rolle zu spielen, hatte Intel in 2017 bereits den Chip-Spezialisten Mobileye für 15 Mrd. US-$ aufgekauft.

Um im Bereich künstliche Intelligenz (KI) mehr Präsenz zu zeigen, hat Intel jüngst eine Partnerschaft mit Facebook geschlossen. Ziel der Partnerschaft ist die Entwicklung eines KI-Chips, der zum Beispiel automatisch Freunde auf Facebook-Fotos erkennt und kennzeichnen kann.

Zudem stellte Intel im Rahmen der Consumer Electronics Show in Las Vegas im Januar 6 neue Desktop-Chips vor, welche die Nachfrage im PC-Segment weiter befeuern sollen.

Fazit: Intel erweitert adressierbaren Markt, doch Anleger müssen geduldig sein

Intel hat in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Unter anderem wurde der KI-Chiphersteller Nervana, der Spezialist für programmierbare Chips Altera und der Auto-Chip-Spezialist MobileEye aufgekauft. Durch die Zukäufe hat Intel den adressierbaren Markt für seine Produkte auf etwa 300 Mrd. US-$ erweitert.

Bis sich diese Investitionen auszahlen, müssen sich Anleger dennoch noch gedulden. Vielmehr müssen Anleger damit rechnen, dass die nächsten Quartale bei Intel noch schwierig bleiben. Intel rechnet mit einem stagnierenden PC-Prozessorgeschäft in 2019, gleichzeitig will der Chip-Hersteller weiter in neue Wachstumsfelder investieren.

Auch auf makroökonomischer Ebene ist noch mit Gegenwind zu rechnet. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet ebenso, wie die abkühlende Weltkonjunktur.

Kurzfristig könnten die Aktien des Konkurrenten AMD für Anleger bessere Chancen bieten, zumal AMD für 2019 ein hohes einstelliges Prozentwachstum in Aussicht stellt. Dennoch sollten Anleger die Intel-Aktie nicht abschreiben. Neben neuen Wachstumsfeldern dürften neue 10-Nanometer-Prozessoren für eine stabile Nachfrage sorgen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands