Intel hat Mobileye übernommen – was bedeutet das für Anleger?

Intel hat jüngst die geplante Übernahme des israelischen Sensor-Spezialisten Mobileye für rund 15,3 Mrd. US-$ abgeschlossen – es ist die bislang zweitgrößte Übernahme von Intel, nachdem Zukauf von Altera im Jahr 2015.

Allerdings musste Intel für den Deal tief in die Tasche greifen. Bei einem geschätzten Mobileye-Umsatz von rund 500 Mio. US-$ für 2017, zahlte Intel rund das 31-fache des zu erwartenden Umsatzes für den israelischen Spezialisten – viele Intel-Anleger fragen sich daher, warum Intel derart viel Geld für Mobileye auf den Tisch legt.

Was ist Mobileye und was zeichnet das Unternehmen aus?

Die im Jahre 1999 von Amnon Shashua und Ziv Aviram gegründete Mobileye gilt als ausgewiesener Spezialist für die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen (Bremsassistenten, Spurwechselassistenten etc.), um Unfälle zu verhindern.

Das Unternehmen sieht sich selbst als Weltmarktführer für Unfallpräventionssysteme und dies erreicht Mobileye mit künstlicher Sehkraft und ausgeklügelter Technik (Algorithmen), die das Unternehmen kompakt in einem einzigen Lösungspaket verpackt.

Die Mobileye-Lösung kann dadurch nicht nur Objekte wie andere Verkehrsteilnehmer (Autos, Fußgänger, Radfahrer) auf der Straße, sondern auch Fahrbahnmarkierungen und Verkehrszeichen richtig einordnen und interpretieren.

Zu den Mobileye-Kunden zählen namhafte Firmen aus der Automobilindustrie wie Audi, Volvo, General Motors (GM) oder BMW. Insgesamt setzen bereits rund 30 Hersteller auf Mobileye-Technik in ihren Fahrzeugen, weltweit sind nach Mobileye-Angaben bereits 15 Millionen Autos mit Mobileye-Technik ausgerüstet.

Intel kauft Mobileye – das sind die Gründe für die Übernahme

Doch warum hat Intel für Mobileye gleich 15 Mrd. US-$ bezahlt? Zum einen hofft Intel durch die Übernahme von Mobileye auf Synergieeffekte, zum anderen auch auf einen Marktzugang zu einem wichtigen Zukunftsmarkt.

  • massive Einsparungen in der Forschungsarbeit: Diese sollen sich auf 175 Mio. US-$ pro Jahr durch die Zusammenlegung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten summieren.
  • neuer Milliardenmarkt: Intel rechnet damit, dass sich eines Tages selbstfahrende Autos durchsetzen werden. Glaubt man Prognosen von BI Intelligence, dürften in 2020 bereits 10 Millionen selbstfahrende Autos auf den Straßen unterwegs sein. Intel schätzt, dass der Markt für selbstfahrende Autos, Daten und Services im Jahr 2030 ein Volumen von bis zu 70 Mrd. US-$ erreichen wird.
  • Technikvorsprung von Mobileye: Mobileye gilt als führend im Bereich Unfallpräventionssysteme. Die nächste Chip-Generation von Mobileye soll Daten von 20 Sensoren auswerten und so vollständig autonomes Fahren ermöglichen.
  • Diversifikation der Umsatzbasis: Mit der Übernahme von Mobileye will sich Intel auch gegen den schwächelnden PC-Markt wappnen, der seit geraumer Zeit aufgrund des Trends hin zu Smartphones schrumpft. Für Intel ist das ein Problem, erwirtschaftet der Chip-Gigant nach wie vor einen Großteil seines Umsatzes mit dem Verkauf von PC- und Laptop-Chips.

Fazit: Intel geht beim Autonomen Fahren den offensiven Weg

Mit der Übernahme von Mobileye geht Intel beim Thema Autonomes Fahren aggressiv voran. Intel will sich damit nicht nur gegen den schrumpfenden PC-Markt wappnen und einen neuen Milliardenmarkt erschließen, sondern gleichzeitig auch den Konkurrenten Qualcomm auf Distanz halten.

Qualcomm hat Intel bei Smartphone-Chips abgehängt, nachdem Intel den Trend zu Mobile-Chips zunächst verschlafen hatte. Nun hofft Intel mit der Übernahme von Mobileye im Automobil-Bereich Fuß fassen und damit etwaige Konkurrenten wie Qualcomm, Waymo, nVidia hinter sich lassen zu können.

Um die Effektivität seiner Lösungen in der Praxis zu demonstrieren, will Intel bis Ende 2017 eine Flotte von rund 100 selbstfahrenden Autos mit Intel- und Mobileye-Technik auf die Straße stellen.

Kurzum: Intel erschließt sich mit der Übernahme von Mobileye einen potenziellen Milliardenmarkt, doch ob sich Intel in diesem Markt behaupten kann, bleibt abzuwarten. Die Konkurrenz ist groß und insbesondere der Grafikchip-Hersteller nVidia hat massiv investiert, um sich in diesem Markt an die Spitze zu setzen.

Anleger, die im Bereich autonomes Fahren investieren wollen, sollten daher sowohl Intel, Alphabet (Waymo) und nVidia im Auge behalten.

7. September 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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