Intel setzt mehr auf künstliche Intelligenz

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1 Mrd. US-$ Umsatz generierte Intel bislang mit dem Verkauf von KI-Chips - das soll erst der Anfang sein. (Foto: StockStudio / shutterstock.com)

Während AMD-Aktien in den letzten 6 Monaten deutlich anzogen, verloren die Aktien des Branchenprimus Intel im gleichen Zeitraum deutlich an Boden. Hintergrund sind offenbar Lieferengpässe, welche die Intel-Aktie derzeit belasten.

Das Research-Haus Fubon schätzt, dass Intel vom 4. Quartal 2018 bis zum 2. Quartal 2019 nicht genügend Chips für den PC-Markt liefern kann. Aus diesem Grunde rechnen manche Analysten schon damit, dass AMD seinen Marktanteil im Prozessor-Markt bis Ende nächsten Jahres von derzeit 10 % auf 30 % verdreifachen kann.

Intel verschätzt sich mit Produktionskapazitäten

Doch was war passiert? In den vergangenen 6 Jahren ist der PC-Markt stets geschrumpft, nachdem viele Konsumenten auf größere Smartphones und Tablet PCs gesetzt haben. Erst seit Ende 2017 zeichnet sich eine Stabilisierung ab, der PC-Markt legte Schlussquartal 2017 wieder leicht zu.

Halbleiterkonzerne wie Intel hatten sich in den letzten Jahren mit großen Investitionen in neue Produktionskapazitäten für PC-Chips eher zurückgehalten – dies scheint sich nun zu rächen. Dank der Lieferengpässe für PC-Chips bei Intel könnte der PC-Markt im vierten Quartal 2018 sogar um weitere 5 bis 7 % schrumpfen, glaubt man bei JP Morgan.

Auch Intel-Interim-Chef Bob Swan räumte die Probleme in der jüngsten Telefonkonferenz ein. Die größte Herausforderung sei, die zusätzliche Nachfrage zu erfüllen, so der Manager. Hierfür arbeitet Intel bereits an internen Lösungen. So bestätigte eine Intel-Sprecherin jüngst, dass Intel aufgrund der höheren Chip-Nachfrage weiter in seine 14-Nanometer-Produktionstechnik investieren wird. Kleinere Nanometer-Produktionstechniken bedeuten, dass Intel mehr Chips effizienter produzieren kann.

Intel will mehr künstliche Intelligenz in seine Chips bringen

Aber nicht nur der Wettlauf um die Umsetzung besserer Produktionstechniken begleitet Intel, auch das Thema künstliche Intelligenz rückt zunehmend in den Mittelpunkt. Im Juli hatte Intel erstmals Zahlen zum Thema künstliche Intelligenz (KI) veröffentlicht. Allein im Jahr 2017 generierte Intel einen Umsatz mit dem Verkauf von KI-Chips in Höhe von 1 Mrd. US-$. Das ist freilich noch wenig im Vergleich zum Gesamtumsatz von 62,8 Mrd. US-$, doch der Markt ist groß und wächst kräftig.

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Glaubt man einer Marktstudie von MarketsandMarkets, dürfte das Geschäft mit KI-Technik im Jahr 2025 ein Volumen von 190,6 Mrd. US-$ erreichen, nachdem in diesem Geschäft in 2017 rund 16,1 Mrd. US-$ umgesetzt wurden. Intel setzt hier auf frühe Investitionen. So wurde jüngst das KI-Start-up Vertex.AI von Intel übernommen. Das kleine Unternehmen hat eine spezielle Software (Deep Learning Engine) entwickelt, die künftig Teil der Intel Artificial Intelligence Products Group sein wird.

Fazit: Intel muss einen Gang nach oben schalten

Intel kämpft derzeit an 2 Fronten. Zum einen muss Intel weiter in die nächste Generation von Produktionsverfahren investieren, zum anderen muss der Chip-Gigant auch beim Thema künstliche Intelligenz (KI) weiter am Ball bleiben.

Analysten schätzen, dass der Intel-Konkurrent AMD schon im nächsten Jahr erste Chips im 7-Nanometer-Herstellungsverfahren produzieren wird. Dadurch könnten sich die Gewichte im Chip-Markt verschieben. Bislang dominierte Intel das Geschäft mit PC-Prozessoren mit einem Marktanteil von etwa 90 %, während sich AMD mit 10 % zufriedengeben musste. Analysten rechnen künftig mit einer Verschiebung der Marktanteile zugunsten von AMD im Verhältnis von 70:30. Will Intel diese Marktverschiebung noch verhindern, muss der Branchenprimus einen Gang zulegen.

Für Anleger bedeutet das: Weitere Investitionen könnten die kurzfristige Ertragslage und damit die Intel-Aktie weiter belasten, zumal der Chip-Gigant die Einführung der nächsten Chip-Fertigungstechnik auf Ende 2019 verschoben hat – dieses Thema wird Intel also noch länger beschäftigen. Anleger müssen daher weiter mit einem volatilen Intel-Aktienkurs rechnen. Insbesondere für sehr risikobewusste Anleger könnte daher die AMD-Aktie kurz- bis mittelfristig die bessere Wahl sein.

Insgesamt sollten Anleger, die sich für Chip-Aktien interessieren beachten, dass dieser Sektor sehr zyklisch ist. Während Lieferengpässe die Chip-Preise kurzfristig stark steigen lassen können, bewirken Überkapazitäten schnell das Gegenteil.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands