Investiert China bald auch in die Bundesliga?

Dem chinesischen Staatschef Xi Jinping scheint Fußball ganz besonders am Herzen zu liegen. Angeblich träumt er davon, dass China an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilnimmt, sein Land einmal ein WM-Turnier ausrichtet und dass China vielleicht irgendwann Fußball-Weltmeister wird. Das klingt zwar noch wie Science-Fiction, allerdings haben einige europäische Vereine bereits einen Sponsor aus Fernost.

In der spanischen und italienischen Liga, aber auch in England und Frankreich, haben die Chinesen schon Anteile von Fußball-Klubs erworben. Bislang fehlt im erlesenen Kreis der europäischen Top-Ligen nur die deutsche. Aber das ist wohl alles bloß eine Frage der Zeit. China möchte auch in die Bundesliga investieren.

China als Investor der Bundesliga

Inter und AC Mailand, Aston Villa und Espanyol Barcelona haben bereits einen Investor aus Fernost. Nach Einschätzung vieler einheimischer Klubbosse könnten sich die Asiaten in Deutschland breit machen und Anteile an Bundesliga-Klubs erwerben.

Wenn es nach dem Vorstandschef des FC Augsburg, Klaus Hofmann, geht, kann es sogar schon in dieser Saison sehr konkret werden mit dem frischen Geld aus China. Nach Informationen einiger deutscher Zeitungen könnten es sogar die Augsburger Kicker selbst sein, die als erster deutscher Bundesliga-Klub einen chinesischen Sponsor begrüßen dürfen.

Aufgrund der hierzulande geltenden 50+1-Regel ist allerdings eine Übernahme in der Rolle eines Mehrheitsgesellschafters nicht möglich. Aber selbst eine Minderheitsbeteiligung ist für die chinesischen Geldgeber kein Hindernis. Denn der Profifußball ist für chinesische Investoren auch aus anderen Aspekten interessant.

Schließlich möchten die Chinesen zu den großen Nationen des Weltfußballs aufschließen. Und das auch in den Bereichen Sportmarketing und Fußballschule. Um Einfluss im weltweiten Sportbusiness zu gewinnen, hat beispielsweise die Wanda-Gruppe aus Fernost die Rechteagentur Infront und andere Sportfirmen übernommen.

Chinesisches Geld für die Bundesliga: Vereine nicht abgeneigt

Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln, bestätigt zwar das Interesse chinesischer Investoren, wiegelt gleichzeitig aber ab – es habe immer mal wieder Anfragen aus China gegeben, zum ersten Mal vor zwei Jahren. Für den FC Köln sei das aber kein Thema.

Bei anderen Klubs scheint es dagegen weniger Berührungsängste zu geben. So betont der Finanzchef Ingo Schiller von Hertha BSC, man sei offen für den Einstieg eines weiteren Investors. Wie Victor Wang, Leiter des China-Desks bei der Unternehmensberatung Rödl & Partner meint: „Ob man in einen Markt investieren kann und will, hängt in erster Linie davon ab, ob der Markt an sich interessant ist.“

Inzwischen gibt es aber auch schon eine Kooperation eines deutschen Vereins mit einem chinesischen Sponsor. Der HSV arbeitet seit Kurzem mit dem chinesischen Super-League-Klub Shanghai FC zusammen. Die Hamburger beraten den chinesischen Vize-Meister im Hinblick auf die Strukturen des Vereins und hoffen auf ein Entree in den riesigen Markt.

Chinesische Investoren drängen in den Profifußball und damit auch in die Bundesliga. Einige deutsche Klubs bestätigen erste Anfragen aus Fernost. Es scheint wohl nur eine Frage der Zeit, bis der erste Bundesliga-Verein einen chinesischen Investor präsentiert.

16. November 2016

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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