Investition direkt beim Börsengang: sinnvoll oder nicht?

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Ob beim Börsengang eine Investition sinnvoll ist, zeigt sich in der Regel erst nach genügend Beobachtungszeit - die Flops überwiegen. (Foto: obs / Infineon Technologies AG)

Es tut sich wieder was in Sachen Neuzugang an der Börse: Der Essenlieferer Delivery Hero wagte sich dieser Tage an die Börse, ebenso die Pizzakette Vapiano sowie der Wohnimmobilien-Investor Noratis.

Essen auf Rädern oder in der Kette geht doch immer, könnte man meinen – und Wohnen sowieso. Doch nicht jeder IPO ist gleich ein Renner. Das englische Kürzel steht für Börsengang. Eine Investition kann sinnvoll sein, sollte aber erst mal abgewartet werden.

Investition beim Börsengang: 3 aktuelle Beispiele

Selbst entgangene Anfangsgewinne stehen nicht für das Risiko, das in jeder neuen Aktie steckt. Richtig sinnvoll war eine Investition beim Börsengang der 3 Kandidaten bisher noch nicht. Der Start verlief eher holprig. Die Aktie von Noratis zeigt ein Minus von rund 9 % und die von Vapiano fiel um 6,7 % zurück. Lediglich Delivery Hero schaffte es nach anfänglichem Absturz auf ein Plus von bislang 5,1 %.

Auch wenn Wohnimmobilien auf Anhieb als sprudelnde Geldquelle erscheinen – die Branche ist schwierig, Noratis setzt als Nischenanbieter mit Immobilien abseits der Metropolen auf ein riskantes Geschäftsmodell. Ob es auf Dauer trägt und Wachstumschancen hat, muss sich noch zeigen. Euphorie ist auch bei Vapiano nicht angesagt. Die Restaurantkette scheint zwar den Geschmacksnerv der Zeit zu treffen, doch sie ist eine unter vielen. Bei genauem Hinsehen fiel das Wachstum weniger stark aus, als in den vordergründigen Zahlen.

Allenfalls war eine Investition beim Börsengang von Delivery Hero sinnvoll. Das Berliner Unternehmen liefert mit Lieferheld, Foodora und Pizza.de das ins Haus, was bei Vapiano am Tisch angeboten wird. Schon das Emissionsvolumen ist mit bis zu 996 Mio. € fünf Mal höher. Und während der Restaurant-Markt einigermaßen gesättigt ist, haben Lieferdienste weitaus mehr Entwicklungspotenzial.

Kater nach Anfangseuphorie

Doch an vielem, was im aktuellen Trend heiß gekocht wird, haben sich in der Vergangenheit schon viele Anleger verschluckt. Der Absturz zahlreicher Neuplatzierungen nach dem Platzen der Dot.com-Blase um die Jahrtausendwende war natürlich extrem. Doch auch danach mussten Anleger der ersten Tage nach geraumer Zeit feststellen, dass sie überhöhten Preisvorstellungen mancher Investmentbanken aufgesessen sind.

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Selbst das Papier von Infineon, das sich seit Jahren stabil entwickelt, hat bis heute über 60 % verloren. Die Aktie startete 2000 mit einem Ausgabepreis von 35 € mit 70,20 € an der Kurstafel. Vorbörslich waren es sogar 110 €. Am ersten Handelstag konnten schnelle Trader Gewinne von über 140 % einstreichen. Schon bald aber ging es rapide bergab.

Zu den jüngeren Rücklaufkandidaten gehört neben Telefónica Deutschland vor allem Rocket Internet, das im Oktober 2014 an den Start ging. Nach anfänglicher Euphorie war recht bald die Luft raus. Bis heute verlor das Papier über 50 %. Für den jüngsten Auftrieb sorgte dessen erfolgreich lancierter Börsenstart vom Inkubationssprössling Delivery Hero.

Mehr Flops als Tops

Insgesamt gibt es grob drei Kategorien, wie sich Aktien nach einer Emission entwickeln: diejenigen, die sofort einbrechen, diejenigen, die nach geraumer Zeit auf den Boden der Realität sinken und Aktien, die sofort oder nach kurzzeitigen Anfangsverlusten gut zulegen. Ein Blick auf die deutsche Statistik: Von den 20 Neulingen des Jahres 2015 befinden sich sieben im Plus und 13 im Minus.

Das Verhältnis zeigt, wie wichtig es ist, ein Unternehmen, sein Geschäftsmodell sowie die Wachstumschancen genau unter die Lupe zu nehmen. Kennt man sich in bestimmten Branchen nicht aus, sollte man zumindest analysieren, ob eine Millionenkundschaft auf dessen Angebote wartet, wie etwa bei Amazon oder Alibaba.

Wer sich nicht gerade als Daytrader versteht, sollte erst nach einer Beobachtungszeit schauen, ob eine Investition beim Börsengang sinnvoll gewesen wäre. Zeigt sich, dass Substanz, Marktanteile und der Cash-Flow stimmen, ist das Risiko auf einen fahrenden Zug aufzuspringen deutlich geringer. Ob dabei Anfangsgewinne entgangen sind, wird dann allenfalls eine Randnotiz sein. Herbe Anfangsverluste sind weitaus schwieriger auszugleichen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.