Iran-Abkommen: Diese Unternehmen sind von US-Sanktionen betroffen

Die Kündigung des Iran-Abkommens hat Auswirkungen, die weiter gehen als die vordergründigen Sanktionen: Sie untergräbt den Dollar. (Foto: Per Bengtsson / shutterstock.com)

Donald Trump will mal wieder allen zeigen, dass er es ist, der die Ansagen macht. Er kündigt das Iran-Abkommen, die Auswirkungen sind noch völlig unklar.

Klar ist, dass ihm der Rest der Welt genauso egal ist wie das Vertrauen in eingegangene Verträge, die er nur als Papier ansieht. Das wird dann medienwirksam zerrissen und gleich darauf die Kündigung mit markiger Unterschrift und entschlossener Mine in die Kamera gehalten.

Ende des Iran-Abkommens und die Auswirkungen

Der Atom-Deal mag Schwächen haben, doch rüdes Vorgehen ist nicht der einzige Weg, notfalls einzelne Punkte auch knallhart nachzuverhandeln. Knallhart war hingegen der Tagesbefehl seines neuen Botschafters in Berlin Grenell an die deutsche Wirtschaft: „Unternehmen sollten sich umgehend zurückziehen.“ Und dieser Tage legt er nach: „Wer mit dem Iran Handel treibt, unterstützt den Terrorismus“.

Selbst in Zeiten des Kalten Krieges kam niemand auf die Idee, Energielieferungen aus der Sowjetunion als „Unterstützung des Kommunismus“ zu bewerten. Der Umgang mit dem Iran-Abkommen hat Auswirkungen, auch in Brüssel.

Während sich die Bundesregierung bedeckt hält, holt die EU ein Abwehrgesetz aus der Schublade, mit dem man europäischen Firmen verbieten kann, sich den amerikanischen Sanktionen zu beugen. Es soll sie schützen und bei Verlusten Anspruch auf Schadensersatz gewähren.

Unberechenbare Formulierungen

Abgesehen von der fraglichen Umsetzbarkeit der Maßnahme zählt wohl das Signal. Auch der Deutsche Industrie und Handelskammertag fordert ein „entschlossenes Vorgehen“. Doch für Unternehmen, die in den USA engagiert sind, ist das Risiko hoch, vom dortigen Markt ausgeschlossen zu werden. Hauptproblem sind vor allem die Finanzierungen. Fast alle europäischen Banken sind zugleich in den USA aktiv und haben keine Lust auf Repressalien.

Sie wären die ersten, die die Auswirkungen des gekippten Iran-Abkommens zu spüren bekommen. Von Sanktionen bedroht sind auch andere Unternehmen. Welche genau, ist wegen der im Detail ungenauen Formulierungen noch nicht klar. Unter Umständen ist die Unsicherheit auch gewollt.

Etwas eindeutiger ist der Passus „Firmen, die Geschäfte mit dem Regime in Teheran abwickeln“ – womit auch Umwege gemeint sind. Sogar laufende Geschäfte und Verträge sind betroffen. Sie müssen spätestens in einem halben Jahr beendet werden.

Betroffene Unternehmen

Abgesehen von zahlreichen nicht börsennotierten Mittelständlern im Bereich Maschinenbau stellt dies beispielsweise Siemens vor Probleme, das am Bau von 50 Lokomotiven im Iran arbeitet. Und Airbus liegt eine Bestellung über 95 Maschinen vor, wovon erst eine ausgeliefert wurde. Bei Airbus kommt hinzu, dass in den Flugzeugen viele Teile von US-Produzenten verbaut sind.

Diese hintersinnige Argumentation durch das US-Finanzministerium erinnert an die nach wie vor angedrohten Strafzölle auf Stahl: Weil dieser schließlich auch für militärisches Gerät wie Flug- und Fahrzeuge verwendet werde, gehe es um die Nationale Sicherheit.

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Aber es trifft auch den Aribus-Rivalen Boeing. Der hatte 2016 einen Vertrag zur Lieferung von 80 Jets in den Iran unterschrieben. Die Lizenz für das Geschäft über 17 Mrd. US-Dollar wird Boeing nun entzogen. Freiwillig zurückgezogen hat sich bereits der französische Ölkonzern Total. Der verzichtet dabei auch auf bereits angefangene Investitionen in Höhe von rund 5 Mio. Euro.

Abkehr vom Dollar beschleunigt

Selbst wenn es den Firmen gelingt, einen Großteil innerhalb von sechs Monaten abzuwickeln, bleibt zu klären, was die Aufforderung, den Iran bis dahin „zu verlassen“ genau bedeutet. Welcher Personenkreis ist gemeint? Auch Vermittler, Consultant-Agenturen oder Angehörige?

Letztlich werden sich die meisten Unternehmen dem Washingtoner Verdikt beugen. Doch Trump hat damit etwas losgetreten, was auf Dauer einen Pfeiler der US-Dominanz infrage stellt: der Dollar als Leit- und Rohstoffwährung. Nicht nur China arbeitet an Alternativen. Selbst die EU verfolgt wohl Pläne, iranische Öleinfuhren auf Eurobasis abzurechnen.

Standhaftigkeit bewies derweil ausgerechnet ein britisches Unternehmen. Pergas International Consortium hat einen Vertrag zur Ausbeutung eines Ölfelds im Iran geschlossen – in Anwesenheit des britischen Botschafters. In der Sache zieht Großbritannien trotz Brexit nun mit der EU an einem Strang.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.