Irrsinn: Jetzt ist auch die Kreditkarte in Gefahr

Die Kreditkarte ist in Gefahr. Neue Richtlinien zum Verbraucherschutz erschweren das einfache Zahlmodell und blockieren Transaktionen (Foto: qvist / Shutterstock.com)

Bargeld, Schecks, Kreditkarten – die Klassiker auf Reisen oder zum Einkauf drohen aus dem Alltag zu verschwinden. Neue Techniken und Verfahren im Zahlungsverkehr sind nur eine Sache. Kommen immer schärfere Sicherheitsregeln hinzu, werden die einfachsten Dinge obsolet.

Sicherheitspläne bringen Kreditkarte in Gefahr

Während Schecks weitgehend ausgedient haben und Bargeld kriminalisiert wird, ist nun auch die Kreditkarte in Gefahr. Der Grund: Neue Richtlinien zum Verbraucherschutz verkomplizieren das simple Zahlmodell bis zur Unbrauchbarkeit. Wie praktisch sie ist, weiß jeder, der ein Hotelzimmer oder Mietauto reserviert. Mit den Kreditkartendaten hat der Anbieter die Sicherheit, dass man zahlungsfähig ist und zieht das Geld am Ende ein.

Wurden die Daten einst am Telefon abgefragt, geht das längst online. Der Zahlvorgang ist sicherer als früher, und im Betrugsfall trägt der Kunde höchstens 150 € des Schadens. Trotz des immer noch verbreiteten Unbehagens, die Daten könnten in die falschen Hände geraten, hat der Einsatz von Kreditkarten mit dem Internet explosionsartig zugenommen. Und damit logischerweise die Anzahl von Missbrauchsfällen.

Mehr Aufwand, mehr Verdruss

Das relative Risiko aber hat deutlich abgenommen. Dennoch sieht sich die Europäische Bankenaufsicht (EBA) genötigt, neue Sicherheitsrichtlinien einzuführen. Karteinhaber sollen künftig zu 100 % identifizierbar sein. Deshalb müssen sie sich den Plänen zufolge ab 2018 zusätzlich über zwei Merkmale ausweisen:

  • Durch Eingeben einer PIN.
  • Außerdem mithilfe eines Besitzmerkmals, im Internet in Form des biometrischen Fingerabdrucks, weil man die Karte nicht physisch vorzeigen kann.

Unsicherheiten auf den Finanzmärkten belastenDie Bedingungen auf den Finanzmärkten sind heute komplett anders als jemals zuvor. Noch nie gab es eine so lang anhaltende globale Niedrigzins-Phase wie derzeit. Das stellt die großen Finanz-Dienstleister, Vermögens-Verwalter… › mehr lesen

Das mag auf Anhieb einleuchtend erscheinen, ist aber nicht durchdacht, kaum alltagstauglich und kontraproduktiv.

Als Kunde kennt man das Problem genauso wie jeder Online-Händler: Sobald ab einem bestimmten Punkt immer mehr Klicks, Datenabfragen und Rückversicherungen hinzukommen, wird der Vorgang zu kompliziert. Er nervt, frisst Zeit und wird vorzeitig abgebrochen. Wenn man nun bei Amazon oder Zalando auf die Schnelle ein Buch oder ein Hemd bestellen will und jedes Mal noch PIN und obendrein den Fingerabdruck eingeben soll, vergeht die Lust oder man wählt eine andere Abrechnungsart.

Systemfehler mit ungewollten Nebenwirkungen

Doch es geht nicht nur um Unannehmlichkeiten. Handfeste Unmöglichkeiten zeigen sich in einem anderen Bereich. Der auf Geschäftsreisen spezialisierte Kartenanbieter Airplus etwa fragt sich, warum die EBA mit das Wichtigste übersieht: Andere Weltregionen kennen diese Zusatzmerkmale nicht.

So werden in Asien und Amerika bei der Autovermietung oder fürs Hotelzimmer nur die klassischen Daten abgefragt. Und weil es dort für Kartenbesitzer weder PIN noch biometrische Daten gibt, könnten Reisende, die nach Europa wollen, mit ihren Kreditkarten nichts mehr ausrichten. Genauso wenig könnten sie Online-Bestellungen in Europa aufgeben.

Bei allem Verständnis für Sicherheit: Wenn absehbar ist, dass Millionen von Transaktionen unmöglich werden und europäische Unternehmen erhebliche Umsätze verlieren, bringen die jüngsten Pläne nicht nur die Kreditkarte in Gefahr – das international am meisten verwendete Zahlungsmittel.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.