Anlage-Strategie: Ist Warren Buffett Growth- oder Value-Investor?

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Warren Buffett ist einer der reichsten Männer der Welt. Doch woher hat er sein ganzes Geld? Ist er Growth-oder Value-Investor? (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Warren Edward Buffett gilt als der erfolgreichste Investor aller Zeiten. Geboren in Omaha, Nebraska im Jahr 1930 gilt er als einer der reichsten Menschen der Welt mit einem geschätzten Privatvermögen von circa 50 Milliarden US-Dollar. Buffett führt sein eigenes Investment-Unternehmen Berkshire Hathaway, in dem der Großteil seines Vermögens angelegt ist. Doch wie ist Warren Buffett so reich geworden? In welche Form von Aktien investiert er?

Buffett gilt als der Value-Guru schlechthin. Allerdings investiert er auch in Growth-Aktien, also Aktien mit überdurchschnittlichem Gewinnwachstum. Um von Warren Buffett lernen zu können, muss man in der Tiefe verstehen, wie er bei seinen Investments vorgeht. Dabei stellt sich bei genauem Blick heraus, dass es sich bei vielen seiner Investments eigentlich eher um Growth- als um Value-Aktien handelt.

Growth oder Value? Eine Frage der Definition…

Die Finanzindustrie tut so, als ob das eine das Gegenteil von dem anderen darstellt. Das hilft natürlich, um Produkte für Kunden zu entwickeln, die je nach Geschmack eher der Growth- oder der Value-Philosophie anhängen. Doch Sie als Kunde tun sich selbst keinen Gefallen, wenn Sie den Definitionen der Finanzbranche hier blind folgen.

Einer der größten Index-Anbieter, MSCI, bietet eine Vielzahl von Indizes an, die zwischen Value und Growth unterscheiden. Darauf basierend preisen die Banken reihenweise Zertifikate oder Fondsprodukte an. Doch die Definitionen von MSCI sind sehr fragwürdig.

Beispiel: Laut MSCI sind Value-Titel solche Aktien, die z.B. ein sehr niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aufweisen. Dann sind wohl Coca Cola mit einem hohen KGV von 45 auf Basis der geschätzten Gewinne oder McDonald´s mit einem KGV von sogar über 70 keine Value-Aktien, denn nach dem KGV sind diese Titel hoch bewertet und sehr teuer.

Eine Frage der Qualität

Warum hält Warren Buffett trotzdem die eben genannte Coca Cola mit einer hohen Gewichtung im Portfolio seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway?

Warren Buffett ist kein Trader. Er ist Investor – und zwar ein sehr langfristig ausgerichteter. Unternehmen wie Coca Cola betrachtet er als langfristiges, strategisches Investment. An den meisten seiner Aktien hält er Jahre oder sogar Jahrzehnte fest.

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Wenn er in ein Unternehmen investiert, ist der Preis für ihn gar nicht so entscheidend. Viele der Aktien, in die Buffett in der Vergangenheit investiert hat, sind damals gar nicht so billig gewesen – und das kennzeichnet nach landläufiger Meinung ja eigentlich einen Value-Investor. Was also zeichnet die typische Aktie von Warren Buffett aus, wenn es nicht die sehr niedrige Bewertung ist? Warren Buffett kauft Unternehmen, mit eindeutigen Wettbewerbsvorteilen gegenüber der Konkurrenz. Typischerweise arbeiten solche Unternehmen sehr viel profitabler als andere.

Für jeden Dollar, die das Unternehmen zur Produktion aufwendet, kommt am Ende daher ein höherer Ertrag heraus als bei anderen Unternehmen der gleichen Branche. Und diese Merkmale – Wettbewerbsvorteile und hohe Produktivität – haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass Buffetts Aktieninvestments ihre Unternehmensgewinne langfristig stärker steigern konnten als der breite Aktienmarkt.

Buffetts Geheimnis liegt also weniger darin begründet, dass er billige Unternehmensanteile kauft – was nicht heißt, dass der Preis für ihn unwichtig ist. Viel wichtiger ist die Qualität des Unternehmens, durch die die Gewinne gesteigert werden können.

Warren Buffett: Growth oder Value?

Ist Warren Buffett also vielmehr ein Growth- als ein Value-Investor? Ihm selbst werden diese Definitionen im Gegensatz zu den Marketing-Experten der Banken wahrscheinlich herzlich egal sein. Für ihn ist es entscheidend, hervorragende Investments zu tätigen – auch wenn diese auf den ersten Blick nicht immer spottbillig sind.

Für Sie als Anleger sind zwei Erkenntnisse wichtig.Erstens sollten Sie niemals eine Aktie kaufen, nur weil sie ein niedriges KGV aufweist. Oft hat es auch einen guten Grund, dass eine Aktie mit einer niedrigen Bewertung jahrelang vor sich hin dümpelt: Es fehlt an Qualität!

Zweitens sollten Sie Banken-Produkte – seien es Zertifikate oder ETFs – vermeiden, die einen Growth- oder Value-Index abbilden. Nur weil Marketing-Experten dem Kind einen bestimmten Namen geben, heißt das noch lange nicht, dass hier überwiegend gute Aktien enthalten sind.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.