Italienische Bad Banks: Regierung und EZB haben versagt

Analyse Stift Hand Diagramm – shutterstock_414153883 everything possible

Die italienische Regierung wickelt ihre beiden Krisenbanken Veneto Banca S.p.A. und die Banca Popolare di Vicenza S.p.A. mit Staatshilfen ab. […] (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die italienische Regierung wickelt ihre beiden Krisenbanken Veneto Banca S.p.A. und die Banca Popolare di Vicenza S.p.A. mit Staatshilfen ab.

Dafür muss der Steuerzahler bis zu 17 Mrd. € berappen.

Italienische Regierung: Insolvenz-Verschleppung und Zickzack-Kurs

Obwohl Rom und die EZB schon längst wussten, dass die Geldhäuser auf einem Riesenberg fauler Kredite sitzen und Hilfe von einem Rettungsfonds benötigten, unterblieben die Hilfen.

Manch einer spricht dahingehend bereits von Insolvenz-Verschleppung durch die Italiener und die Europäische Zentralbank.

Wir haben Ihnen auch den Zickzack-Kurs der Italiener aufgezeigt:

Einmal gab die Regierung bekannt, dass die beiden Krisenbanken hinsichtlich der System-Relevanz so wichtig seien, dass die eine vorsorgliche Rekapitalisierung benötigten.

Dann verlautbarte man wiederum, die Banken seien so unwichtig, dass kein öffentliches Interesse an ihrem Erhalt bestehe.

Italienischer Staat sät Misstrauen

EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte, dass durch die staatlichen Beihilfen in der Region Venetien eine Störung des Wirtschafts-Lebens verhindert wurde.

Außerdem würden die Maßnahmen zur Konsolidierung des italienischen Banken-Sektors beitragen.

Ja, was denn nun? – Dieses politische Gebaren sorgt für nichts anderes als für Misstrauen gegenüber dem Finanz-System und seiner Akteure.

Politisches Wischiwaschi

Sie erinnern sich sicher:

Die EU beschloss vor einiger Zeit Regeln und Maßnahmen, die euphorisch gefeiert und von der Politik, der Finanzwirtschaft sowie den Mainstream-Medien bejubelt wurden.

Demnach werden staatliche Rettungs-Aktionen für Banken verboten.

Analyse Stift Hand Diagramm – shutterstock_414153883 everything possible

Deutschland – Der heruntergewirtschaftete Industrie-StandortAuch nach der – besonders für die Altparteien – desaströsen Bundestagswahl 2017 werden Sie wenig über die neuen Pläne erfahren, welche die EU-Lenker schon längst auf dem Tisch liegen haben. Denn… › mehr lesen

Oder anders ausgedrückt: Die neuen Regeln sollten nach der Finanzkrise eigentlich verhindern, dass die Steuerzahler für marode Banken aufkommen müssen.

Und doch: Alles nur Papperlapapp! Diese Regeln können schneller außer Kraft gesetzt werden, als Sie blinzeln können.

Und wie, werden Sie sich jetzt bestimmt fragen…

So wurden die EU-Regeln für Staatshilfen ausgehebelt

Sie wissen: Von jeder Regel gibt es bekanntlich eine Ausnahme, so auch in diesem Fall.

Es wird an Ihnen vorbeigegangen sein, denn niemand berichtet groß darüber:

Erst im Juni 2016 gab es eine Grundsatz-Einigung zwischen der EU-Kommission und der Regierung in Rom.

Demnach darf die italienische Regierung der ebenfalls angeschlagenen Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena mit Kapital in Milliarden-Höhe helfen.

Die Monte wird zukünftig als profitabel eingeschätzt und gilt als „too big to fail“. Oder anders ausgedrückt: Fällt sie, dann wird dieser Sturz ein schweres Finanz-Beben auslösen.

Pfeifen Sie auf das, was die Politiker Ihnen erzählen

Kein Wunder also, dass die Italiener auch für ihre anderen Banken eine Ausnahme von der Regel machen dürfen.

Doch damit sind die Bestimmungen letztlich nicht einmal das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen.

Aufgrund solcher Nacht- und Nebel-Aktionen – unter dem Deckmantel einen Banken-Crash zu verhindern – muss jedes Mal wieder der Steuerzahler ran – also Sie.

Denn bei einer Abwicklung nach EU-Regeln hätten die anderen italienischen Banken 12,5 Mrd. € aus der Einlagensicherung aufwenden müssen.

Verstehen Sie: Banken hätten Banken retten müssen – aber jetzt rettet der Steuerzahler diese…


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
guido grandt neu
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.