Jack Ma taucht wieder auf: Wohin steuert die Alibaba Aktie?

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Jack Ma erscheint wieder in der Öffentlichkeit, doch der Gegenwind für Alibaba & Co aus Peking wird stärker. (Foto: testing)

Alibaba-Gründer Jack Ma war 3 Monate lang abgetaucht, nachdem der Gründer von Chinas größtem E-Commerce-Unternehmen die chinesischen Regulierungsbehörden kritisiert hatte.

Hintergrund war der abgesagte Rekord-Börsengang der Finanz-Sparte Ant Group, an der Alibaba etwa ein Drittel der Anteile hält. Der Ant-Börsengang wurde mit Spannung erwartet, wurde die Gruppe zuvor mit 313 Mrd. US-$ bewertet. Über den Börsengang wollte Ant Group etwa 34,5 Mrd. US-$ erlösen.

Aus dem Ant-Börsengang wurde allerdings nichts, nachdem die staatliche Börse in Schanghai den Börsengang stoppte. Damit war auch der Börsengang in Hongkong vom Tisch. Als Begründung verwiesen die Behörden in Schanghai auf regulatorische Fragen.

Mit dem Verschwinden von Jack Ma geriet auch die Alibaba-Aktie unter Druck. Erst als Ma in einem kurzen Online-Video vor etwa 100 Lehrern in China sprach, entspannte sich die Situation wieder und der Kurs der Alibaba-Aktie zog spürbar an. Doch was steckt hinter Chinas wohl erfolgreichstem Unternehmer?

Jack Ma: Wer ist Chinas erfolgreichsten Unternehmer?

Jack Ma bzw. Ma Yun wurde 1964 in Hangzhou (Provinz Zhejiang) geboren und wuchs unter bescheidenen Verhältnissen auf. Zunächst verdiente sich Ma 5 Jahre lang als Englischlehrer, als er nach einer USA-Reise zunächst mit 2.000 US-$ Startkapital das Branchenverzeichnis China Pages gründete. Dieses Projekt floppte allerdings.

Nach dem Rückschlag entschied sich Ma mithilfe von Freunden und einem Startkapital von 60.000 US-$ im Jahr 1999 die Online-Seite Alibaba.com zu gründen. Alibaba.com, der Name stammt aus der Geschichte „Tausendundeine Nach“, geht als die führende Online-Handelsplattform für Firmen (B2B) in die Geschichte ein und machte Ma zum Milliardär.

Später kamen zum Alibaba-Konzern noch weitere Unternehmen wie das eBay-Pendant Taobao und Tmall hinzu. Der Online-Zahlungsdienst Alipay rundete den Konzern ab, so dass die Alibaba Group heute zu den größten E-Commerce-Firmen auf der Welt zählt. Jack Ma selbst gilt mit einem geschätzten Vermögen von rund 50 Mrd. US-Dollar als reichster Chinese.

Wie geht es mit Alibaba und Ant weiter?

Die chinesischen Regulierungsbehörden haben Ende 2020 eine Kartell-Untersuchung gegen Ant Group eingeleitet. Die Behörden fordern die Gesellschaft auf, sich auf das Kerngeschäft mit Zahlungen zu konzentrieren. Dabei geht es insbesondere um das Online-Kreditgeschäft, in das Ant Group zuletzt expandiert war. Diese Expansion ist den Regulierungsbehörden offenbar ein Dorn im Auge.

Auch gegen den E-Commerce-Konzern Alibaba Group läuft inzwischen ein kartellrechtliches Verfahren in China. Die chinesischen Behörden werfen Alibaba vor, monopolartige Geschäftspraktiken anzuwenden, um Marktanteile zu verteidigen.

Zuvor musste Alibaba bereits eine Strafe von über 76.000 US-$ zahlen, nachdem die Firma die chinesischen Regulierungsbehörden nicht über die mehrheitliche Übernahme von InTime Retail informiert hatte.

Kurzum: Die chinesischen Behörden haben mit neuen Gesetzesvorhaben (Anti-Monopol-Gesetz) klargestellt, dass der Staat die Macht der großen Tech-Konzerne begrenzen will. Davon könnten in Zukunft große Tech-Konzerne wie Alibaba und Tencent unmittelbar betroffen sein.

Fazit: Alibaba & Co werden in Zukunft eher langsamer wachsen

Die Alibaba Group dominierte zuletzt noch mit einem Marktanteil von etwa 56% den chinesischen E-Commerce-Markt (Quelle: eMarketer). Auch wenn der Staat regulierend eingreifen sollte, dürfte sich an dieser Dominanz wenig ändern.

Alibaba hat in den letzten Jahrzehnten Strukturen aufgebaut, die durch Innovationen gewachsen sind. Dazu gehören auch neue Bereiche wie Alibaba Cloud, die bislang noch nicht sonderlich profitabel sind. Dies dürfte sich jedoch mit zunehmenden Skalierungseffekten in den nächsten Jahren ändern.

Auch ein vollständiger Rückzug von Jack Ma würde das Unternehmen voraussichtlich nur kurz belasten, denn mit Daniel Zhang hat die Alibaba Group bereits seit 2019 einen neuen Chef.

Allerdings dürfte der Gegenwind für Alibaba & Co von der Regulierungsseite her rauer werden und den Handlungsspielraum von Alibaba einengen. Anleger sollten in Zukunft mit deutlich niedrigeren Wachstumsraten bei Alibaba rechnen.

Unter dem Strich bleibt die Alibaba Aktie für konservative Anleger eine interessante Option, um das Kapital in den nächsten 3 bis 5 Jahren anzulegen. Das E-Commerce- und Cloud-Geschäft von Alibaba dürfte auch in den nächsten Jahren solide Wachstumsraten aufweisen.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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