Japan: Reformpolitik sorgt für neuen Schwung am japanischen Aktienmarkt

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Durch eine Reformpolitik der Japanischen Regierung stehen die Chancen zum Wandel der Außenpolitik gut. Erfahren Sie hier anhand einer Checkliste, was Sie bei Investitionen beachten sollten. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Eine wilde Achterbahnfahrt am Aktienmarkt, lockere Geldpolitik, unklare Wirtschaftssituation – so könnte man derzeit das Geschehen in Japan beschreiben. In Japan zu investieren erscheint angesichts dieser Vorgaben nicht allzu attraktiv. Aber bedenken Sie: Gerade in solchen Situationen lohnt es sich, als Anleger über einen Einstieg nachzudenken.

Denn wenn die meisten Anleger Angst vor einem Investment haben, lassen sich viele Perlen finden, die sich später als lohnendes Investment entpuppen können. In Japan zu investieren ist auch im Sinne einer breiten Diversifizierung sinnvoll. Tatsächlich bietet Japan als eine der führenden Industrienationen viele Chancen und Vorteile. Um das richtige Investment zu finden, sollten Sie aber auch die Nachteile und Gefahren beachten.

Technologievorsprung und bekannte Marken

Japan ist ein innovationsfreundliches Land. Da muss es niemanden wundern, dass in Japan vor allem technologielastige Branchen zu Hause sind. Die Schwerpunkte der japanischen Wirtschaft liegen bei:

  • Elektronikkonzernen
  • Automobilbauern
  • Maschinenbauunternehmen
  • Chemieunternehmen

Als Anleger profitieren Sie davon, dass darunter viele solide Unternehmen sind. Die großen japanischen Unternehmen sind mit ihren Marken auch auf den westlichen Märkten vertreten, und das schon seit Jahrzehnten. Bekannt sind beispielsweise die Marken Toyota, Mazda und Mitsubishi (Automobil), sowie Canon, Fujifilm und Sony (Foto- und Filmausrüstung, optische Geräte, Unterhaltungs- und sonstige Elektronik).

Begeisterte Radfahrer werden zudem möglicherweise mit dem Namen Shimano etwas anfangen können. Der Fahrradausrüster produziert beispielsweise hochwertige Gangschaltungen für Renn-, Touren- und sonstige Sporträder.

Schafft die einstige Exportnation die Wende im Außenhandel?

Japan hat sich in der Vergangenheit als Exportnation einen Namen gemacht. Jahrzehntelang verdienten die Japaner sehr gut daran, vor allem Autos und Elektronik in die westliche Welt zu exportieren. Im Jahr 2011 überraschte Japan die Welt mit der Nachricht, erstmals seit über 30 Jahren mehr importiert als exportiert zu haben.

Bei rund 1,5 Bio. Yen (12 Mrd. €) lag damals das Handelsbilanzdefizit. Dieses Defizit hat sich 2012 noch vergrößert und lag bei etwa 6,9 Bio. Yen (umgerechnet etwa 55 Mrd. €). 2 Faktoren tragen die Hauptschuld an der Erhöhung der Importe und der Senkung der Exporte:

  • Das Reaktorunglück von Fukushima und die Folgen: Nach dem Reaktorunglück in Fukushima schaltete Japan zunächst aus Sicherheitsgründen das Gros seiner Kernkraftwerke ab, um deren Sicherheit zu überprüfen. Bis Anfang 2013 liefen nur 2 von insgesamt 55 Kernkraftwerken. Ein Zuwachs an Importen fossiler Energieträger war die zwangsläufige Folge.
  • Der hohe Wechselkurs des Yen: Japans Export leidet zunehmend unter der Euro- und Dollarkrise. Denn als Folge der geschwächten westlichen Währungen ist der japanische Yen gestiegen. Das aber bedeutet: Umgerechnet in Euro oder Dollar sind japanische Güter teurer geworden. Deshalb setzt die aktuelle Regierung alles US-Dollar wieder zu senken.
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Unberechenbar: die Spannungen mit China

Wichtigster Handelspartner von Japan ist China. Das bedeutende Schwellenland rangiert auf der Liste der Abnehmer japanischer Produkte mittlerweile auf Platz 1 und damit noch vor den USA. Aufgrund seiner Lage ist Japan eigentlich der ideale Handelspartner für das riesige Schwellenland.

Allerdings ist das Verhältnis zwischen Japan und China nicht ungetrübt. Die beiden Länder streiten sich beispielsweise um eine unbewohnte Inselgruppe im ostchinesischen Meer, die neben einem hohen Fischreichtum auch noch über große Erdöl- und Erdgasvorkommen verfügt. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist daher kompliziert und reichlich angespannt.

Allerdings ist Japan – gerade mit Blick auf seine Außenhandelsbeziehungen mit China – um eine Mäßigung bemüht. Japan tut gut daran, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Es würde sonst seinen inzwischen wichtigsten Handelspartner vergraulen.

Binnennachfrage wird immer geringer

Japan hat nicht die Möglichkeit, die verlorenen Exportchancen einfach durch eine verstärkte Binnennachfrage zu kompensieren. Dagegen spricht die demografische Entwicklung des Inselstaates. Denn die japanische Bevölkerung altert rapide – bei fehlendem Nachwuchs. Bei fast einem Viertel der Bevölkerung liegt zwischenzeitlich der Anteil der über 65-Jährigen. Tendenz: stark steigend. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bereits im Jahr 2060 mehr als 40% der Bevölkerung über 65 sein dürfte.

Japans Staatsfinanzen: Ein Trauerspiel, aber weitgehend ohne internationale Bedeutung

Japans Staatsschuldenquote liegt bei mehr als 200% des BIP. Diese Zahl erscheint auf den ersten Blick desaströs. Vor allem verglichen mit dem europäischen Pleitestaat Griechenland, dessen Schulden sich „nur“ auf 156% des BIP belaufen. Warum aber ist Japan dann nicht längst pleitegegangen? Das hat einen einfachen Grund: Japan hat sich als Staat nicht im Ausland verschuldet, sondern vorwiegend bei der eigenen Bevölkerung.

Das heißt: Der japanische Staat muss nicht ausländischen Investoren das Geld zurückzahlen, sondern seinen eigenen Landsleuten. Die zunehmend alternde Bevölkerung ist dabei allerdings eine Zeitbombe. Denn sie wird ihr gespartes Geld im höheren Alter mit großer Wahrscheinlichkeit zurückfordern. Und spätestens dann muss der japanische Staat Farbe bekennen und eingestehen, dass er die immense Schuldenlast gar nicht zurückzahlen kann.

Warum notiert der Yen gegenüber Euro und Dollar so hoch?

Hohe Staatsschulden und eine extrem lockere Geldpolitik – eigentlich sollte das doch heißen, dass die japanische Währung Yen einen massiven Wertverlust erleiden müsste. Warum aber ist der Kurs des Yen in den vergangenen Jahren gegenüber dem Euro und US-Dollar enorm angestiegen? Der Grund dafür sind sogenannte Carry Trades.

Für institutionelle Finanzmarktteilnehmer war es lange Zeit ausgesprochen interessant, sich in Japan Geld zu leihen. Der japanische Leitzins liegt seit mehreren Jahren zwischen 0,0 und 0,5%. Dieses Geld wurde dann im Euro-Raum oder den USA angelegt. Dort waren die Zinsen bis zum Ausbruch der Finanzkrise deutlich höher. Aktuell liegen die Leitzinsen in Japan, Europa und den USA zwischen 0 und 0,5%.

Checkliste: Worauf Sie bei Japan-Investments achten müssen

  • Ausgewählte Japan-Investments sind trotz aller Gefahren empfehlenswert. Denn als Anleger sollten Sie im Depot für eine möglichst große Risikostreuung sorgen.
  • Nutzen Sie die Rückschläge der jüngsten Zeit am japanischen Aktienmarkt, um gezielt einzelne Titel zu kaufen, in die es sich zu investieren lohnt. Die Kursstürze der vergangenen Wochen bescheren Ihnen bei soliden Unternehmen ein zusätzliches Chancen-Plus, das Sie nicht hätten, wenn sie ausgeblieben wären.
  • Kaufen Sie auf keinen Fall japanische Staatsanleihen. Der Inselstaat ist mit über 200% des BIP verschuldet. Ob er seine Schulden jemals zurückzahlen kann, steht in den Sternen. Dass die Verschuldung ihn noch nicht in den Ruin getrieben hat, liegt daran, dass Japans Staatsanleihen überwiegend in der Hand der eigenen Bevölkerung sind.
  • Setzen Sie in Japan nicht per Indexzertifikat oder ETF auf den Leitindex Nikkei. Denn dieser Index ist aufgrund der aktuellen Gegebenheiten rückschlagsgefährdet. Möglich (und durchaus sinnvoll) ist dagegen ein Discount-Zertifikat, das einen Risikopuffer gegen Kursstürze bietet.
  • Spekulieren Sie nicht auf eine steigende oder fallende Yen-Entwicklung: Aktuell ist der Wechselkurs des Yen gegenüber dem Euro und dem US-Dollar sehr schwankungsstark. Ob er weiter steigen oder fallen wird, ist unklar. Unklar ist ebenso die Frage, ob die Bemühungen der japanischen Regierung um eine Schwächung des Yen Erfolg haben werden.
  • Ein Wechselkursrisiko tragen Sie auch beim Kauf japanischer Aktien. Gewinnt der Yen an Wert, beschert Ihnen das zusätzliche Gewinne. Verliert er dagegen an Wert, erleiden Sie zwar Verluste, aber Sie profitieren dafür von einer Stärkung des Exports.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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