Kakao-Aktien: Das bessere Rohstoffinvestment?

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Kakao-Aktien sind eine Alternative zum Rohstoffinvestment in den Grundstoff für Schokolade. Solide zeigen sich die Schweizer Hersteller. (Foto: Ammit Jack / shutterstock.com)

Parallel zum allgemeinen Gesundheitstrend isst die Welt nach wie vor gerne Süßes. Und Schokolade gehört immer dazu. Die Preise im Laden sind kaum gestiegen, obwohl der Grundstoff Kakao an den Rohstoffmärkten erheblich zugelegt hat. Dieses Jahr fällt die Ernte zudem gering aus, was den Preis weiter antreiben wird.

Einen Rekordstand hatte der Kakaopreis mit 3.200 US-Dollar pro Tonne zuletzt 2014 erreicht. Anschließend war er nach guten Ernten drastisch um gut 40 % gefallen. Und nun wird die Marke von 2.300 US-Dollar erwartet. Das Auf und Ab von Rohstoffen ist für ein Investment über Zertifikate oder ETCs nicht jedermanns Sache.

Kakao-Aktien der großen Produzenten

Weniger nervenaufreibend sind Kakao-Aktien von Konzernen die die Welt versüßen. Von den dominierenden Herstellern sitzen drei in den USA und drei in der Schweiz.

Der kleinste in den USA ist Rocky Mountain Chocolate Factory. Die Umsätze sind seit drei Jahren leicht rückläufig und beliefen sich zuletzt auf 38 Mio. US-Dollar. Auch das operative sowie das Betriebsergebnis befinden sich im Rückwärtsgang. Die Kakao-Aktie konnte zwar seit dem Jahr 2000 um 365 % zulegen. Doch zum einen ist der Verlauf extrem volatil, zum anderen gab das Papier seit 2015 um 16 % nach. Allenfalls dürfte es sich mittelfristig auf dem bislang niedrigen Niveau halten.

Erheblich größer und aussichtsreicher ist die Aktie von Hershey, bekannt durch Marken wie Kisses oder Kit Kat. Hershey konnte seine Umsätze leicht steigern, zuletzt auf rund 7,5 Mrd. US-Dollar. Beim Gewinn ging es in fast zweistelligen Prozentzahlen bergauf. Die Aktie legte auf Dreijahressicht um über 15 % zu. Die Analysteneinschätzungen ergeben ein positives Bild.

Milka und Toblerone wiederum stammen vom Nahrungsmittelriesen Mondolez, die börsennotierte Tochter von Kraft Foods mit Sitz im US-Staat Illinois. Die Aktie ist über Jahre hinweg im grünen Bereich, erlebte im Frühsommer einen Einbruch, konnte sich aber seitdem gut erholen.

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Der Vorteil von Mondolez: Der Konzern ist breit aufgestellt, Schokolade ist nur ein Teil im großen Spektrum. Bei stagnierenden Umsätzen von ca. 25,9 Mrd. US-Dollar konnten die Gewinne zuletzt extrem zulegen. Mondolez hat mit veränderter Kostenstruktur seine Profitabilität deutlich erhöht.

Schweizer Hersteller mit Favoriten

Das Schweizer Gegenstück zu Kraft, Nestlé, zählt mit seiner großen Produktpalette ebenfalls zu den großen Kakaoverarbeitern und Schokolageherstellern. Die Gesamtumsätze belaufen sich auf nahezu 100 Mrd. Franken, das operative Ergebnis konnte zuletzt um 4 % zulegen. Auch die Aktie ist nach einem spürbaren Einbruch wieder auf dem Weg Richtung Höchststand, der vor einem Jahr mit 85,35 Franken erreicht wurde.

Barry Callebault ist mit Umsätzen von zuletzt 6,8 Mrd. Franken und zweistelligen Gewinnzuwächsen ein Unternehmen, dessen Aktie Freude machte. Seit zehn Jahren ist sie um 131 % gestiegen, gab aber in letzter Zeit etwas nach. Der Schweizer Schokoladen- und Kakao-Hersteller legte zu Jahresbeginn einen überraschend schlechten Start hin, kann jedoch wieder mit guten Zahlen im ersten Halbjahr aufwarten. Dazu trägt ein Deal mit Mondolez über 30.000 Tonnen Schokolade bei.

Lindt & Sprüngli, unter anderem durch die Goldhasen bekannt, ist mit 278 % Zuwachs seit zehn Jahren die ertragsreichste reine Kakao-Aktie. Das solide Wachstum hält unverändert an. Die Umsätze steigen seit Langem, zuletzt auf fast 4,1 Mrd. Franken. Die Gewinne zeigen rückblickend ebenfalls in keinem Jahr Rückgänge.

Die Branche setzt auf Schokotrend in Asien

Was den internationalen Markt generell angeht, so verzeichnet Nordamerika leichte Rückgänge, Europa hält sich, in den Schwellenländern, in Asien und vor allem China aber nimmt die Lust auf Kakaoprodukte und Schokolade zu. Verglichen mit deutschen Konsumgewohnheiten ist das Potenzial erheblich: Gönnen sich Chinesen höchstens zwei Schokoladentafeln zu 100 g im Jahr, so liegen die Deutschen bei über 80 Tafeln, das Doppelte des Konsums in den USA. Damit sind sie Weltmeister.

Übrigens: Auf der Suche nach Kakao-Aktien sollte man sich nicht vom Kakao-Konzern irritieren lassen. Kakao ist ein südkoreanisches Internetunternehmen mit Suchmaschine, Musikstreaming und Social Media Angeboten.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.