Kapitalspritzen und Bad Banks – Italien atmet auf

Die Bankenrettung in Italien ist umstritten, schien aber unvermeidlich. Finanzlöcher und faule Kredite bedrohten das System als Ganzes. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Es war ein mühsamer Weg und für viele Anleger eine Zitterpartie. Doch nun gibt es mit der Bankenrettung in Italien eine Sorge weniger. Die Finanzlöcher dreier Sorgenkinder werden gestopft und faule Kredite abgebaut.

Die bedrohen nämlich das gesamte Bankensystem, mit Auswirkungen, die sich nicht auf die 700 italienischen Banken beschränken würden. Die Branche hat seit der letzten Finanzkrise gut 80 % ihres Börsenwerts verloren.

Italiens Bankenrettung in zwei Schritten

Um Schlimmeres zu vermeiden, hat sich Italien zur Bankenrettung entschlossen, nachdem sie sich zuvor mit der EU über einige heikle Punkte einigen konnte. Das Ganze erfolgte in zwei Schritten. Im Juni wurde der Plan für die beiden hoffnungslosen Fälle Banca Populare di Vicenza und Veneto Banca vorgelegt. Im Juli ging es um eine Kapitalspritze für die als überlebensfähig eingestufte Banca Monte dei Paschi, Siena – immerhin die drittgrößte und älteste Bank im Land.

Da die kleineren Kandidaten Banca Populare di Vicenza und Veneto Banca sich kaum aus eigener Kraft über Wasser halten können, werden die Institute zwar gerettet, verlieren aber ihre Selbständigkeit und werden aufgespaltet. Ihre Eigenkapitallücke betrug zusammen 6,4 Mrd. €. Hinzu kommt ein Abgrund fauler Kredite. Der Staat schießt bis zu 17 Mrd. € zu, wovon 12 Mrd. € zur Abwicklung der Kredite dienen. Rund 5 Mrd. € stehen für die Abwicklung der Banken selbst zur Verfügung.

Sie werden von Intesa Sanpaolo übernommen, der Nummer zwei in Italien. Als einzige Großbank liefert sie nur gute Nachrichten. Intesa hat schon früh faule Kredite abgebaut und die Kosten massiv gesenkt. Die Bank steht noch besser da als die Nummer eins Unicredit, die sich mit einer Kapitalerhöhung aus dem Sumpf zieht. Von den einverleibten Regionalbanken werden 600 der insgesamt 960 Filialen geschlossen.

Die Geschäfte übernimmt Intesa zum symbolischen Preis von 1 €. Und sie kann sich die Filetstücke aussuchen. Unrentable Teile werden in eine staatlich kontrollierte Bad Bank ausgelagert. Der Schritt erschien unvermeidlich, da bereits eine vorangegangene Finanzhilfe durch den staatlichen Rettungsfonds Atlante in Höhe von 3,5 Mrd. € nichts gebracht hatte.

Sorgenkind Monte Siena quasi verstaatlicht

Eine Finanzspritze erhält nun Monte Siena dei Paschi. Vorsorglich fließen 5,4 Mrd. € in die Bank, die eigentlich als profitabel gilt und die für eine Zerschlagung zu groß ist. Weil die Hilfe, anders als bei den beiden Regionalbanken, nicht nach nationalen, sondern EU-Regeln erfolgt, müssen auch die Anteilseigner und nachrangigen Anleihegläubiger ihren Beitrag leisten, mit 4,3 Mrd. €. Hinzu kommen rund 500 Mio. €, die aus dem Verkauf verschiedener Geschäftsbereiche der Traditionsbank stammen.

Mit der Beteiligung der Anteilseigner und Gläubiger ist der Steuergeldanteil begrenzt. Dies war Voraussetzung für die Genehmigung durch die EU. Außerdem wird die Bank als überlebensfähig und die Rekapitalisierung als Vorsorgemaßnahme eingestuft.

Eine weitere Bedingung durch die EU ist ein grundlegender Umbau des Instituts. Die Geschäfte sollen neu ausgerichtet und rund 26 Mrd. € an faulen Krediten in eine privat finanzierte Zweckgesellschaft ausgegliedert werden. Gleichzeitig übernimmt der Staat 70 % der Bankanteile.

Wie zu erwarten, gab es danach Kritik an der Bankenrettung in Italien. Von Ausnahmen und einer Verbiegung der EU-Regeln ist die Rede, die seit der Finanzkrise eine vorrangige Haftung der Aktionäre und Kreditgeber vorsehen. Allerdings hätte das in Italien gravierende Folgen gehabt. Denn dort halten traditionell sehr viele Menschen Anleihen ihrer Bank.

Umstrittene Maßnahme gegen weitere Verwerfungen

Ein erneutes Anwachsen von Protestwählern und ein Erstarken populistischer Parteien würde den Fortbestand der EU bei den nächsten Wahlen einmal mehr infrage stellen. Laut Verfassung müssen sie bis spätestens 23. Mai 2018 stattfinden. Die politische Entscheidung zur Rettungsaktion dürfte zur Beruhigung der Lage beitragen.

Den italienischen Aktien jedenfalls hat sie bereits Auftrieb gegeben. Der Leitindex FTSE MIB legte an der Börse Mailand einen Gang zu und entfaltet sein Aufholpotenzial. Seit einem Jahr hat er um über 28 % zugelegt. Beim Dax zum Vergleich waren es 23,7 %.

Wirft man ein Auge auf die Aktie von Monte die Paschi, so zeigt sich ein Verlust von 97 % in den letzten drei Jahren. Wer beim aktuellen Stand von 15 € auf einen Turnaround setzt, braucht jedoch eine gewisse Portion Mut. Seit letztem Jahre ist das Papier vom Handel ausgesetzt. Nach der jüngst genehmigten Rettung dürfte er bald wieder aufgenommen werden.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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