Katastrophenanleihen: Risikotransfer in den Kapitalmarkt

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Im Jahr 2008 hatte die Munich Re eine Katastrophenanleihe in Höhe von 300 Mio. Dollar am Kapitalmarkt platziert. Anleger gehen leer aus. (Foto: JHVEPhoto/Shutterstock)

Katastrophenanleihen (engl.: Cat-Bonds oder Act-of-God-Bonds) sind Hochzins-Anleihen und werden von Versicherungsunternehmen oder Rückversicherern ausgegeben, um finanzielle Schäden zu kompensieren, die durch Naturkatastrophen entstanden sind.

Neben den klassischen Emittenten haben in der Vergangenheit auch Lebensversicherungen Katastrophenanleihen zur Verbriefung der Risiken aus Extremmortalität ausgegeben.

Zudem haben einige von Naturkatastrophen besonders betroffene Industrieunternehmen als Emittent für Katastrophenanleihen fungiert (Vergnügungspark in Japan, Energieunternehmen in Frankreich).

Der Anleger zeichnet die Anteile und erhält, falls keine vorher definierte Naturkatastrophe eintritt, die Zinsen, die durch die Kapitalanlage erwirtschaftet werden und die Prämie, die der Emittent als Ausgleich für die Risikoabsicherung bereit ist einzuzahlen.

Nach Ende der Laufzeit erhält der Investor, für den Fall, dass die definierte Naturkatastrophe nicht eintritt, sein Kapital zurück.

Somit wetten die Anleger von Katastrophenanleihen mit der Möglichkeit eines hohen Zinsertrages gegen das Wetter.

Mehr dazu: Anleihen müssen in jedes Depot

Bei Eintritt einer Naturkatastrophe geht der Anleger leer aus

Falls eine definierte Naturkatastrophe eintritt, ist die Verpflichtung des Emittenten, die Zinsen und die Prämie zu zahlen und das Kapital zurückzuzahlen, entweder aufgeschoben oder aufgehoben.

Dass der Anleger auch leer ausgehen kann, zeigen viele Beispiele.

Dieser Fall ist beispielsweise wegen des Erdbebens in Japan aufgetreten. Die vom Rückversicherer Munich Re emittierte Katastrophenanleihe ist ausgefallen.

Im Jahr 2008 hatte Munich Re über eine Zweckgesellschaft für den japanischen Erstversicherer Zenkyoren Erdbebenrisiken im Volumen von 300 Mio. Dollar am Kapitalmarkt platziert.

Die Anleihe würde im Fall einer Überschreitung eines bestimmten Grenzwertes bei einem Erdbeben nicht zurückgezahlt und die Summe komplett an Zenkyoren ausgezahlt werden.

Dieser Fall ist eingetreten, und die Anleger gehen leer aus.

Die Munich RE nutzt seit vielen Jahren Katastrophenanleihen für den Risikotransfer in den Kapitalmarkt.

Ende Juli hat das Unternehmen mittels einer Katastrophenanleihe Sturmrisiken in Europa im Wert von 150 Mio USD über den Kapitalmarkt abgesichert.

Somit schützt sich die Munich RE damit bis Mitte Juli 2014 vor Schäden durch Extremereignisse.

Katastrophenanleihen: Vorteile für den Anleger und Emittent

Der Vorteil für einen Anleger einer Katastrophenanleihe ist der vergleichsweise hohe Zinssatz.

Eine Verzinsung zwischen drei und sieben Prozent über dem aktuellen Geldmarktzins ist durchaus üblich.  Katastrophenanleihen eignen sich zur Depotbeimischung, weil sie nur in Grenzen von den Entwicklungen des Finanzmarktes abhängig sind.

Der Vorteil für den Emittenten liegt in der Weitergabe des Katastrophenrisikos an den Kapitalmarkt, was unter Umständen günstiger sein kann als die traditionelle Absicherung von derartigen Risiken über Versicherungen bzw. Rückversicherungen.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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