Kein Europagesetz für Makler und Verwalter in Sicht – was tun?

Haben Sie sich auch schon einmal ein Gesetz für Immobilienmakler gewünscht? Ein Gesetz, in dem die Rechte und Pflichten des […]

Haben Sie sich auch schon einmal ein Gesetz für Immobilienmakler gewünscht?

Ein Gesetz, in dem die Rechte und Pflichten des Kunden ganz genau aufgelistet sind. In dem verankert ist, wann der Kunde die Provision bezahlen muss.

Ein Gesetz, auf das Sie verweisen können, wenn Kunden wieder eine Auskunft verlangen, zu der Sie keine gesicherten Informationen haben.

Ein Gesetz, das den Handlungsrahmen für Immobilienmakler genau festlegt. Als Verwalter denken Sie bestimmt ähnlich.

Ein solches Gesetz ist Wunschdenken.

Es wird es auch bleiben. Eines der wichtigsten Ergebnisse des Europäischen Kongresses für Immobilienexperten, der vergangenen Monat in Saarbrücken stattgefunden hat, ist, dass kein Europagesetz für Immobilienmakler in Sicht ist.

Deutschland hofft auf den Fach- und Sachkundenachweis

In Deutschland machen sich Branchenvertreter Hoffnung auf eine zusätzliche gesetzliche Reglementierung des Maklerberufs.

Außerdem hat Staatssekretär Ferlemann, Bundeministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, auf dem Kongress des Spitzenverbandes der Immobilienverwalter DDIV angekündigt, dass es in Zukunft wohl eine gesetzliche Regelung für die Berufszulassung der Immobilienverwalter geben soll.

Gegen den Europatrend

Diese Ankündigung ist für einen sauberen Markt der Immobilienverwalter erfreulich und stimmt hoffnungsvoll. Genauso wäre die gesetzliche Einführung des Sach- und Fachkundenachweises für Immobilienmakler vor Erteilung der Gewerbeerlaubnis eine sicherlich sinnvolle gesetzliche Regelung.

Aber: Diese Entwicklungen stehen gegen den europäischen Trend.

Das wurde noch einmal auf dem genannten Kongress in Saarbrücken deutlich. Alle Berufe in Europa, für die es keine Europäische Richtlinie gibt, stehen vor einer Deregulierung.

Und die Immobilienberufe haben keine eigene Richtlinie, die das Berufsrecht und das Berufsausübungsrecht in Europa regeln.

In mehreren europäischen Ländern sind in den vergangenen Jahren die gesetzlichen Regulierungen der Immobilienberufe abgeschafft worden. Dies steht im Einklang mit der europäischen Politik, diese Berufe deregulieren zu wollen.

In Portugal und in Polen sind z.B. die vorhandenen gesetzlichen Regeln für Immobilienmakler – trotz des erbitterten Widerstands der Berufsverbände – abgeschafft worden.

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Holland ist ein prominentes Beispiel, das schon vor 10 Jahren im Rahmen der europäischen Deregulierung das Maklergesetz abgeschafft hat.

Standardisierung ist die Alternative

Was kommt statt der nationalen Gesetze? Die Europäische Dienstleistungsrichtlinie setzt auf die Standardisierung von Berufsregeln.

Übrigens hat die Europäische Kommission in der vergangenen Woche gerade für eine weitere Ergänzung der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie gestimmt.

Die bisherige Position, die Berufe zu deregulieren wurde quasi bestätigt, indem keine neuen Vorschriften für die Immobilienberufe aufgenommen wurden.

Wie erfolgt Standardisierung?

Wenn die Zukunft der Immobilienberufe in der Standardisierung liegt, dann wird die Europanorm DIN EN 15733 für die Dienstleistungen der Immobilienmakler immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Das ist eine Norm, die europaweit in 31 Ländern gilt, die Berufsausübung regelt und die Qualifikation der Angehörigen der Immobilienberufe vorschreibt.

Kennen Sie die DIN EN 15733?

Es wird höchste Zeit, dass Sie sich einmal mit dieser Norm befassen. Der Europakongress in Saarbrücken von der dortigen IHK und Verbänden aus den Ländern Belgien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland zusammen mit der Europäischen Immobilien Akademie hat gezeigt, dass die Überwindung nationaler Grenzen im Immobilienmarkt über die Standardisierung führen wird.

Noch gibt es keine Europanorm für Immobilienverwalter. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, wann endlich ein Verwalterverband aktiv wird und den Prozess in Gang setzt.

Dann wird auch der Beruf des Immobilienverwalters eine Vorschrift zur Standardisierung haben, die dem europäischen Gedanken der Deregulierung und zugleich Förderung der Berufe durch Standardisierung Rechnung trägt.

Offensichtlich sind die europäischen Immobilienmakler besser organisiert als die Immobilienverwalter. Denn die europäische Interessenvertretung der Immobilienmakler, CEI, hat den Prozess der Standardisierung für Makler in Gang gesetzt und zum Abschluss geführt.

Noch eine kleine Notiz am Rand: Auf dem Europakongress des Immobilien-Weltverbandes FIABCI in der vorletzten Woche in Riga ist die Europanorm für Immobilienmakler DIN EN 15733 als großes Vorbild auch von vielen Ländern außerhalb Europas gelobt worden.

In 2014 wird es eine Folgetagung geben, auf der diskutiert werden wird, die diese Norm auch auf weitere Länder, z.B. als freiwilliger Kodex, ausgedehnt werden kann.

Seien Sie dabei bei dieser Entwicklung und befassen sich schon heute mit den bestehenden Regelungen zur Standardisierung.


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Von: Sven Johns. Über den Autor

Sven R. Johns ist Rechtsanwalt und war 15 Jahre Bundesgeschäftsführer des Immobilienverband IVD (bis Mitte 2012). Seit fast 20 Jahren ist er zunächst als Rechtsanwalt und dann als Geschäftsführer im Immobiliengeschäft vertraut.