Keine Fusion von Siemens und Alstom – problematisch für Anleger?

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Die EU Wettbewerbshüterin stoppt die Fusion von Siemens und Alstom in der Zugsparte – aus gutem Grund. Anlegern entgeht damit nichts. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Die geplante Fusion von Siemens und Alstom scheint gestorben. Gemeint ist der geplante Zusammenschluss der Siemens Zugsparte mit dem französischen Hersteller. ICE und TGV fahren also weiterhin getrennt. Und ein neues börsennotiertes Unternehmen wird es auch nicht geben. Die EU-Monopolkommission ist dagegen.

Endgültig entschieden wird am 18 Februar. Belgien, Spanien, die Niederlande und Noch-EU-Mitglied Großbritannien hatten Einspruch gegen den Zusammenschluss eingelegt. Deutschland und Frankreich sind dafür.

Zugfusion Siemens Alstom stört Wettbewerb und Kunden

Siemens-Chef Kaesers Reaktion war ungewöhnlich harsch. Sogar eine Ministererlaubnis brachte er ins Spiel. Und die könnte eventuell sogar etwas bewirken. Doch wäre das wirklich wünschenswert? Kaeser nennt die Entscheidung der Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager „rückwärtsgewandt“. Seiner Ansicht nach geht es nicht mehr um Wettbewerbsfragen innerhalb der EU, sondern weltweit.

Angestrebt wird daher ein europäischer Zug-Champion, der es mit dem staatlich geförderten Weltmarktführer CRRC aus China aufnehmen kann. Das erinnert etwas an eine fehlende europäische Großbank. Seltsamerweise aber stellt sich hier die Politik in Berlin quer und setzt auf einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank. Auch wenn nicht klar ist, warum zwei lahme Goldesel gemeinsam schneller werden sollten.

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Anders sieht dies bei Alstom und Siemens aus. Bei Siemens freute sich die Zugsparte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 über 40 % mehr Aufträge. Das Geschäft läuft auch ohne Fusion hervorragend. Gemeinsam könnte ein neues Unternehmen vor Kraft kaum laufen. Dennoch ist es keine europrovinzielle Kleinkariertheit, wenn man der ablehnenden Entscheidung der EU einiges abgewinnt.

Was könnten beide gemeinsam besser?

Ganz einfach, weil Unternehmen mit dominanter Machtstellung auf Dauer nicht unbedingt besser werden. Zudem würde man mit einer Genehmigung die Interessen der Branche, ihrer Kunden und Bahnbenutzer vernachlässigen. Um den Vergleich mit den Banken zu bemühen: Hier würde ein Champion keine Sorgen machen, es gibt endlos mehr Geldhäuser als Zugbauer weltweit. Man mag eine Antwort auf Chinas machtgetriebene Industriepolitik suchen. Doch die Stärke Europas und Deutschlands liegt auch in der Vielfalt, im Wettbewerb und damit in der Wettbewerbsfähigkeit.

Wenn sich wenige den Markt teilen, steigen nicht nur deren Preise, es fehlt auch der dringende Anreiz zu mehr Innovation. Bei welchen Produkten ist denn CRRC soviel überlegener, dass Alstom und Siemens nicht mehr getrennt mithalten können? Zwei leistungsstarke Anbieter, die in einzelnen Bereichen kooperieren, werden durch eine Fusion nicht zwingend besser. Außerdem sind Züge nicht mit erheblich aufwändigeren Zivilflugzeugen zu vergleichen, wo im Wesentlichen Airbus und Boeing übrig geblieben sind.

Siemens hat andere Baustellen

Alledem steht entgegen, dass Siemens beim Börsengang eines neuen Champions viel Geld einstreichen würde. Doch auch als Zugsparte innerhalb des Konzerns trägt Mobility erheblich zu den Erlösen bei, die etwa im Kraftwerksbereich fehlen. Der Aktienkurs hängt nicht an der Fusion. Siemens hat andere Baustellen, die die Marge drücken. Auch ist die neue Organisationsform kein Wert an sich. Was zählt, ist der Gesamtwert als Unternehmen. Wenigstens werden 2019, anders als im letzten Jahr, wieder steigende Umsätze und Gewinne erwartet. Für Anleger dürfte eine geplatzte Fusion letztlich also nur kurzfristig von Bedeutung sein.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.