Keine Panik: Das bringen die Zinserhöhungen der Fed

Die Zinserhöhung der Fed bremst zwar den bisherigen Aktienhype, ist aber kein Anlagehindernis. Historisch sind über 3 % eher die Regel. (Foto: Paul Brady Photography / shutterstock.com)

Dass die für Wirtschaft und Anleger goldene Ära des billigen Geldes irgendwann zu Ende gehen muss, ist schon länger klar. Mit der jüngsten Zinserhöhung der Fed aber wird das zunehmende Gewicht der bislang immer noch günstigen Zinsen spürbar. Ende September wurde die Spanne auf 2 % bis 2,25 % angehoben.

Fed: Das Ende eines Dauerausnahmezustands

Es war die dritte Zinserhöhung der Fed in diesem Jahr. Weitere Anhebungen in diesem und im nächsten sind bereits angekündigt. Geht es so weiter, ist bis 2020 ein Niveau von über 3 % in Sicht. Obwohl die jüngste Anhebung absehbar war, hat sie ausgereicht, die großen US-Aktienindizes wie Dow Jones, S&P 500 oder Nasdaq in den Keller zu schicken. Dies zeigt, dass die vorangegangene Börseneuphorie sich in Höhen mit dünner Luft begeben hatte.

Der Markt erkennt, dass ihm die künstliche Sauerstoffzufuhr ausgeht. Zudem ist die Zinserhöhung nur eine Sache. Die Fed entzieht gleichzeitig Liquidität, indem sie ihre Bilanzsumme schrumpft. Dabei wurden das Ende der Geldschwemme durch Anleihekäufe und der Ausstieg aus der Nullzinspolitik bereits 2015 eingeläutet. Seitdem gab es acht Zinsschritte. Es ist schlicht das Ende eines Ausnahmezustands, mit dem seit der Finanzkrise die Wirtschaft in Schwung gehalten wurde.

Trump: Aus dem Glashaus gegen Zinserhöhung der Fed

Perspektivisch bleibt der Notenbank auch keine andere Wahl. Denn auf dem bisherigen Niveau hätte sie keinen Spielraum, mit Zinssenkungen künftigen Rezessionen zu begegnen. Aktuell zwingt die boomende US-Konjunktur mit extrem niedriger Arbeitslosigkeit, expandierenden Firmeninvestitionen und steigender Inflation zur Abkühlung. Für das laufende Jahr wird ein Wirtschaftswachstum von 3,1 % erwartet, vier weitere Zinsschritte sind bis Ende Dezember geplant.

Und Donald Trump selbst hat mit seinen Handelskonflikten und Strafzöllen zur Teuerungsrate kräftig beigetragen. Insofern sitzt er im Glashaus, wenn er wegen der jüngsten Zinserhöhung die Fed mit Steinen bewirft und für „verrückt“ erklärt. International gesehen schadet sein Protektionismus dem Welthandel und damit gerade den Schwellenländern, für die ohnehin wegen der höheren Zinsen ihre Auslandskredite immer teurer werden. Nach Argentinien muss nun auch Pakistan Hilfe beim Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragen.

Schon von daher wäre eine Stärkung der Weltwirtschaft dringend nötig, deren Schwäche in absehbarer Zeit auch die US-Wirtschaft treffen wird. Immerhin erwarten die WTO sowie der IWF wegen der eskalierenden Handelskonflikte einen Rückgang des Welthandels von über 17 %. Völlig offen ist, ob Trump sich von den immer lauter vorgetragenen Befürchtungen und Appellen auch aus den eigenen Reihen überzeugen lässt.

Zwei Szenarien mit Nebeneffekt

Treibt er seine destruktives Politik weiter, so könnte die Fed schon früher als vermutet gezwungen sein, die Zinsen wegen einer einbrechenden Wirtschaftsflaute zu senken oder zumindest nicht mehr anzuheben. In dem Fall würde die Zinsmarke von 3 % eventuell gar nicht überschritten. In einer Rezession wäre dies aber auch kein Lichtblick für Anleger.

Erholt sich hingegen die Weltwirtschaft und gelingt es, die WTO zu „reparieren statt zerstören“, wie IWF Chefin Lagarde sagte, so dürfte die Dynamik der US-Wirtschaft allenfalls graduell nachlassen. Das Zinsniveau von weit über 3 % wird dann wahrscheinlicher. Aus Anlegersicht mag dies spontan zwar ungewohnt hoch erscheinen, doch auf Dauer ist eine neutrale Geldpolitik der Fed, die nicht mehr auf Konjunkturförderung aus ist, für alle Seiten gesünder.

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Der leidige Nebeneffekt in beiden Fällen: Der Druck auf die EZB wird steigen, ebenfalls die Zinsen endlich anzuheben. Leidig deshalb, weil die europäische Wirtschaft vor schwereren Zeiten zu stehen droht als die amerikanische. Die Aktienbörsen auf dem alten Kontinent geben schon seit Jahresbeginn stetig nach – besonders der Dax mit über 10 %. Die Gewinnwarnungen von Continental oder Daimler sind kein gutes Zeichen. Das sich zuspitzende Haushaltsdefizit Italiens bietet weiteres Sprengpotenzial im Euroraum.

Bei alledem lohnt zur Beruhigung ein Blick in die Vergangenheit. US-Zinsen ab 3 % aufwärts waren vor der Finanzkrise eher die Regel. Bis zum Platzen der Dotcom-Blase erreichten sie 6,5 %, fielen dann zur Konjunkturstimulierung auf 1 % und stiegen ab 2004 wieder auf über 5 %. Dennoch waren Aktien eine einträgliche Geldanlage. Der Dow Jones etwa bracht seit seinem Bestehen im Jahr 1897 inklusive Dividenden eine durchschnittliche Jahresrendite von weit über 10 %. Angesichts all der Höhen und Tiefen in dieser Zeit ein beachtlicher Wert.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.