Keine Schnapslaune – Hier könnte Anheuser Busch zulangen

Gleich ob mit Bier, Whiskey, Wodka oder Gin – mit Alkoholika lässt sich Geld verdienen, vor allem wenn ein Hersteller breit sortiert und international aufgestellt ist. So produziert das britische Unternehmen Diageo Sprituosen, die landläufig bekannt sind. Von Guinness, Kilkenny über Johnnie Walker bis zu Smirnoff vertreibt Diageo Spirituosen unter mehr als 150 Marken in 180 Länder.

Diageo mit Spirituosen auf Wachstumskurs

Die Stellung als weltweite Nummer eins in dem Segment nach Pernod-Ricard geht unter anderem auf eine ganze Reihe von Aufkäufen von Mitbewerbern und Marken seit etlichen Jahren zurück. Die Übernahme des türkischen Raki-Produzenten Mey Icki etwa erweiterte nicht nur die Angebotspalette, sondern besorgte zugleich ein neues Absatzgebiet. Auf diesen Effekt zielte auch der Zukauf der brasilianischen Spirituosenmarke Ypioca

Schwankungen bei bestimmten Produktgruppen lassen sich genauso untereinander ausgleichen wie unterschiedliche regionale Entwicklungen. Auf diesen Effekt zielte auch der Zukauf der erfolgreichen brasilianischen Spirituosenmarke Ypioca. Und mit jeder Übernahme zog die an den Börsen New York und London gehandelte Aktie kräftig an.

Übernahmen sind das erklärte Ziel von Vorstandschef Ivan Menezes. Gleichzeitig pflegt er gegenüber den Anlegern ein Firmenimage mit eigenem Marketing-Kodex und einer Vielzahl von Initiativen zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. Beim weiteren Ausbau zielt die Strategie nun vor allem auf das wachstumsstarke Luxus-Segment.

Angriff mit Irish Whiskey

Die Überlegung ergibt sich schon mit Blick auf die Marktentwicklung. Abgesehen von China gibt es Probleme im generell übersättigten Wodka-Markt und beim Blended Whisky, der im wichtigen Absatzmarkt USA zunehmend Anteile verliert. Diageo setzt nun auf den Trend zu traditionellen Produkten. Gerade irischer Whiskey gilt als derzeit unterentwickelt.

Diageo will 25 Mio. Pfund in die Gründung einer Destillerie in Dublin investieren und bringt mit Roe&Co einen irischen Whiskey auf den Markt, der angeblich dem Zeitgeist entspricht. Dies ist gleichzeitig ein Angriff auf den irischen Marktführer Jameson.

Die Ankündigung kam fast zeitgleich mit den jüngsten Zahlen zu den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2016/17. Demnach ist der Umsatz um 4% auf 6,4 Mrd. Pfund gestiegen, was ca. 8 Mrd. € entspricht. In gleicher Höhe gestiegen ist das operative Ergebnis auf 2,1 Mrd. Pfund und damit besser als erwartet. Diageo profitierte vor allem vom Britischen Pfund, das sich nach dem Brexit-Referendum gegenüber Dollar und Euro erheblich verbilligt hat.

Folglich konnten die Umsätze in den USA und Europa, die gut 50% aller Umsätze ausmachen, besonders stark zulegen. Erwartet wurde der Effekt schon letztes Jahr. So machte die im EuroStoxx 50 gelistete Aktie kurz nach dem Referendum einen gewaltigen Satz. Und mit der jüngsten Bekanntgabe der Zahlen zog sie um 6,5% auf 27,2 € an. Seit Mitte März pendelt sie richtungslos unterhalb dieses Werts. 

Im Visier von Anheuser Busch

Die Ruhe vor dem Sturm? Vor einigen Monaten berichtete das Wall Street Journal von Übernahmegelüsten des belgischen Getränkeriesen Anheuser-Busch InBev. Diageo bemüht sich zwar seit Jahren um Wachstum und hält zudem Anteile am mexikanischen Tequila-Marktführer José Cuervo oder dem französischen Champagnerhaus Moet Hennessy.

Doch Anheuser Busch ist mit einem Umsatz von zuletzt 45 Mrd. € gut drei Mal so groß. Dessen ehrgeiziges Umsatzziel von gut 100 Mrd. US-$ bis 2020 lässt sich eigentlich nur durch Übernahmen realisieren. Zudem würde das breite Produktportfolio von Diageo die Angebotspalette ideal ergänzen.

Sollten die Belgier aktiv werden, könnte sich die Diageo Aktie kurzfristig zum Renner entwickeln.

3. April 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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