Kennzahlen für den Quartals-Bilanz-Check

Ich möchte Ihnen in diesem Artikel einige wichtige Kennzahlen an die Hand geben, mit denen Sie die Quartals-Bilanzen der Unternehmen auf Herz und Nieren überprüfen können:

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das wohl am häufigsten herangezogene Kriterium bei der Aktienbewertung ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Es zeigt Ihnen an, mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird.

Richtgröße für ein günstiges KGV ist 10, der Marktdurchschnitt liegt in Deutschland bei rund 15.

Beachten Sie: Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis ist isoliert betrachtet aber nicht zwingend ein Kaufargument.

Sind die zukünftigen Gewinn-Aussichten schlecht oder ist die Verschuldung zu hoch (Bilanz-Probleme), bietet die Aktie wenig Kurs-Potenzial.

Hier die Formel, mit der Sie das Kurs-Gewinn-Verhältnis berechnen können:

tab1

Um das KGV berechnen zu können, brauchen Sie den Gewinn je Aktie. Diesen können Sie in den meisten Fällen den Finanzberichten der Firmen entnehmen.

Achtung:

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist jedoch in Fachkreisen aus dem folgenden Grund nicht unumstritten:

Der Jahres-Überschuss, also die Grundlage der Berechnung, kann von den Unternehmen in die gewünschte Richtung gesteuert werden.

Legale Bilanzierungs-Tricks können vom Management genutzt werden, um so den Jahres-Überschuss zu beeinflussen.

Speziell die Rückstellungen und Abschreibungen werden sehr gern zur „Feinjustierung“ genutzt, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.

Das KGV ist daher immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Zudem muss man beachten, dass Gewinne nicht einfach so in die Zukunft fortgeschrieben werden können.

Auswirkungen innerbetrieblicher Veränderungen sind ebenso zu beachten wie konjunkturzyklische Schwankungen sowie Veränderungen im Wettbewerb oder im Verbraucher-Verhalten.

Auch Zins-Entwicklungen und veränderte Produkt-Lebenszyklen können eine Rolle spielen.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Ein objektiveres Bild von der Finanzkraft eines Konzerns bietet der Cashflow. Hierbei ist das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) von zentraler Bedeutung:

Das ist der Netto-Zugang an liquiden (flüssigen) Mitteln während einer festgelegten Periode, also z. B. in einem Geschäftsjahr. So können Sie den Cashflow berechnen:

Addieren Sie zu dem um außerordentliche Faktoren bereinigten Jahres-Überschuss

  1. die Abschreibungen auf das Anlagevermögen
  2. sowie Veränderungen der langfristigen Rückstellungen.

chart1

Wie beim Kurs-Gewinn-Verhältnis gilt:

Je niedriger das KCV, desto günstiger ist die Aktie bewertet (wobei stets mehrere Kennzahlen miteinander verglichen werden sollten).

Besonders hellhörig sollten Sie werden, wenn KGV und KCV weit auseinander liegen oder sich in einer Periode unterschiedlich entwickelt haben.

Das KCV kann auch angewendet werden, wenn beim KGV wegen eines Verlust-Ausweises keine sinnvolle Aussage möglich ist.

Außerdem ist das KCV weniger anfällig für bilanztechnische Manipulationen.

Denn der Cashflow wird nicht von bilanzpolitischen Maßnahmen (Bildung und Auflösung stiller Reserven oder Veränderung von Zahlungs-Zeiträumen) beeinflusst.

Allerdings ist der Cashflow auf Grund von Stichtags-Betrachtungen des Umlauf-Vermögens und Investitions-Zyklen wesentlich stärkeren Schwankungen unterworfen als der Gewinn.

Daher eignet er sich nicht dazu das Ergebnis eines einzelnen Geschäftsjahres zu bewerten. Vielmehr muss er über mehrere Jahre hinweg ermittelt und betrachtet werden.

Price-Earnings to Growth-Ratio (PEG)

Eine Erweiterung des KGVs ist das Price-Earnings to Growth-Ratio (PEG). Die Kennzahl setzt das KGV in Relation zum erwarteten Gewinnwachstum.

Als Faustformel gilt: Das PEG ist günstig, wenn das KGV max. so hoch ist wie das erwartete Gewinnwachstum. Sind KGV und Gewinnwachstum identisch, liegt das PEG bei 1.

Bei einem PEG kleiner 1 gilt die Aktie als unterbewertet. Ist das PEG größer als 1, ist das ein Hinweis auf eine Überbewertung der Aktie.

Allerdings sollte man das PEG eines Unternehmens unbedingt mit dem Branchen-Durchschnitt vergleichen.

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Beachten Sie aber, dass sich das zukünftige Gewinnwachstum nicht immer aus den Zahlen der Vergangenheit herleiten lässt. Das gilt v. a. für zyklische Branchen.

Speziell bei jungen Firmen kann der Gewinn negativ sein, sodass KGV und PEG keine sinnvolle Aussage zulassen.

In diesem Fall empfiehlt es sich, u. a. das im Folgenden vorgestellte Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) zu betrachten:

Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)

Eine weitere wichtige Kennzahl für den Quartals-Bilanz-Check ist also das soeben erwähnte Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV).

Es setzt den aktuellen Börsenwert der Aktie ins Verhältnis zu dessen Umsatz. Grundsätzlich gilt: Je niedriger das KUV, desto preiswerter die Aktie.

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Beachten Sie, dass das KUV unabhängig vom Gewinn ermittelt wird.

Es kann bei Firmen mit zyklisch schwankender Umsatzrendite ein geeigneteres Instrument sein, um ergänzend zum Gewinn eine wichtige Bewertungs-Information zu erhalten.

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Eine andere Kennzahl, die Ihnen zeigt, ob ein Unternehmen an der Börse günstig bewertet ist, ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

Es gibt an, wie das Eigenkapital eines Konzerns an der Börse bewertet wird.

Besonders interessant sind Betriebe, die ein KBV von unter 1 besitzen. Bei diesen ist der Substanzwert höher als der Börsenwert.

Erzielt der Konzern zusätzlich Gewinne und hat auch ansonsten positive Aussichten, deutet ein KBV von unter 1 auf eine Unterbewertung hin.

Schreibt das Unternehmen hingegen Verluste, ist ein Kurs-Abschlag gerechtfertigt.

Beachten Sie: Das KBV berücksichtigt nur den Buchwert, der in der Bilanz ausgewiesen ist. Mögliche stille Reserven sowie stille Lasten werden nicht berücksichtigt.

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Auch hier gilt: Beachten Sie immer mehrere Kennzahlen gleichzeitig!

Earnings per Share (EPS)

Sollten Sie den Gewinn je Aktie nicht, wie oben beschrieben, in den Finanzberichten der Unternehmen finden, so können Sie diesen wie folgt berechnen:

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Der Gewinn je Aktie wird oft als „EPS“ bezeichnet. EPS steht für „Earnings per Share“ und bedeutet im Deutschen nichts anderes als „Gewinn je Aktie“.

Wenn Sie diese Größe nicht finden, können Sie den Konzerngewinn einfach durch die Anzahl der Aktien dividieren.

Der Gewinn je Aktie, den Sie für die Berechnung des KGVs heranziehen, kann sich auf bereits erzielte oder auf erwartete Unternehmens-Gewinne beziehen.

Bereits erzielte Gewinne sind genauer, aber auf der anderen Seite auch „alt“.

Erwartete Gewinne sind wichtiger für die weitere Kurs-Entwicklung der Aktie, doch dafür nur Schätzungen; also mit Unsicherheiten behaftet.

Beide Berechnungs-Arten haben daher Vor- und Nachteile. Das KGV ist in Fachkreisen außerdem nicht ganz unumstritten.

Der Grund: Der  Jahres-Überschuss, also die Grundlage der Berechnung, kann von den Betrieben in die gewünschte Richtung gesteuert werden.

Legale Bilanzierungs-Tricks können vom Management genutzt werden, um den Jahres-Überschuss zu beeinflussen.

Kapital-Struktur und Eigenkapitalquote (EK-Quote)

Eine überaus wichtige Kennzahl zur Messung der Kapital-Struktur ist die Eigenkapitalquote (EK-Quote). Diese drückt den Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme aus.

Das Eigenkapital wiederum ist die Summe aus gezeichnetem Kapital und Rücklagen; also das Geld, das auch dem Unternehmen gehört und nicht geliehen werden muss.

Die Formel zur Berechnung sieht wie folgt aus:

tab3

Die Dividendenrendite

Kommen wir abschließend noch zu einer Kennzahl, die für viele Anleger wichtig ist, an die man aber nicht unbedingt im Zusammenhang mit Quartals-Bilanzen denkt.

Es handelt sich dabei um die Dividendenrendite, die speziell im Frühjahr an Bedeutung gewinnt.

Der Grund: In den Monaten April – Juni finden die meisten Hauptversammlungen deutscher Firmen statt.

Wenige Tage nach der Hauptversammlung wird dann i. d. R. die festgelegte Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Dividende wird von vielen Anlegern unterschätzt.

Langfristige Studien haben gezeigt, dass Sie mit Aktien Durchschnittsrenditen von 8 – 10% erreichen können. Kursgewinne sind aber nur ein Bestandteil davon.

Rund die Hälfte des Zuwachses ist den Dividenden zu verdanken.

Zahlt ein Unternehmen regelmäßig Dividendenrenditen in Höhe von 4 – 5% aus, haben Sie 50% des Potenzials schon erreicht.

Die Dividendenrendite wird wie folgt berechnet:

tab3

Bei der Berechnung dieser Kennzahl gibt es jedoch ein methodisches Problem, das nicht immer befriedigend gelöst werden kann:

Berücksichtigt man die zuletzt gezahlte Dividende oder die erwartete Dividende?

Die 1. Methode hat den Vorteil, dass die Zahlen dann gesichert sind. Der Nachteil liegt auf der Hand: Aus der alten Dividende lässt sich nicht unbedingt auf die zukünftige Dividende schließen.

Wählen Sie die erwartete Dividenden-Ausschüttung, müssen Sie immer damit rechnen, dass die erwartete von der tatsächlichen Ausschüttungs-Höhe abweicht.

Die veröffentlichten Dividenden-Renditen beziehen sich i. d. R. auf den aktuellen Aktienkurs und die Dividende, die der Konzern zuletzt an die Aktionäre ausgezahlt hat.

Hat ein Investor die Aktie günstiger als zum aktuellen Kurs gekauft, erhöht sich also seine persönliche Dividendenrendite und umgekehrt.

Weitere Informationen zum Thema Dividenden finden Sie regelmäßig an dieser Stelle – insbesondere im Frühjahr eines jeden Jahres.

So finden Sie die Infos, die Sie für Ihren Bilanz-Qualitäts-Check benötigen

Die Informationen, die Sie für Ihren persönlichen Bilanz-Qualitäts-Check benötigen, finden Sie entweder auf den Internetseiten der einschlägigen Finanz-Portale.

Oder Sie finden sie – mit wesentlich besserer Daten-Qualität – direkt in den Finanzberichten der Konzerne.

Diese wiederum finden Sie auf den Internetseiten der Firmen in der Rubrik “Investor Relations”.

Tipp: Googeln Sie den Namen des Unternehmens mit dem Zusatz “Investor Relations”. So gelangen Sie am schnellsten ans Ziel.

Fazit: Beachten Sie stets mehrere Bewertungs-Kriterien

Mit den in diesem Beitrag vorgestellten Kennzahlen

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV),
  • Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV),
  • Price-Earnings to Growth-Ratio (PEG),
  • Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV),
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV),
  • Earnings per Share (EPS),
  • Eigenkapitalquote (EK-Quote)
  • und Dividendenrendite

können Sie börsennotierte Unternehmen besser bewerten.

Wichtig ist, dass Sie Ihre Entscheidung nicht nur von einer einzigen günstigen Kennzahl abhängig machen (niedriges KGV, hohe Dividendenrendite, etc.).

Das Gesamt-Paket muss passen. Sie sollten also stets mehrere Bewertungs-Kriterien beachten!

11. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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