Kohle in der Krise: Der Rückzug ist nicht aufzuhalten

Einerseits hat man als Anleger gelernt, dass angesichts von Klima- und Umweltschutz mit Kohle keine Kohle mehr zu machen ist. Der Ausstieg aus dem Kohleabbau und Kraftwerken steht auf der politischen Agenda.

Selbst in China ist die Kohle in der Krise. Auch dort wird umgedacht. Seit letztem Jahr stehen wegen Überkapazitäten über 1.000 Bergwerke vor dem Aus.

Kohle ist in der Krise

Und nun kommt Donald Trump mit der Kehrtwende. Die Kohlekrise war für ihn Anlass, auch die Wählerstimmen der arbeitslosen Kumpels einzusammeln. Zuvor hatten fast alle namhaften Kohleförderer Gläubigerschutz oder Insolvenz beantragt, darunter Arch Coal, Peabody Energy oder Patriot Coal. Allein Murray Energy musste 5.400 Mitarbeiter entlassen – ein Zehntel aller verbliebenen Bergarbeiter in den USA.

Der „Saubere Energie-Plan“ der obersten Umweltbehörde tat sein Übriges. Derartige Regulierungen will Trump rückgängig machen und die Kohle aus der Krise holen. Das aber erscheint so, als wollte man die Weber wieder an die Webstühle bringen. Es gibt sie nicht mehr.

So wie in anderen Bereichen sind die meisten Jobs der Automatisierung mit mehr Maschinen zum Opfer gefallen. Und das hat nichts mit der gescholtenen Globalisierung oder kohlefeindlich gesinnten Klimaschützern zu tun. Es ist der unvermeidliche technische Fortschritt.

Die Konkurrenz ist billiger

Dass die Kohle als Energieträger in der Krise ist, liegt schlicht an der abnehmenden Nachfrage. Die einst großen Märkte sind schon lange weggebrochen. Selbst eine massive Wiederbelebung der Stahlindustrie würde daran wenig ändern. Denn Kohle ist zwar billiger als je zuvor. Doch steht sie in Konkurrenz zu anderen Energieträgern, die noch billiger sind.

Erdgas etwa wurde durch den Fracking-Boom extrem günstig. Hinzu kommt der Druck durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie. Der Hype um Erneuerbare Energien mag vielleicht etwas abflachen, doch sie sind nun mal eine feste Größe im Energiemix.

Außerdem wird es schwer fallen, Banken und Anleger von Kohleinvestments zu überzeugen. Selbst in Australien, das die viertgrößten Kohlevorkommen der Welt hat, ist keine Pensionskasse und kein Fonds mehr zu begeistern. Das Problem ist ähnlich wie in den USA: Alte Gruben sind unrentabel. Und neue Minen zu erschließen kostet sehr viel Geld.

Politik ändert wenig

Dabei ist auch auf die klassischen Abnehmerländer China und Indien kein Verlass mehr. Sie importieren immer weniger. Daran konnte auch der bis Ende 2015 amtierende Premierminister Tony Abbot nichts ändern. Er hatte Förderungen für alternative Energien gestrichen, CO2-Abgaben abgeschafft und die Kohle protegiert. Im Ergebnis änderte sich wenig bis nichts. Höchstens der heimische Verbrauch wurde leicht gestützt.

Ähnlich könnte es in Trump-Amerika laufen. Eventuell sogar schlechter, weil nun gleichzeitig die gesamte fossile Konkurrenz mit Schiefergas und Öl gefördert wird. Dennoch wird die Kohle nicht so schnell und komplett verschwinden und zumindest den heimischen Markt versorgen. Der Grundbedarf ist auch hierzulande vorhanden.

Zur Grundversorgung einstweilen unabdingbar

Obwohl Erneuerbare Energien wie Wind, Sonne und Wasser mittlerweile gut die Hälfte der gesamten Kapazität ausmachen, kommen nur 20 % in der Steckdose an. Noch immer fehlen Energietrassen und Speichertechnologien, um den Ökostrom zuverlässig zu transportieren. Und das dürfte sich noch über Jahre nur graduell verbessern.

Nicht ohne Kalkül setzt etwa der von E.on abgespaltete Kraftwerksbetreiber Uniper auf ein neues Kohlekraftwerk, das nächstes Jahr ans Netz gehen soll. Die Deutsche Bahn und RWE haben langlaufende Lieferverträge unterzeichnet.

Die Kohle wird zwar einen gewissen Marktanteil behalten können. An der Krise selbst wird dies wenig ändern. Jenseits von Windrädern etc. arbeitet die Wissenschaft längst an ganz neuen Ansätzen. Kernfusion oder Sonnensegel im Orbit sind zwar noch Zukunftsmusik.

Doch im Bereich Wasserstoff und Brennstoffzelle gibt es neue Fortschritte. Und dank Nanotechnologie kann CO2 in neue Energie umgewandelt werden. All das wird den Bedarf an fossilen Energieträgern verringern.

1. März 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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