Kreditkarten: Seit 2018 sind Gebühren bei Zahlungen verboten

Kreditkartengebühren sind 2018 weitgehend Vergangenheit. Lufthansa und Deutsche Bahn allerdings werden weiterhin Aufschläge verlangen. (Foto: qvist / Shutterstock.com)

Bei Kreditkartengebühren hat sich 2018 etwas geändert. Seit dem 13. Januar sind Zuschläge für Zahlungsmittel wie Überweisungen, Lastschriften und Karten verboten. Grundlage ist die EU-Richtlinie Payment Service Directive II, die nun in deutsches Recht übertragen wurde. Für alle Kunden eine erfreuliche Nachricht.

2018 keine Kreditkartengebühren mehr

Flugreisende zum Beispiel zahlten bisher bei der Lufthansa und ihren Tochterunternehmen einen Aufschlag auf den Ticketpreis von 1,65 %. Wer per Kreditkarte zahlte, musste so mit bis zu 25 € zusätzlich rechnen. Gleich ob am Schalter, am Automaten oder im Internet, auch die Deutsche Bahn verlangte beim Kreditkarteneinsatz bis zu 3 € extra. Ähnlich war es bei Online-Händlern, Geschäften und Reise- oder Konzertveranstaltern.

Mit der ab 2018 gültigen Regelung für Kreditkartengebühren sind die lästigen Sonderzahlungen weitgehend Geschichte. Sie betrifft alles was unter „regulierten Kreditkarten“ verstanden wird. Dies sind Karten, die über die Privatkonten der Nutzer abgerechnet werden und nicht direkt von der Kreditkartenfirma, sondern von Banken an ihre Kunden ausgegeben werden. Bei den meisten privat genutzten Kreditkarten wie Visa, Mastercard etc. ist das der Fall.

Der Gesetzgeber geht damit über die zuvor geltende Vorschrift hinaus, derzufolge zumindest ein gängiges Zahlungsmittel bzw. Verfahren kostenfrei anzubieten war. Jetzt ist es grundsätzlich nicht mehr möglich, dass Anbieter vom Kunden OPC-Gebühren (Optional Payment Charge) verlangen und auf die Art Nebeneinkünfte generieren.

Ausnahmen zum Ärger der Kunden

Allerdings sollte man aufpassen: Karten von American Express fallen ebenso wenig unter den Begriff der „regulierten Kreditkarten“ wie Firmenkreditkarten. Hier dürfen weiterhin OPC-Gebühren verlangt werden. Die Ausnahme betrifft auch den beliebten Zahldienst PayPal. Und das obwohl er längst als „gängiges Verfahren“ beim Zahlungsvorgang anzusehen wäre.

Dennoch, in den meisten Fällen zumindest gibt es für PayPal-Nutzer Entwarnung. Um keine Kunden zu verlieren, hat das US-Unternehmen kürzlich seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert: Deutsche Händler und Geschäfte dürfen nun keine Extragebühren verlangen. Doch nicht alle unterliegen den AGBs von PayPal. Einige haben Sondervereinbarungen.

Die Lufthansa etwa wird bei der Abwicklung über PayPal weiterhin an ihren Aufschlägen festhalten. Bei der Deutschen Bahn ist dies ab Zahlungen von 50 € unverändert der Fall. Bleibt abzuwarten, wie sich bei den beiden deutschen Platzhirschen in Sachen Personentransport das Zahlungsverhalten entwickelt. Nicht auszuschließen, dass sich bei massiven Rückgängen PayPal zu erneuten Vorstößen entschließt.

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Ausgleich über höhere Preise zu erwarten

Inhaber von Kreditkarten übrigens, die außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums stammen, kommen nicht in den Genuss der neuen Regeln. Sie müssen auch 2018 mit Kreditkartengebühren rechnen. Die Lufthansa jedenfalls hat dies bereits angekündigt.

Großzügiger und kundenfreundlicher indes gibt sich der Reiseveranstalter TUI. Der Konzern will bei sämtlichen Kreditkarten auf Gebühren verzichten. Dies gilt auch für „nicht regulierte Karten“, die außerhalb der EU ausgestellt wurden, sowie Firmenkreditkarten oder solche von American Express. Insgesamt ist jedoch davon auszugehen, dass sich mittelfristig viele Händler das entgangene Zubrot an anderer Stelle hereinholen und schlicht die Preise für ihre Produkte und Leistungen anheben werden.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.