Kreditwürdigkeit Italiens: Kompromisse gegen den Konkurs

Italiens Kreditwürdigkeit wurde erneut gesenkt. Doch es gibt Wege aus der Abwärtsspirale - ohne Maximalforderungen und Schuldengemeinschaft. (Foto: esfera / Shutterstock.com)

Für Anleger ist es eine Achterbahn der Gefühle. Bräuchten die Aktienmärkte, die sich in der Korrektur befinden, ein ruhiges Umfeld, so kommen ständig neue drohende Störfaktoren. Die derzeit schwerwiegendsten sind der Brexit, Donald Trumps erneute Angriffe auf Europas Wirtschaft und: Italien. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde dieser Tage einmal mehr gesenkt. Die Rating-Agentur Moody’s stufte die Bewertung von „Baa2“ auf „Baa3“ herab.

Trotz schlechter Kreditwürdigkeit: Italien ist nicht Griechenland

Die Regierung in Rom beharrt auf ihrem Schuldenkurs mit neuen Ausgaben und scheint es auf einen Streit mit der EU anzulegen, was die Eurozone belastet. Versöhnlichere Signale von Ministerpräsident Conte, man strebe „auf keinen Fall einen Italexit oder einen Austritt aus dem Euro an“, gaben dem Dax und anderen europäischen Indizes wieder etwas Auftrieb, doch der hielt nicht lange an.

Immerhin liegt die schlechtere Kreditwürdigkeit Italiens nur einen Schritt über Ramschniveau. Ab da lassen viele Investoren ihre Finger von italienischen Papieren. Wenigstens hat Moody’s seine Einstufung mit der Aussicht auf „stabil“ versehen. In der Folge fielen die Renditen italienischer Staatsanleihen auf 3,342 % zurück. Anleger indes sorgen sich um eine mögliche Staatspleite. Doch wie realistisch ist das?

Italien muss nicht zwangsläufig in der Abwärtsspirale versinken. Es ist auch nicht vergleichbar mit der Griechenland-Krise vor gut zehn Jahren. Als erheblich größere Volkswirtschaft hat es selbst angesichts der gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 130%-igen Verschuldung mehr Handlungsspielraum. Allerdings muss es den nutzen.

Fakten, Anlass und Hintergrund

Die Exportüberschüsse der vergangenen Jahre spülten mehr Steuern in die Staatskasse als das Land ausgab. Zinszahlungen für die Schulden sind hierbei zwar nicht eingerechnet. Im Vergleich aber liegen die rund 8 % vom BIP nur wenig über den Belastungen etwa von Spanien oder Großbritannien. Dass die Risikoaufschläge und die Kreditwürdigkeit für Italien dennoch schlechter ausfallen, erklärt sich mit dem bisherigen Konfrontationskurs der Regierung, begleitet von markigen Ankündigungen. Der machte das Risiko eines chaotischen Euroaustritts wahrscheinlicher.

Doch die schrillen Töne dürfen den Blick auf den Anlass nicht verstellen. Die Regierung steht unter Zugzwang, das Ruder nach Jahren der Stagnation herumzureißen. Zu den Kernproblemen zählen die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, Realeinkommen, die genauso auf der Stelle treten wie das Wirtschaftswachstum sowie der geschwächte Bankensektor, der laut Zentralbank immer noch 120 Mrd. Euro an faulen Krediten kämpft. Damit verbunden ist die leidliche Tatsache, dass gerade junge, kleinere Unternehmen kaum an Geld kommen.

Kompromiss gegen den Konkurs

Die Antwort der Regierung ist ein Ausgabenprogramm mit Grundeinkommen, vorgezogenen Renten und ähnlichen Wohltaten für die Wähler. Es geht um 34 Mrd. Euro, wovon zwei Drittel aus zusätzlichen Schulden kommen. Ob aber die Rechnung aufgeht, allein mit mehr Staatskonsum den Binnenkonsum und die Wirtschaft anzukurbeln, ist fraglich.

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Was es ebenso braucht, ist die dringende Verbesserung der Infrastruktur und eine unternehmensfreundliche Politik. Angesichts der Schwäche im Bankensektor kommen gerade junge, kleine Unternehmen kaum an Geld. Und hier könnte Brüssel mit einer Lösung ansetzen. Denn der EU-Haushalt enthält dreistellige Milliardenbeträge, Geld aus Förderfonds, das von anderen Ländern einfach nicht abgerufen wurde.

Ohne die Partner der Gemeinschaft unnötig zu belasten könnte die EU Italien anbieten, einen Teil des Kapitals für Investitionen zu verwenden, unter der Vorgabe, die Schulden etwas zu senken. Dies wäre ein Lösungsansatz abseits einer Vergemeinschaftung von Schulden. Ein anderer Gedanke wären Mittel aus dem EU-Notfallfonds. Als Gegenleistung müsste sich Italien an bestimmte Finanzregeln halten. Die Kreditwürdigkeit Italiens würde damit zumindest nicht weiter sinken, wohl aber die Zinsen für italienische Staatsanleihen. Wichtig ist, den Notfall für Europa abzuwenden.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.