Kreuzfahrtschiffe und neue Antriebe – deutsche Werften florieren

In der Entwicklung beim Schiffbau ist weltweit wegen Überkapazitäten Ebbe. Dagegen erfreuen sich deutsche Werften hoher Auftragsbestände. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Wenn von Anlegerchancen durch die florierende Weltwirtschaft und Megathemen wie neue klimafreundliche Antriebstechniken die Rede ist, wird ein Bereich gerne übersehen: die Schifffahrt. Sie ist das Rückgrad aller Exporte, braucht immer größere Schiffe und wird in Zukunft von Dieselmotoren auf Flüssiggas- und ähnliche Alternativen umrüsten müssen.

Entwicklung im Schiffbau nur in Europa gut

Entsprechend sollte man von einer positiven Entwicklung im Schiffbau ausgehen. Doch weltweit fährt die Branche in schweren Gewässern. Seit 2009 sind gut zwei Drittel aller Werften untergegangen. 358 gibt es noch, in nächster Zeit werden etliche weitere schließen müssen. Der Lagebericht des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik, Hamburg, der 140 maritime Unternehmen in Deutschland vertritt, erklärt die düstere Entwicklung im Schiffbau mit Überkapazitäten, deren Spätfolgen sich nun in leeren Auftragsbüchern niederschlagen.

Die gute Nachricht: Lediglich europäische und besonders deutsche Werften kommen mit den Aufträgen kaum hinterher. Gefragt sind eher effizientere Frachter oder Kreuzfahrtschiffe, auf die gerade deutsche Hersteller spezialisiert sind. Sie profitieren zudem von der Entwicklung hin zum Schiffbau mit Spezialanfertigungen. Die Stärke der heimischen Schiffbauindustrie liegt in der Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette, zu der auch die Zulieferer gehören.

Die rund 400 Unternehmen stellen zwar mit Umsätzen von zuletzt 11,1 Mrd. € die Werften in den Schatten, sind aber zu 70 % vom Weltmarkt abhängig und stehen daher insgesamt weniger gut da. Die deutschen Werften wiederum verzeichnen seit 2011 einen Auftragszuwachs, der insgesamt fast 20 Mrd. € umfasst.

Das ist gut ein Drittel des Werts aller Werften in Europa, die ihrerseits über 40 % der globalen Aufträge erhalten. Allein 2016 erhielten deutsche Schiffbauer Aufträge für 31 Kreuzfahrtschiffe, Fähren, Yachten und Spezialanfertigungen im Wert von insgesamt 7,8 Mrd. € – gut 60 % mehr als 2015.

Wenige Schiffbauer als Aktiengesellschaft

Als Anleger kann man jedoch nur teilweise von der Entwicklung im Schiffbau und den deutschen Werften profitieren. Das Gros der meist spezialisierten Anbieter firmiert als GmbH. Darunter die Bremer Lürssen Werft, die auch den deutschen Küstenschutz und die Marine beliefert oder die Meyer Werft in Papenburg, die ein Kreuzfahrtschiff nach dem anderen baut.

In der Branche Schiffbau wird verbreitet auch die Hapag Lloyd AG gelistet. Dabei gibt die Reederei, deren einstiger Kreuzfahrtableger plus Reisebüros längst zu TUI gehört, den Bau ihrer Schiffe in Auftrag und ist somit kein Schiffbauer im engeren Sinne. Dennoch ist die Aktie einen Blick wert. Seit ihrem Debut an der Deutschen Börse Ende 2015 hat sie im Sdax um fast 70 % zugelegt.

Eine echte Werft ist die Lloyd Werft Bremerhaven AG, die bis 1985 Teil von Hapag Lloyd war. Seit 2016 gehört sie zu 100 % zum Mischkonzern Genting Group mit Sitz in Hongkong und konzentriert sich mittlerweile auf Umbau, Aufrüstung und Reparaturen. Dazu gehören Spezialschiffe für Schwergüter sowie Passagierschiffe. So wurden etwa die bekannten Kreuzfahrtriesen der Reihe „Mein Schiff“ auf Vordermann gebracht und mit neuester Technik ausgestattet. Aktien im Streubesitz gibt es seit der Genting-Übernahme nicht mehr.

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Wohl aber bei der allgemein weniger bekannten Hanse Yachts AG aus Greifswald. Sie fertigt mit 1.314 Mitarbeitern Segel, Motor-, Sport und Luxusyachten. Gut 85 % werden exportiert. Hanse Yachts ist durch den Aufkauf der Dehler Werft sowie Marken von Mitbewerbern gewachsen und verzeichnet seit Jahren steigende Umsätze – zuletzt in Höhe von 128,65 Mio. €. Nach längerer Verluststrecke ist die Gewinnzone mit 3,16 Mio. € erreicht. Die Aktie konnte auf Jahre um 308,8 % zulegen, 2017 um 127 %. Der um 59 % gestiegene Auftragsbestand gibt auch künftig Wind in die Segel.

Wettbewerbsdruck: China rüstet auf

Eine indirekte Option für Anleger ist ThyssenKrupps Einheit Marine Systems in Kiel, die zum Bereich Industrial Solutions im Konzern gehört. Gebaut werden U-Boote in vier verschiedenen Klassen sowie Marineschiffe: Korvetten Fregatten und Unterstützungsschiffe – alles samt Dienstleistungen. Nach dem geplatzten U-Boot-Deal mit Australien liegt eine Bestellung aus Israel über mehr als zwei Mrd. €. vor. Die Aktie ist seit Anfang 2016 auf Erholungskurs und mit einem KGV von 14 günstig. Der Ausstieg aus der Stahlproduktion verhagelt zwar dieses Mal den Gewinn, doch die Umsätze ziehen wieder an.

Zu erwähnen wäre noch der Zulieferer Siemens. Der Konzern ist führender Anbieter „grüner Lösungen“ im Schiffbau und verkauft immer mehr seiner neuen Elektro-Antriebe und Steuerungssysteme. Insgesamt allerdings wird der internationale Wettbewerbsdruck steigen. Allein China will mittelfristig einen Marktanteil von 40 % im High-Tech-Schiffbau erreichen und kooperiert bereits mit der staatlichen italienischen Großwerft Fincantieri im Bereich Kreuzfahrtschiffe.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.