Krisen-Staat Griechenland platziert erste Anleihe seit 3 Jahren

Es ist noch gar nicht lange her, da hätte kein Mensch noch einen Cent auf Griechenland gegeben. Doch seit Kurzem ist alles anders. Quasi als Versuchsballon hat das Land erstmals seit 2014 wieder eine Staatsanleihe herausgegeben.

Und: Was zunächst einige Zweifler auf den Plan gerufen hatte, verlief erfolgreich. Die Platzierung einer Staatsanleihe über 3 Mrd. € mit 5-jähriger Laufzeit gilt als gelungen.

Wie die staatliche Schuldenagentur PDMA mitteilte, sei ein Volumen von bis zu 4 Mrd. € geplant gewesen. Selbst dafür hätte die Nachfrage auch noch ausgereicht. Man habe sogar Papiere im Wert von 6,5 Mrd. € verkaufen können. Daraufhin hatten die Konsortialbanken, u.a. die Deutsche Bank, HSBC, Goldman Sachs und BNP Paribas, den anvisierten Zinssatz der Griechenland Staatsanleihe von 4,875 auf 4,625 % gesenkt.

Griechenlands Staatsanleihe: Platzierung wird als politischer Erfolg betrachtet

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras wertet die Platzierung der Staatsanleihe als Ergebnis einer erfolgreichen Konsolidierung. Und es stimmt zumindest teilweise: Griechenland hat sich stabilisiert. Erst im Juni 2017 hat sich die griechische Regierung mit ihren Geldgebern nach monatelangem Hin und Her auf weitere Reformschritte geeinigt. Sie ebnete damit den Weg für die Auszahlung einer weiteren Kreditrate von 7,7 Mrd. €.

Auch bei der Konsolidierung des eigenen Haushalts geht es für das Land bergauf. Griechenland erwirtschaftete im 1. Halbjahr in der so genannten Primärbilanz (ohne Schuldendienst) einen Überschuss von 1,93 Mrd. €. Somit übertraf Finanzminister Euklid Tsakalotos die Zielvorgabe von 431 Mio. € um ein Vielfaches.

Beim Bruttoinlandsprodukt geht es für Griechenland ebenfalls in die gewünschte Richtung: Im 1. Quartal 2017 wurde ein Zuwachs von 0,4 % verbucht. Die Reformen in der Finanzpolitik, die wirtschaftliche Erholung und zusätzliche Schuldenerleichterungen von Seiten der öffentlichen Gläubiger dürften es dem Land gestatten, seinen Schuldenstand in den kommenden Jahren zu reduzieren.

Vertrauen von Investoren in Griechenland wächst

Die Märkte fassen wieder mehr Vertrauen in Griechenland. Das konnte in den zurückliegenden Wochen an der Verringerung der Risikozuschläge für Griechenlands Staatsanleihen zu beobachten. Selbst griechische Wertpapiere des Geldmarkts werden von ausländischen Investoren mit wachsendem Interesse begleitet.

Bis Ende August 2018 ist Griechenland mit dem laufenden Hilfsprogramm der EU und des IWF finanziell abgesichert. Damit sich das Land anschließend jedoch wieder selbst refinanzieren zu können, ist es darauf angewiesen, dass der Marktzugang Schritt für Schritt aufgebaut wird. Die Platzierung der jetzigen Anleihe und weiterer kleinerer geplanter Emissionen von Bonds unterschiedlicher Laufzeiten in den kommenden Monaten dienen diesem Zweck.

Auf diese Weise soll Griechenland einen Puffer am Kapitalmarkt von etwa 10 Mrd. € aufbauen. Das würde ausreichen, die Refinanzierung des Landes in den ersten 10 Monaten nach Beendigung des Hilfsprogramms zu sichern. Und das wiederum würde wirklich einen großen Schritt in Richtung Ende der Griechenland-Krise bedeuten.

21. August 2017

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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