Krypto Aktien: Eine Branche in den Kinderschuhen

Krypto Aktien sind im Kommen. Doch weil die Blockchain Technologie um sich greift, ist die Abgrenzung und Auswahl solider Aktien schwierig. (Foto: 3Dsculptor / Shutterstock.com)

Bitcoin, Ethereum, Ripple – Krypto-Währungen scheinen trotz aller Kritik nicht aufzuhalten zu sein. Die Liste stets neuer Währungen wird immer länger. Sie alle basieren auf einer Datenbank-Technologie, die klassische Grenzen überwindet: die Blockchain-Technologie.

Mit ihrer dezentralen Struktur ist sie sicher, anonym und bietet jederzeit volle Kontrolle. So laufen Transaktionen in einem Netzwerk direkt von Rechner zu Rechner. Sie werden im gesamten Netzwerk protokolliert.

Krypto Aktien vorerst mit Vorsicht anfassen

Das System lässt sich auf unzählige Geschäftsmodelle auch abseits der Finanzindustrie übertragen. Inzwischen schmücken sich aber alle möglichen Firmen mit dem Zusatz „Blockchain“ oder „Krypto“, selbst wenn sie nur entfernt damit zu tun haben. Und vielfach steigert das auch noch die Umsätze.

Wer also Krypto-Aktien sucht, weil er auf einen Zug aufspringen will, muss inzwischen genau hinschauen, wer dahintersteckt. Teils geht es tatsächlich um Bitcoin & Co., teils um Blockchain-Anwendungen, teils aber auch um Anwendungen für die Blockchain, was dann eher dem Zuliefererbereich entspricht. Der Bereich muss sich erst etablieren. Derzeit sind wohl die meisten Krypto-Aktien hochspekulativ.

Wunderkind Bitcoin Group

Da wäre zunächst das Papier von Bitcoin Group. Zumindest überzeugen die Zahlen der in Deutschland einzigen regulierten Handelsplattform. Letztes Jahr verdoppelte sich die Zahl der Nutzer auf 745.000. Damit stieg das Handelsvolumen für alle verfügbaren Krypto-Währungen auf 1,25 Mrd. Euro. Die Umsatzerlöse stiegen gegenüber 2016 um das Elffache auf 12,67 Mio. Euro. Noch berauschender ist der 70 Mal höhere Jahresgewinn. Er stieg von 0,11 Mio. Euro auf 7,45 Mio. Euro. Und das bei einer Handvoll Mitarbeitern.

Auf Jahressicht brachte die Krypto-Aktie 413 % Plus, allerdings mit extremen Ausschlägen. Für schwache Nerven ist dies weniger geeignet. Das gilt noch mehr für Hochrisiko-Papiere wie etwa Naga-Group oder On-Line Plc. Wenn die Kurse im allgemeinen Hype um das Fünffache und mehr steigen, sollten die Alarmglocken läuten. Die Krypto-Aktien sind heillos überbewertet.

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Auf die Substanz kommt es an

Vorsicht ist übrigens bei einer substanzlosen Mantelgesellschaft angesagt, die als Meier & Partner für negative Schlagzeilen sorgte. Die Umbenennung in netcoin.capital AG macht die Sache nicht besser. Dass der Kurs von einigen Cent auf über 7 Euro gesprungen ist, erinnert an die Zeit, als der Tanz um Dotcom-Firmen immer wilder drehte.

Deutlich substanzhaltiger ist beispielsweise Advanced Blockchain. Das Geschäftsmodell des Berliner Unternehmens ist es, die Technologie mit ihren Potenzialen in die Realwirtschaft zu bringen. Und zwar vorwiegend mit Blick auf digitale Anwendungen – Stichwort: Industrie4.0.

Advanced Blockchain ist erst wenige Monate alt, doch äußerst aktiv. Neben einem Projekt, bei dem neue Blockchain Technologien eingesetzt werden, wurde jetzt eine Partnerschaft mit dem Werkzeugmaschinen- und Automatisierungsspezialisten DMG MORI vereinbart. Die Aktie sollte man zumindest beobachten.

Alle kommen auf den Geschmack

Neben den Hardcore-Krypto-Aktien finden sich immer mehr etablierte Unternehmen, die den Bereich über neue Geschäftsfelder abdecken wollen, indem sie eigene Plattformen aufbauen. Die Software AG ist ein Beispiel. Aber auch Große wie Microsoft entdecken das Feld.

Spannend scheinen auch Handelsunternehmen zu sein, die an eigenen Plattformen für Krypto-Geld arbeiten. Großinvestor George Soros beispielsweise hat unlängst Aktien von Amazon, Apple und Facebook aus dem Depot geworfen und dafür Papiere von Overstock.com gekauft hat – eigentlich ein regulärer amerikanischer Internet-Händler. Als Besonderheit zahlen die Kunden seit 2014 auf Wunsch auch mit Bitcoin. Dafür kooperiert das Unternehmen mit der Plattform Coinbase.

Und dieser Tage lässt auch Walmart verlauten, dass es ein Patent für eine Plattform auf Blockchain Basis eingereicht hat. Damit könnten Kunden gekaufte Waren weiterverkaufen. Walmart erhofft sich von dem Projekt einen „Kontroll-Zirkel“, der verhindert, dass Kunden Ware zurückbringen müssen. Klar, das spart beiden Seiten Arbeit und Zeit.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.