Künstliche Intelligenz: Deutschlands Chancen

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Die Ausgangssituation bei Künstlicher Intelligenz ist in Deutschland besser als weithin vermutet. Potenzial bietet die industrielle Anwendung. (Foto: Panchenko Vladimir / shutterstock.com)

Führende Institute und die Wirtschaft erwarten einstimmig, dass sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) das Potenzial hat, das jährliche Wirtschaftswachstum zu verdoppeln und die Produktivität erheblich zu steigern. Entsprechende Zahlen sind aber mit Vorsicht zu genießen, da die tatsächliche Dynamik der Entwicklung kaum abschätzbar ist.

Damit Deutschland bei Künstlicher Intelligenz nicht den Anschluss verliert, hat die Regierung dieser Tage ein Strategiepapier vorgestellt, das bis 2025 unter anderem Fördergelder von drei Mrd. Euro vorsieht.

Deutschland fördert Künstliche Intelligenz – jedoch mit vergleichsweise geringen Summen

Die großen Player wie Amazon, Google, Facebook oder Microsoft indes geben mehr als dreimal so viel dafür aus. Gerade bei der Monetarisierung von Nutzerdaten haben die USA aber auch China einen klaren Vorsprung. Dabei steht in Sachen Künstliche Intelligenz Deutschland bislang gar nicht schlecht da.

Vor allem in der Forschung genießen Institute wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Karlsruher Institut für Technologie oder die Max-Planck Gesellschaft international hervorragenden Ruf. Auch entstehen fortlaufend neue Einrichtungen, Verbände und Startups, die sich dem Thema widmen. Zudem laufen bereits zahlreiche Forschungsinitiativen.

Im Vergleich zu den USA etwa liegt Deutschlands Potenzial bei der Künstlichen Intelligenz – wie bei der allgemeinen Digitalisierung – in der industriellen Anwendung, Stichwort Internet der Dinge. Hautproblem: Es gibt noch zu wenige Fachkräfte. Wer gut ist, wird schnell für viel Geld ins Ausland abgeworben. Für mittlere und kleine Unternehmen ein teures Unterfangen.

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Wo gibt es KI-Aktien?

Dennoch planen immer mehr Konzerne mit selbstlernenden Systemen, bei denen es nicht mehr nur um Daten und deren Vernetzung geht. Prominentes Beispiel sind autonome Fahrzeuge. Bei einschlägigen Patenten übrigens haben deutsche Firmen wie Bosch, VW oder Continental weltweit die Nase vorn. Auch für Anleger ist dies eine gute Ausgangsposition. Wobei aber die Suche nach gewinnversprechenden reinen KI-Aktien nicht einfach ist. Conti oder VW lassen sich kaum als KI-Konzerne bezeichnen. Auch Siemens oder der Roboterhersteller Kuka nicht, selbst wenn hier KI eine wichtige Rolle spielt.

Insgesamt ist Künstliche Intelligenz ein weites Feld, das Industrie und Gesellschaft in den verschiedensten Formen und Anwendungsarten erfassen wird. Da sie produkt- und spartenübergreifend einsetzbar ist, lässt sich deren Anteil am Umsatz schwer ermitteln. Am meisten profitieren Konzerne aus dem Bereich Software und Halbleiter, die die Basis für Künstliche Intelligenz liefern.

Software- und Halbleiterspezialisten

So hat SAP sein umfangreiches KI-Portfolio auf seinem Innovationssystem Leonardo integriert, das Kunden bei der digitalen Transformation unterstützt. Die Software AG bietet über den übernommenen Spezialisten Zementis Unternehmen Lösungen für Prognosemodelle und maschinelles Lernen. Mit ihnen lässt sich KI einfach in bestehende Geschäftsoperationen einbinden.

Bei Halbleitern profitiert Infineon vom KI-Trend im Bereich der Automatisierung. Sensoren liefern genaue Umgebungsdaten, die von Mikroprozessoren ausgewertet werden, um entsprechende Entscheidungen für Arbeitsgeräte bzw. Maschinen zu treffen. Assistenzsysteme in derzeitigen, teilautonomen und künftig autonomen Fahrzeugen machen dabei einen erheblichen Anteil aus. Neuartige Niedrigenergie-Prozessoren könnten hier zum Durchbruch verhelfen. Und der im Sdax gelistete Spezialist Aixtron unterstützt die Halbleiterhersteller mit Anlagen, die ein leistungsfähiges KI-Netz ermöglichen.

Derartige Unternehmen beteiligen sich übrigens an Förderinitiativen der Bundesregierung, und zwar in Form von Konsortien, die auch kleinere Firmen sowie Institute umfassen. Durch diese Risikoaufteilung und die Zuschüsse lassen sich mit gebündelter Innovationskraft neue Ansätze erforschen, die Deutschlands Wettbewerbsposition in Sachen Künstliche Intelligenz stärken können. Dabei darf man nicht übersehen: Im Vergleich zu China oder den USA kommen außerdem Fördermittel seitens der EU hinzu. Damit greift die Initiative weiter, als es auf Anhieb erscheint.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.