Künstlichen Intelligenz und ihre Gefahren

Vor wenigen Tagen konnten Sie zahlreiche Schlagzeilen lesen, die mich aufhorchen ließen:

„Facebook stoppt Experiment mit Künstlicher Intelligenz in letzter Minute“.

Das Handelsblatt titelte „Künstliche Intelligenz außer Kontrolle?“

Auch auf dem Web Summit 2017 in Lissabon ist es ein großes Thema: Ist AI eine Chance, oder doch eher eine Gefahr für die Menschheit?

Für mich Grund genug, der Sache nachzugehen, ob Künstliche Intelligenz wirklich eine Gefahr ist, der Einhalt geboten werden muss.

Denn nicht nur die meisten Experten sind von den Wachstumsaussichten dieses Robotik-Segments überzeugt.

Auch viele Anleger bilden das Gebiet mit mehreren Aktien in ihren Depots prominent ab.

Chatbots als Verhandlungspartner

Anlass der Endzeit-Berichterstattung ist ein Facebook-Experiment. Der Technologiegigant wollte einem Chatbot beibringen, mit einem Gesprächspartner zu verhandeln.

Kurze Erklärung: Ein Chatbot ist ein Programm, mit dem Sie sich in natürlicher Sprache unterhalten können. Bislang waren die Fähigkeiten der Chatbots noch relativ beschränkt.

Wenn Sie bereits mit solchen Programmen kommuniziert haben, werden Sie wissen: viel mehr als das Beantworten von einfachen Fragen, einen Tisch im Restaurant reservieren oder eine Flugbuchung sind noch nicht drin.

Aber das könnte sich bald ändern. Facebooks Experiment war so spannend wie lehrreich. Die Forscher ließen die Chatbots miteinander verhandeln.

Die beiden Bots „Bob“ und „Alice“ gingen mit vordefinierten Vorlieben in die Verhandlungen.

Die Forscher legten dazu Werte fest, wie wichtig dem jeweiligen Teilnehmer die fiktiven Waren – Hüte, Bälle und Bücher – sind. Ihre gegenseitigen Schwerpunkte kannten sie nicht, sondern mussten diese aus dem Verlauf der Verhandlung selber schätzen. Das Ziel liegt auf der Hand.

Die Chat-Roboter sollen zu einem Deal finden, der für beide in Ordnung ist. Wie im menschlichen Leben.

Roboter entwickeln Geheimsprache

Während des Versuches machten die Forscher eine interessante Entdeckung.

Die Künstlichen Intelligenzen begannen von der englischen Sprache abzuweichen und eine eigene Sprachlogik zu entwickeln.

Die verwendete Sprache war nach einer gewissen Zeit für die Computerexperten nicht mehr nachvollziehbar, was zum Abbruch des Experiments führte.

Parallele zur menschlichen Sprachentwicklung

Auch wenn die Forscher der Unterhaltung nicht mehr folgen konnten, ein Grund zur Sorge ist dies noch lange nicht.

Denn die Entwicklung basierte nicht auf Arglist, sondern war das Ergebnis einer fehlerhaften Programmierung. Die IT-Spezialisten hatten schlicht vergessen, Englisch als vorgegebene Sprache zu fixieren oder die Systeme zu belohnen, wenn sie Englisch sprechen.

Dass die Chatbots von der ursprünglichen Sprache abwichen, ist übrigens sehr menschlich.

Sie kennen es bestimmt: Nicht nur bei bestimmten Berufen kommen Abkürzungen und Formulierungen zum Einsatz, die für Außenstehende kaum mehr verständlich sind.

Auch im Alltagsgebrauch werden oft Redewendungen und Abkürzungen verwendet, die zwar die Verständigung vereinfachen, aber nicht immer logisch sind.

Kein Grund zur Panik – das Potenzial ist gigantisch

Das wirklich Interessante an dem Experiment war etwas ganz anderes. Die Systeme entwickelten nämlich richtiges Verhandlungsgeschick.

Mit der Zeit gelang es der KI, die eigenen Ziele zu verschleiern, indem sie dem Gesprächspartner vorgab, an einem Objekt nicht interessiert zu sein, nur um es später doch zu bekommen.

Auch wenn die Roboter noch nicht denken wie Menschen – Bluffen können sie bereits.

Fazit: Keine Angst vor der Zukunft

Das Ganze ist also kein Grund zur Panik und zeigt Ihnen eher, welches Potenzial hinter dieser Entwicklung steckt. Davon sind übrigens auch die Experten überzeugt:

So schätzt das Research- Unternehmen Gartner, dass Chatbots bis 2020 bereits bei 85% der Kommunikation zwischen Firmen und Kunden beteiligt sein werden.

Die Prognosen zur Entwicklung von Chatbots und Künstlicher Intelligenz überschlagen sich.

Das Analysehaus Tractica erwartet, dass bis zum Jahr 2021 der Umsatz mit virtuellen Digital-Assistenten für Endkunden auf 15,8 Milliarden Dollar ansteigt.

7. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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