Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV): Eine zu wenig beachtete Kennzahl

Mit dieser einfachen Kennzahl lassen sich Unternehmen unabhängig vom Gewinn leicht vergleichen. (Foto: Anikei / Shutterstock.com)

Wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis wenig Aussagekraft besitzt (beispielsweise, wenn das Unternehmen Verluste oder nur minimale Gewinne erwirtschaftet) brauchen Sie andere Kennzahlen, um eine Aktie zu bewerten. In diesem Fall wird oftmals das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) zu Rate gezogen.

Das KUV hat den Vorteil, dass es sich unabhängig vom Gewinn ermitteln lässt. Es misst den Wert eines Unternehmens im Verhältnis zum Umsatz

Was sich zunächst komisch anhört, ist recht einfach zu begründen. Der Umsatz ist eine feste Zahl, an der nicht gerüttelt werden kann, daher ist das KUV eine sehr zuverlässige Kennzahl. Der Gewinn hingegen kann, je nach Art der Rechnungslegung und der einfließenden Abschreibungen, manipuliert werden.

Auch wenn ein Unternehmen durch Sonderbelastungen einmal keinen Gewinn erzielt und somit kein KGV ermittelt werden kann, ist das KUV die verlässlichste Kennzahl zur Bewertung.

Dasselbe gilt auch für Start-Ups und viele Internet-Unternehmen. Hier werden oft trotz schnell wachsender Umsätze in den ersten Jahren noch keine Gewinne erzielt. Prominente Beispiele hierfür sind Facebook und Twitter.

Gleichzeitig muss aber auch beachtet werden, dass es trügerisch sein kann, ein Unternehmen nur nach seinem Umsatz und nicht nach seinen Gewinnen zu bewerten

Was sagt KUV über die Bewertung einer Aktie aus?

Sinn und Zweck von Aktienkennzahlen ist es einfach, darzustellen, ob eine Aktie im Vergleich zum Wettbewerb gerade günstig oder teuer zu bewerten ist. Dies gilt natürlich auch für das KUV.

Eine Aktie, die ein KUV unter 1 aufweist, gilt allgemein als günstig bewertet, und es wird davon ausgegangen, dass dieser Wert noch über Kurspotenzial nach oben verfügt.

Aktien, die ein KUV von 1,5 und höher aufweisen, gelten dagegen als „teuer“.

Berechnung und Interpretation

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis zeigt die Relationen zwischen dem jährlichen Umsatz eines Unternehmens und und dessen Marktkapitalisierung.

Die „Marktkapitalisierung“ ist der Börsenwert eines Unternehmens (Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs). Als Faustformel gilt: Je niedriger das KUV, desto günstiger kaufen Sie eine Aktie ein.

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Die Rechenformel zur Ermittlung des Kurs-Umsatz-Verhältnisses sieht also folgendermaßen aus:

 

Formel  

Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) berechnen: Methode A

?
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) vergleicht die Marktkapitalisierung eines Unternehmens mit dessen jährlichen Umsatz. Als Faustformel gilt: Je niedriger das KUV, desto günstiger kaufen Sie eine Aktie ein.
$$\bo\text"KUV" = \text"Marktkapitalisierung" / \text"Umsatz des Unternehmens"$$
Ergebnis berechnen

Drei Beispiele aus der Praxis, wann es sich besonders lohnt, das KUV zu betrachten:

• Sie wollen in die Pharma-Branche investieren. Ihre beiden Favoriten, Zwei Unternehmen, die Sie für besonders interessant halten, haben ein identisches KGV. Beim Kurs-Umsatz-Verhältnis zeigen sich allerdings Unterschiede: Das Unternehmen A weist ein KUV von 0,9 auf; beim Unternehmen B beträgt das KUV dagegen 1,3.

Das bedeutet: Das Unternehmen A ist preisgünstiger als Unternehmen B. Merken Sie sich diese Regel: Bei etablierten Unternehmen, die die Aufbau- und Wachstumsphase bereits hinter sich haben, gilt ein KUV unter 1 als sehr günstig.

• Bei jungen Unternehmen, die sich noch in der Wachstumsphase befinden und keinen Gewinn machen, ist eine Betrachtung des KUV ebenfalls sinnvoll. Wenn Sie davon ausgehen, dass die betrachteten Unternehmen in Zukunft eine ähnlich hohe Gewinnmarge erwirtschaften, ist das Unternehmen mit dem niedrigeren KUV die bessere Wahl. Denn dieses wird später auch das günstigere Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen.

• Besonders schwankungsanfällig ist beispielsweise die Chip-Industrie. Hier werden in einem Jahr beträchtliche Gewinne erwirtschaftet, im nächsten fallen hohe Verluste an. Um ein Unternehmen auch in einem Verlustjahr mit anderen aus der gleichen Branche vergleichen zu können, bietet sich das KUV als Hilfsmittel an.

Stärken und Schwächen

Die große Stärke des KUV ist seine Unabhängigkeit davon, ob das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet oder nicht. Allerdings liegt genau hierin auch die Schwäche: Langfristig muss ein Unternehmen Gewinne erzielen, damit Sie als Anleger daran Geld verdienen.

Ein hoher Umsatz bzw. ein niedriges Kurs-Umsatz-Verhältnis sagt nichts darüber aus, ob eine AG dauerhaft rentabel wirtschaftet.

Fazit: Als Ergänzung empfehlenswert

Das KUV ein gutes Mittel zur Aktienauswahl, wenn ein Unternehmen (noch) keine Gewinne macht oder wenn Gewinnschätzungen schwierig sind.

Allerdings sollten Sie diese Kennzahl niemals allein heranziehen, sondern immer das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und, wenn möglich, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit betrachten, um zu einer fundierten Einschätzung zu kommen.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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