Kurssturz bei Celgene: Wie sind die weiteren Aussichten?

Böses Erwachen für Anleger von Celgene. Pünktlich zu Halloween erschreckte der US-Biotech-Konzern seine Anleger. Notierte die Celgene-Aktie Ende September noch bei über 140 US-$, mussten sich Anleger einen Monat später mit Kursen von unter 100 US-$ anfreunden.

Der massive Kurssturz von Celgene hat viele Beobachter überrascht, gehört Celgene mit zu den beständigsten Firmen in der Biotech-Branche mit einem zweistelligen Umsatzwachstum. Ein Blick auf den 5-Jahreschart zeigt auch nach dem Kursverfall noch ein Kursplus von rund 170 %. Was löste den Kursverfall in den letzten Wochen aus und bietet sich vielleicht jetzt eine günstige Einstiegsgelegenheit bei der Celgene-Aktie?

Kurssturz der Celgene-Aktie: Das sind die Gründe

Dem Celgene-Kurssturz gingen gleich mehrere schlechte Nachrichten voraus. Zum einen musste das Unternehmen das Scheitern eines wichtigen Wirkstoffs eingestehen, zum anderen senkte Celgene seinen langfristigen Umsatz- und Gewinnausblick – doch der Reihe nach.

Im April 2014 hatte sich Celgene mit eine Vorabzahlung von 710 Mio. US-$ an die irische Nogra Pharma den Zugriff auf den Wirkstoff GED-0301 (Mongersen) gesichert. Dieser Wirkstoff galt als potenziell bahnbrechende Therapie gegen Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung.

In einer späten klinischen Testphase (Phase III) erwies sich Mongersen, wie der Wirkstoff inzwischen genannt wird, als teurer Flop. Analysten glauben, dass Celgene dadurch auf potenzielle Umsätze von bis zu 2,0 Mrd. US-$ in den nächsten Jahren verzichten muss.

Ob Mongersen möglicherweise in anderen Indikationen wie zum Beispiel in Colitis ulcerosa (entzündliche Darmkrankheit) zum Einsatz kommen kann, steht noch in den Sternen – die Zukunft dieses Wirkstoffs ist also mehr als ungewiss.

Celgene senkt den Ausblick für 2020

Zum Leidwesen der Anleger senkte Celgene nach der Enttäuschung mit Mongersen auch noch den Umsatz- und Gewinnausblick für 2020. Statt eines Umsatzes von mehr als 21 Mrd. US-$, revidierte Celgene seinen Umsatzausblick für 2020 auf 19 bis 20 Mrd. US-$ nach unten.

Auch beim geplanten Gewinn je Aktie macht Celgene Abstriche. Statt mindestens 13 Dollar je Anteil, müssen sich Anleger mit einem Nettogewinn von 12,5 Dollar je Anteil begnügen.

Der schwächere Ausblick von Celgene dürfte nicht nur im Zusammenhang mit dem Scheitern von Mongersen stehen, sondern auch in Verbindung mit den zuletzt  enttäuschenden Umsatzzahlen von Otezla, einem Medikament gegen Schuppenflechte. Aus diesen Gründen will sich Celgene auf Ozanimod konzentrieren, einem experimentellen Medikament gegen Multiple Sklerose (MS) und Colitis ulcerosa.

Ozanimod ist ein wichtiges Medikament für Celgene, hat sich der Biotech-Konzern den Zugriff auf Ozanimod doch rund 7,2 Mrd. US-$ (Receptos-Zukauf) kosten lassen. Analysten trauen dem Medikament in der klinischen Phase III Blockbuster-Potenzial bzw. einen Jahresumsatz von mehr als 2 bis 3 Mrd. US-$ zu.

Fazit: Celgene mit breiter Pipeline, doch die Euphorie ist erst einmal verflogen

Die enttäuschenden klinischen Daten zu Mongersen sind ein klarer Rückschlag für Celgene und seine Wachstumsambitionen. Dennoch sollten Anleger den revidierten Wachstums- und Gewinnausblick nicht überbewerten. Celgene verfügt nach wie vor über eine breite Produkt-Pipeline. Neben Ozanimod gelten noch Luspatercept, Marizomib und CC-220 als potenzielle Medikamente mit Blockbuster-Potenzial (Milliardenumsätze) für Celgene.

Zudem sollten Anleger beachten, dass Celgene auch nach den revidierten Ausblick zu den wachstumsstärksten Biotech-Firmen gehört. Denn der Konzern stellt damit ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 13,5 % von 2017 bis 2020 in Aussicht, der Gewinn je Aktie soll im Schnitt um 19,5 % bis 2020 zulegen. Damit bleibt Celgene auch nach dem jüngsten Rückschlag weiterhin eine interessante Aktie für alle wachstumsorientierten Anleger mit einem längeren Anlagehorizont.

2. November 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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