Lebensversicherung beleihen: Das müssen Sie beachten

Eine Lebensversicherung zu beleihen ist teuer. Hohe Zinsen machen das Darlehen unattraktiv, dafür ist keine weitere Bonitätsprüfung nötig. (Foto: Watchara Ritjan / Shutterstock.com)

Eine Reparatur am Haus, ein neues Auto, eine kostspielige Reise oder ein Wunsch der Kinder – manche Dinge kosten mehr als an Geld aktuell zur Verfügung steht. Dennoch müssen sie kein Traum bleiben.

Lebensversicherung beleihen und auf eigenes Kapital zurückgreifen

Wer sich davor scheut einen Kredit aufzunehmen, kann darüber nachdenken seine Lebensversicherung zu beleihen. In dieser steckt schließlich ein Teil des eigenen Kapitals. Dabei wird von dem Geld, das eigentlich erst zu einem späteren Zeitpunkt fällig wird, ein gewisser Betrag früher ausbezahlt.

Beleihen kann eine interessante Alternative zum Verkaufen der Lebensversicherung sein. Denn das ist endgültig und die angestrebte Altersvorsorge ist dann dahin.

Wie hoch kann das Darlehen ausfallen?

Wie viel Geld sich Versicherungsnehmer genau leihen können, hängt davon ab wie hoch der Rückkaufwert ist. Der Rückkaufwert einer Lebensversicherung ist die Summe, die bei einer sofortigen Kündigung der bestehenden Versicherung fällig würde.

Dieser Wert kann entweder in den aktuellen Versicherungsunterlagen eingesehen oder bei der Versicherungsgesellschaft erfragt werden. Genau dieser Wert kann dann geliehen werden. Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung können oft nur bis zu 60 Prozent des Rückkaufwertes geliehen werden, da ein höheres Anlage-Risiko besteht.

Diese Vorteile hat es eine Lebensversicherung zu beleihen

Die eigene Lebensversicherung zu beleihen hat einen Vorteil: Die Sicherheit ist die Police selbst und es müssen keine anderen Bonitätsnachweise erbracht werden. Eine Lebensversicherung kann entweder direkt über den Versicherungsnehmer oder über eine Bank beliehen werden. Auch eine Finanzierung über einen Partner auf dem Zweitmarkt ist möglich.

Für das Beleihen einer Lebensversicherung gelten weitere Besonderheiten:

  • Die Versicherung läuft während des Darlehens weiter.
  • Auch Policen, die beitragsfrei gestellt sind, können beliehen werden.
  • Mit dieser Art des Darlehens gibt es keinen negativen Schufa-Eintrag, wie es bei Bankkrediten üblich ist.

Um das Darlehen zurückzuzahlen gibt es verschiedene Möglichkeiten. So bieten einige Gesellschaften kostenlose Sondertilgungen an, üblicher ist es einfach die Beiträge zur Versicherung zu erhöhen. In jedem Fall müssen Zinsen auf das Darlehen gezahlt werden. Diese sind im Rahmen einer Sondertilgung dann häufig auf einen Schlag fällig oder können monatlich getilgt werden. Über diesen Punkten sollte vor dem Abschluss eines Policendarlehens gründlich nachgedacht werden, um sich nicht mit der Rückzahlung zu verzetteln.

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Was spricht gegen das Beleihen der eigenen Lebensversicherung?

Ein großer Minuspunkt, der gegen das Beleihen der Lebensversicherung spricht, ist das Zinsniveau. Die Zinsen sind häufig noch höher als die Zinsen für einen Ratenkredit von der Bank und das will überlegt sein. Auch muss die Rückzahlung des Darlehens gut terminiert werden und sollte dann beendet sein, wenn die Versicherung ausbezahlt wird.

Bei jungen Versicherungen ist die Darlehenssumme nicht so hoch, da in der ersten Zeit noch Verwaltungs- und Abschlussgebühren berechnet und abgezogen werden. Der Wert der Versicherung ist dadurch zunächst niedriger als das tatsächlich eingezahlte Kapital. In diesem Fall lohnt sich das Beleihen der Lebensversicherung in der Regel nicht.

Alternativen: Besser Aktien als Lebensversicherung

Grundsätzlich sollte der Abschluss einer Lebensversicherung wohlüberlegt sein. Aktien, Fonds oder ETFs bieten in der richtigen Kombination meist eine höhere Rendite und sind fast immer das deutlich bessere Konzept für die private Altersvorsorge.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.