Leitzins: Darlehensnehmer und Anleger als Gewinner

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Das niedrige Niveau des Leitzinses bestimmt schon seit mehr als zwei Jahren über die Wirtschaftswelt. Nun gibt es erste Negativzinsangebote für den Verbraucher, wovon auch Anleger profitieren können. (Foto: Billion Photos / Shutterstock.com)

Das niedrige Niveau des Leitzinses bestimmt schon seit mehr als zwei Jahren über die Wirtschaftswelt. Bankgeschäfte, Anlagevorhaben und der Konsum im Allgemeinen entwickeln sich unter diesem Einfluss auf besondere Art und Weise. Nun eröffnet das Kreditinstitut Smava mit seinem Negativzinskredit gänzlich neue Wege für den Verbraucher. Bei genauerem Hinsehen sind jedoch nicht nur Kreditnehmer Profiteure, sondern auch Anleger.

Die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Leitzins

Die Grundsätze des Leitzinses basieren auf dem Wissen, dass sich Konjunktur in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit finanzieller Mittel entwickelt. Unternehmen und Endverbraucher, die sich Geld leichter leihen können, erweisen sich als konsumfreudiger und kurbeln die Wirtschaft entsprechend an. Wie die Webseite der Bundesbank zeigt, liegt der EZB Satz der Hauptfinanzierungsgeschäfte schon seit 16. März 2016 bei 0,00 Prozent. Ein Wert, der in den Jahres zuvor nicht ansatzweise erreicht und oftmals deutlich überschritten wurde.

Die Gründe für eine derartige Absenkung des Leitzinses liegen auf der Hand. Sobald er fällt, müssen Banken weniger Geld investieren, um sich finanzielle Mittel zu leihen. Die hieraus resultierenden Vorteile geben sie an den Privatverbraucher und an Geschäftskunden weiter. Somit verringern sich die Zinsen auf Kredite erheblich, was eine beschleunigte Entwicklung der Unternehmenswelt und größere Konsumfreude beim Privatverbraucher auslöst. Sicherlich wird die Zukunft eine Anhebung des Leitzinses mit sich bringen. Wer von der derzeitigen Situation profitieren will, sollte daher nicht allzu lange warten.

Sobald der Leitzins nämlich steigt, entsteht eine Dynamik, bei der erneut alle Wirtschaftszweige inklusive des Privatverbrauchers beeinflusst werden. Banken müssen wieder mehr Geld investieren, um selbst über ausreichend finanzielle mittel zu verfügen und Kreditnehmern werden Darlehen mit höherer Verzinsung angeboten. Die Konjunktur verlangsamt sich folglich, was Inflationsbewegungen entgegenwirken soll. Auch dieser Schritt hat seine Daseinsberechtigung, wird aber erneut Sieger und Verlierer mit sich bringen.

Kredite sind heute so günstig wie nie

Wie bereits erwähnt, haben Kreditzinsen in diesen Tagen rekordverdächtig niedriges Niveau erreicht. Sowohl große als auch kleinere Vorhaben können sich Verbraucher daher leichter erfüllen, ohne mit erheblichen Zinszahlungen rechnen zu müssen. Mit dem Aktionskredit von Smava jedoch erreicht auch dieses Thema eine neue Dimension. Das Unternehmen nämlich bietet seinen Kunden nun als erstes weltweit einen 10.000 Euro Kredit mit negativer Verzinsung an. Der effektive Jahreszins liegt bei -0,040 Prozent pro anno, weswegen die Rückzahlung geringer ausfällt als die anfängliche Darlehenssumme. Der Kunde, der sich 10.000 Euro leiht, zahlt bei einer Laufzeit von 24 Monaten nur 9958,27 Euro zurück. Folglich belaufen sich die monatlichen Raten auf 414,93 Euro.

Dass der Negativzins trotz der bereits existierenden Niedrigzinspolitik Vorteile hat, liegt auf der Hand. Leiht sich der Verbraucher 10.000 Euro von einem Kreditinstitut und rangiert die Verzinsung im positiven Bereich, wird er am Schluss stets mehr gezahlt haben. Je nach Zinssatz handelt es sich hierbei um mehrere Hundert Euro, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnten. Wer in diesen Tagen auf der Suche nach einem Kredit ist und größere Vorhaben finanzieren möchte, sollte daher nicht vorschnell handeln, sondern genau prüfen, welches Angebot die niedrigste Zinsbelastung mit sich bringt. Der Optimalfall in dieser Zeit sind selbstverständlich Negativzinsen.

Anleger: Was hat der Leitzins ihnen zu bieten?

Für Anleger, so die allgemeinen Warnungen, sind mit der Absenkung des Leitzinses harte Zeiten angebrochen. Das aber ist nur die halbe Wahrheit, denn gemeint sind hiermit nur jene Anleger, die nicht von ihrer bisherigen Strategie abrücken und weiter an vermeintlich sicheren Optionen festhalten. Wer also auch heute noch mit Portfolios arbeitet, die ausschließlich auf Tagesgeld, Festgeld, Sparbuch und Kapitallebensversicherungen basieren, muss in der Tat mit Rückschlägen rechnen. Der Grund: Ein niedriger Leitzins bringt immer auch eine Senkung von Guthabenzinsen mit sich. Anleger mit einer Vorliebe für klassische Portfolios brauchen daher lange, um eine günstige Rendite zu erwirtschaften – und müssen sich sogar vor negativen Zinsen fürchten.

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Die Chance der Niedrigzinspolitik für Anleger liegt klar in der Notwendigkeit, eingefahrene Strukturen aufzubrechen. Die Deutschen als Frustsparer, die entweder in vermeintlich sichere Anlagemöglichkeiten oder gar nicht investieren, sind zum Umdenken gezwungen. Es ist nämlich so, dass ein gutes Portfolio heutzutage aus modernen Alternativen bestehen muss, um eine ansehnliche Rendite zu erwirtschaften. Angst vor Aktien, Direktinvestments, Immobilien oder auch Edelmetallen schadet ihnen langfristig betrachtet. Weiterhin gilt zwar, dass eine Kreditaufnahme zum Einstieg in das Aktiengeschäft nicht empfohlen werden kann, gibt es jedoch verfügbare Geldmittel, sind moderne Wege die richtigen.

Die neuen Vermögensportfolios sehen in der Tortenansicht also weitaus bunter und vielfältiger aus. Was zunächst mangelnde Strategie vermuten lässt, setzt auf breite Streuung. Anleger, die sowohl in Immobilien als auch in ETFs, Aktien und andere Investment-Optionen investieren, stellen ihre Vermögensentwicklung auf ein Fundament mit mehreren Pfeilern. Es ist absolut nicht schlimm, wenn hier auch weiterhin ein Tagesgeldkonto bedient wird. Dessen Bedeutung aber sollte nicht überbewertet werden. Experten empfehlen, auf einem Tagesgeldkonto nur etwa vier bis fünf Monatsgehälter anzulegen und restliche Geldmittel anderweitig zu nutzen. Auf diese Weise verschaffen sich Anleger auch in Zeiten einer Niedrigzinspolitik bessere Chancen auf ansehnliche Renditen.


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Markus Müller
Von: Markus Müller. Über den Autor

Markus Müller ist Experte für Vermögenaufbau und –absicherung und großem Interesse an genereller Finanzthematik.