Studien beweisen: Lesen macht fit

Lesen bildet, sagen mehrere Studien. Wer auf der Suche nach einer guten Möglichkeit ist, ein wenig Gehirnsport zu treiben, könnte daher schon im heimischen Bücherregal eine gute Trainingsmethode finden. (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

Wer sich in letzter Zeit etwas träge im Geiste gefühlt hat oder sich die Frage gestellt hat, ob es nicht möglicherweise eine unkomplizierte, möglichst wenig anstrengende Methode gibt, um dem natürlichen Verfall der Leistungsfähigkeit unseres Gehirns etwas entgegenzusetzen; wer stets bemüht ist, geistig jung und fit zu bleiben (und im Übrigen auch jeder andere Mensch), sollte spätestens jetzt einen Moment innehalten und sich die Zeit nehmen, die folgenden Zeilen zu lesen.

Dabei geht es nicht nur um den Inhalt dieses Textes, denn: Lesen macht fit!

Lesen gefährdet die Dummheit!

Dass es dem Menschen nicht abträglich ist zu lesen, sollte für niemanden eine Überraschung sein. Das erklärt sich ganz von selbst: Wer liest, nimmt Informationen auf. Ob es sich dabei um einen Sachtext handelt oder um einen Science-Fiction-Roman, ist nur insofern ein Unterschied, als dass man unterschiedliche Arten von Informationen aufnimmt.

Während man sich beim Lesen eines Buches über Kräuterheilkunde bezüglich eben jenes Themas fortbildet, Neues lernt und sich dementsprechend selbst unterrichtet, entwickelt sich beim Lesen eines Liebesromans über eine Welt voller Feen und Kobolde unser Sprachzentrum weiter, indem man sich mit neuen Formulierungen vertraut macht, Wörtern, die man selbst im Alltag vielleicht selten verwendet, oder ansprechende Metaphern kennenlernt. Doch wer glaubt, dies sei schon alles, dem muss gesagt werden: Weit gefehlt!

Imaginäre Wirklichkeit = tatsächliche Wirklichkeit

Lesen trainiert unser Gehirn auf eine Weise, die Sie nun vielleicht doch noch überraschen könnte. Es sind schon etliche Studien durchgeführt worden, um einen Einblick in die Funktionsweise unseres wichtigsten und spannendsten Organs zu erhalten, und so hat es auch einige Menschen gegeben, die konkret die Auswirkung von Lesen aufs Gehirn erforscht haben.

2006 wurde beispielsweise eine Studie von Wissenschaftlern aus Spanien veröffentlicht, deren Probanden neben „gewöhnlichen“ Wörtern gezielt auch solche Wörter gezeigt wurden, die Gerüche beschrieben. In einer französischen Studie ging es um Ausdrücke, die Bewegungen beschreiben.

Das Ergebnis ist stets ähnlich: Liest ein Mensch zum Beispiel das Wort „Lavendel“, so regt sich jenes Zentrum im Gehirn, dass für Riechen zuständig ist. Bei „Treten“ oder „Werfen“ oder „Springen“ ist der Bereich aktiv, der – man kann es erahnen – für Bewegungen verantwortlich ist.

Keith Oatley, emeritierter Professor der Universität in Toronto, hat die Theorie entwickelt, dass Lesen eine farbprächtige, imaginäre Wirklichkeit vor unserem inneren Auge entstehen lässt, die – was das Gehirn angeht – der tatsächlich erlebten Wirklichkeit in nichts nachsteht. Wer sich also einen Text zu Gemüte führt, stimuliert sein Gehirn auf eine Weise, als wäre er tatsächlich auf einem Spaziergang durch eben jene Welt, in die er eintaucht.

Wichtig dabei ist: Die Wirkung des Lesens auf das menschliche Gehirn wird weiter verstärkt, wenn die Worte nicht über einen Bildschirm, sondern beispielsweise über ein Buch oder eine Zeitschrift aufgenommen werden. Hier kann sich das Hirn komplett auf die Wörter einstellen – am Bildschirm ist das Ablenkungspotential hingegen viel größer.

Lesen, lesen, lesen!

Zusammenfassend lässt sich jedoch eines mit Bestimmtheit sagen: Lesen ist eine großartige Sache. Diejenigen von Ihnen, die sich gern hin und wieder die Zeit nehmen, sich einen Roman oder eine Zeitung oder ein Lehrbuch vor die Nase zu halten, wissen das bereits.

Aber auch alle anderen sollten sich überlegen, ob sich die Lektüre nicht vielleicht irgendwo in den Alltag einbauen lässt. Welche angenehmere Methode könnte es geben zu „trainieren“, als bequem auf dem Sofa zu sitzen oder vor dem Schreibtisch und einfach die Augen den Rest tun zu lassen?

Wenn es sich dann zusätzlich noch um informative Sachtexte handelt, wird Ihnen Ihr Gehirn umso mehr danken – spätestens in zwanzig Jahren. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie auch in ihrem gesellschaftlichen Umfeld mit Ihrem Wissen brillieren können.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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