Leserfrage zu erfolgsabhängigen Bezahlungen bei Übernahme-Angeboten

In einem vorangegangenen Artikel schrieb ich Ihnen von der Ladbrokes Coral-Fusion mit GVC und der Konsolidierung in der Glücksspiel-Branche. Bei […] (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

In einem vorangegangenen Artikel schrieb ich Ihnen von der Ladbrokes Coral-Fusion mit GVC und der Konsolidierung in der Glücksspiel-Branche.

Bei dem Zusammenschluss wurde ein Contingent Value Right (CVR) ausgehandelt, das den Übernahme-Preis variabel gestaltet.

Je nachdem wie streng bestimmte Glücksspiel-Auflagen sein werden, fällt dann am Ende der Übernahme-Preis aus.

Ein Stammleser meines Börsendienstes Übernahme-Gewinner: AmericanTargets schrieb mir daraufhin eine Mail, um sich nach weiteren Details zu den CVRs zu erkundigen.

Er fragte sich, ob diese Art der Bezahlung häufiger vorkomme. Denn trotz über eines Dutzends an Übernahmen habe er noch nie von diesen CVRs gehört.

CVRs reduzieren das Risiko für den Käufer…

CVRs sind im Übernahme-Geschäft nicht alltäglich, aber auch nicht sehr selten.

Während es bei GVC und Ladbrokes Coral um den unklaren Ausgang einer kommenden Regulierung ging, welche die zukünftige Gewinnreihe des Fusions-Partners erheblich beeinflusst, ist eine erfolgsabhängige Bezahlung auch in anderen Gebieten sehr sinnvoll.

Befindet sich beispielsweise der Übernahme-Kandidat in einer Restrukturierung und es ist ungewiss, ob der eingeschlagene Kurs greift, dann ist der Einsatz eines CVRs für den Bieter von großem Vorteil.

Denn er muss dann nur mehr zahlen, wenn die Arbeit Früchte trägt. Das Risiko zu viel zu zahlen ist für den Bieter also geringer.

Ein einfaches Beispiel: Der Bieter vereinbart mit dem Übernahme-Kandidaten eine spätere Extra-Zahlung von 10 Mio. €, wenn der Umsatz bis zum 31.12.2018 um 10% steigt.

…und können eine Preisgarantie für den Übernahme-Kandidaten sein

CVRs werden auch bei Umtausch-Übernahme-Angeboten eingesetzt. In dem Fall profitiert dann nicht der Bieter, sondern der Übernahme-Kandidat.

Auch dazu ein Beispiel: Der Bieter vereinbart mit dem Übernahme-Kandidaten als Übernahme-Preis die Bezahlung von 3 Bieter-Aktien für 10 Aktien des Übernahme-Kandidaten.

Sollte der Aktienkurs der Bieteraktie bis zum Abschluss der Transaktion jedoch um 10% fallen, wird das Verhältnis auf 4 Bieter-Aktien für 10 Aktien des Übernahme-Kandidaten angepasst.

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CVRs erfreuen sich in der Biotech-Branche hoher Beliebtheit

Am häufigsten werden CVRs bei Übernahmen in der Biotech-Branche eingesetzt. Dort ist das Hauptproblem die Bewertung der Forschungs-Pipeline.

Nur echte Profis können grob abschätzen, wie groß die Erfolgs-Wahrscheinlichkeit eines Wirkstoffs wirklich ist und welches Umsatz-Potenzial sich daraus ableiten lässt.

Oft ist unklar, wie viel Wert ein Wirkstoffträger hat.

Und so kommt es bei Übernahmen im Biotech-Bereich auch dementsprechend oft zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Interessenten und dem Übernahme-Kandidaten.

Denn ist der Deal erst einmal unterschrieben, geht das Risiko eines Forschungs-Misserfolgs auf den Käufer über.

Wenn ein vermeintlicher Blockbuster sich dann als Niete herausstellt, kann es für den Bieter richtig teuer sein.

In keiner anderen Branche finden Sie CVRs daher bei Übernahmen so häufig im Einsatz.

Mit den CVRs wird Druck von dem Bieter genommen, da dieser nur dann zahlen muss, wenn die Forschung wirklich ein Erfolg ist.

Der Übernahme-Kandidat meint, dass er mehr wert ist? – Dann soll er es auch bitte beweisen!

Risikoteilung als Kompromiss bei festgefahrenen Verhandlungen

Im Grunde geht es also bei CVRs um die Risikoteilung zwischen Bieter und Übernahme-Kandidaten bei großen Unsicherheiten.

In der Zukunft liegende Ereignisse können entweder den Kaufpreis (Kursschwankungen bei Umtausch-Angeboten) betreffen oder die operative Entwicklung des Übernahme-Kandidaten (Neuausrichtung, Regulierung, Forschung) beeinflussen.

I. d. R. versucht der Übernahme-Kandidat über einen höheren Kaufpreis das komplette Deal-Risiko auf den Käufer abzuwälzen.

Bevor ein Deal jedoch scheitert, wird hin und wieder das Hilfsmittel CVR eingesetzt.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.