Liberalismus – Definition, Entwicklung & Formen

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Liberalismus ist ein viel genutzter und vielseitiger Begriff, doch was steckt wirklich dahinter – eine Definition. (Foto: cybrain / Shutterstock.com)


Überblick zum Liberalismus

Definition: Liberalismus von lat. liber – frei bzw. liberalis – die Freiheit betreffend

4 Grundpfeiler: Recht auf Selbstbestimmung, Beschränkung der politischen Macht, Freiheit gegenüber dem Staat, Selbstregulierung der Wirtschaft

Entwicklung: Aufbegehren gegen den Absolutismus, den Ständestaat

Begründer: Adam Smith (Wirtschaftsliberalismus), John Locke (Klassischer Liberalismus)

Formen: Klassischer -, wirtschaftlicher -, politischer -, sozialer Liberalismus, Neoliberalismus

In Deutschland durch die FDP vertreten.


Für Ökonomen, Philosophen und gesellschaftlich und politisch interessierte Menschen ist der Liberalismus in Deutschland ein spannendes Thema. Durch die Wahl der Freien Demokratischen Partei (FDP) können sich Bürger in Deutschland bewusst für die Gedankenströmung des Liberalismus entscheiden, was eine bewusste Auseinandersetzung mit diesem Thema noch wichtiger macht. Aus dem Sprachgebrauch ist der Begriff kaum wegzudenken, doch vielfach ist die sich dahinter verbergende Grundposition weniger bekannt.

Definition: Was ist Liberalismus?

Für die Definition des Liberalismus kann man verschiedene Ansatzpunkte wählen, da er in vielen Bereichen von Bedeutung ist. Der grundsätzliche Gedanke erschließt sich jedoch bereits bei einem Blick auf die Wortherkunft. Der Begriff Liberalismus beruht auf dem lateinischen Wort liber, welches übersetzt frei bedeutet. Das Adjektiv liberalis steht für freiheitlich oder die Freiheit betreffend.

Der Liberalismus ist eine Position, beziehungsweise eine Weltanschauung aus der Disziplin der politischen Philosophie, die während des 18. und 19. Jahrhunderts in Europa entstand. Er bezeichnet außerdem eine Bewegung, die eine politisch, ökonomisch und sozial freiheitliche Gesellschaftsordnung anstrebt. Individuelle politische, ökonomische und soziale Freiheit, Wettbewerb und Eigenverantwortung sind die gesellschaftspolitischen Ideale des Liberalismus.

Die Theorien des Liberalismus beruhen auf vier Grundpfeilern:

  • Recht auf Selbstbestimmung auf Basis von Vernunft und Einsicht
  • Beschränkung der politischen Macht
  • Freiheit gegenüber dem Staat
  • Selbstregulierung der Wirtschaft auf Basis des persönlichen Eigentums

Der Liberalismus stellt folglich das Individuum und dessen Freiheit in den Mittelpunkt. Ein jeder soll sich frei von Bevormundung durch den Staat, die Politik, die Wirtschaft oder soziale Zwänge entfalten können. Dabei wird besonders die Selbstverantwortung jedes Bürgers betont. Nach der Weltanschauung des Liberalismus gehen mit dem Eingreifen des Staates – der Fremdbestimmung – Freiheit und Wohlstand der Bevölkerung verloren.

Wie entwickelte sich der Liberalismus?

Der Liberalismus entwickelte sich aus der jahrhundertelangen geistigen, wirtschaftlichen und politischen Bevormundung der Bevölkerung durch den Staat.

Bereits während der sogenannten „Glourious Revolution“ in den Jahren 1688-1689 in Großbritannien begehrten die Menschen gegen den Absolutismus des Königshauses auf. Der Philosoph John Locke stellte in seinen Abhandlungen zu dieser Zeit das Recht auf Leben, Eigentum und Freiheit in den Mittelpunkt. Im Jahr 1700 bildete sich die erste Partei, die für politisch-wirtschaftlichen Liberalismus eintrat – die englische Whigs Party.

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts formierte sich eine Bewegung, die die Beschränkung der Macht des Staates forderte. Sie bestand aus aufstrebenden Mitgliedern des Bürgertums, das sich gegen den Ständestaat und den Absolutismus richtete. Niemand sollte aufgrund seines Standes bevorzugt oder benachteiligt werden. Stattdessen sollte Handelsfreiheit, freie Bildung und politische Mitbestimmung herrschen.

Zusätzlich wurden weitere Forderungen gestellt:

  • Die Durchsetzung der Menschenrechte
  • Die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz
  • Meinungs- und Gewissensfreiheit
  • Pressefreiheit

Gemeinsam mit dem Liberalismus entwickelte sich das Weltbild der Neuzeit. Die Kirche mit ihrer christlich geprägten Ordnung verlor nach und nach an Bedeutung. Die Wissenschaft trat weiter in den Mittelpunkt.

Wer ist der Begründer des Liberalismus?

Der gesellschaftliche Grundgedanke des Liberalismus wurde durch mehrere Personen geprägt. Auf philosophischer Ebene sind dies John Locke und Immanuel Kant, im Bereich Wirtschaft ist Adam Smith bedeutend.

Liberalismus Begründer Adam Smith
Der Schotte Adam Smith begründete den Wirtschaftsliberalismus. © Wikimedia Commons

Der Schotte lebte von 1723 bis 1790 und verstand sich als Moralphilosoph und Aufklärer. Adam Smith wurde durch sein Werk „Der Wohlstand der Nationen“ bekannt, das als die Grundlage der Ökonomie als Wissenschaft gilt. Anstelle der Natur tritt in diesem Text die Arbeit als Quelle und Maßstab des Wertes von Gütern. Auch der Begriff des freien Wettbewerbs als Pfeiler des ökonomischen Liberalismus wird von dem Philosophen geprägt. In den Abhandlungen stellt sich der freie Markt als das beste Steuerungselement der Wirtschaft heraus.

Adam Smith lehnt also die staatliche Regulation ab und bevorzugt eine freie Marktwirtschaft. Dazu gehören Aspekte wie die freie Preisbildung oder die Gewerbefreiheit. Er geht von einer unsichtbaren Hand aus, von der jeder Mensch beim Verfolgen seiner eigennützigen Ziele nach Wohlstand und Gewinn, geführt wird. So nützt der Einzelne nicht nur sich selbst als Individuum, sondern auch dem Wohle der gesamten Gesellschaft. Smith sah in den Menschen eine innere Triebfeder, die als Motor der Wirtschaft völlig ausreichend ist. Allein der persönliche Nutzen und der Wohlstand einer Person ist demnach ausreichend, um die Wirtschaft in Schwung zu halten und damit einer gesamten Nation zu dienen.

Welche Formen des Liberalismus gibt es?

Formen des Liberalismus

Klassischer Liberalismus

Die frühen Formen des Liberalismus werden als klassischer Liberalismus bezeichnet. Dieser entspringt den Werken der Philosophen John Locke, Immanuel Kant und dem wirtschaftspolitisch orientierten Adam Smith.

Verfassungsliberalismus

John Locke begründete in seiner Abhandlung über die Regierung das Recht auf Freiheit, Leben und Eigentum. Er definierte diese drei Grundprinzipien als Menschenrechte, welche in der Verfassung festgelegt wurden. So wurde die Staatsmacht auf die Bevölkerung beschränkt.

Wirtschaftlicher Liberalismus

Heute bestehen liberale Auffassungen in unterschiedlichen Bereichen, wie zum Beispiel der wirtschaftliche Liberalismus sowie der Neoliberalismus als Modelle der Wirtschaft. Dementsprechend soll der Staat nur minimal, wie etwa zur Bildung der Bürger (wirtschaftlicher Liberalismus), eingreifen oder hauptsächlich die Wirtschaft bzw. die Wettbewerbsbedingungen ordnen und regulieren (Neoliberalismus).

Nach dem Weltbild des Wirtschaftsliberalismus ist das Privateigentum, der freie Handel sowie der freie Wettbewerb die Voraussetzung für gesellschaftlichen Wohlstand. Genau das führte Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Das kapitalistische Wirtschaftssystem konnte sich entwickeln. Die Wirtschaft in privater Hand, der freie Wettbewerb und der freie Handel sind somit die Kernpunkte des wirtschaftlichen Liberalismus

Von dieser positiven Weiterentwicklung profitierte allerdings nur eine kleine Gruppe der Bevölkerung. Der überwiegende Teil war von Armut betroffen. Während des zweiten Weltkriegs sollte der Staat nach den Forderungen des Liberalismus die nötigen Bedingungen für den freien Wettbewerb schaffen. Die Regulierung der wirtschaftlichen Prozesse sollte den Wettbewerb möglich machen. Damit wandte man sich vom Ansatz der gänzlichen Selbstregulierung ab.

Neoliberalismus und Ordoliberalismus

Nach dem sogenannten Neoliberalismus sind Eingriffe des Staates in die wirtschaftlichen Prozesse dann gerechtfertigt, wenn sie dem sozialen Ausgleich dienen, den Markt fördern, die Bildung von Monopolen verhindern oder Schwankungen der Konjunktur ausgleichen. Der Ordoliberalismus verstand sich als die Freiburger Schule des Neoliberalismus. Er entstand im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Laut dieser Auffassung hat der Staat nicht nur die nötigen Voraussetzungen für eine funktionierende Wirtschaftsordnung zu treffen, sondern muss sie auch erhalten.

Politischer Liberalismus

Neben dem Wirtschaftsliberalismus hat auch der politische Liberalismus Bedeutung. Er geht auch den Philosophen John Rawls zurück. Das Ziel ist die Schaffung und Aufrechterhaltung der persönlichen Freiheiten jedes Menschen. Dazu zählen insbesondere die Glaubens- und Meinungsfreiheit. Diese können nach Rawls nur durch die Beschränkung der staatlichen Gewalt erreicht werden.

Staatliche Gewalt hat dort zu enden, wo die Freiheit des Einzelnen beginnt. Die Freiheit des Einzelnen endet wiederum dort, wo die Freiheit eines Anderen beginnt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Staat als solcher abgelehnt wird. Vielmehr wird ihm die Aufgabe übertragen, die Freiheit des Individuums durch die Schaffung der dazu notwendigen Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Dies kann beispielsweise in Form von Grundrechten und einer Verfassung geschehen.

Egalitärer Liberalismus

Auf den Grundwerten der Gleichheit und der Gerechtigkeit baut auch John Rawls Theorie des egalitären Liberalismus auf. Die allgemeinen Grundrechte sollten für jeden Menschen, ungeachtet seiner Herkunft oder Ähnlichem, garantiert sein. Die Schaffung von Ungleichheit ist nach Rawls nur dann gerechtfertigt, wenn sie den untersten Schichten der Gesellschaft dient.

Sozialer Liberalismus / Linksliberalismus

Der soziale- oder Linksliberalismus bezeichnet ein politisches Lager, das Liberalismus mit Politik des linken Lagers verbindet. Historisch sind die beiden heute synonym gebrauchten Begriffe jedoch nicht gleich. Während des 19. Jahrhunderts forderten linksliberale Parteien die radikale Durchsetzung der Freiheitsrechte gegenüber dem Staat und der Kirche. Erst seit dem vergangenen Jahrhundert orientierten sich die Vertreter am sozialpolitischen Gedankengut.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Liberalismus für die Schaffung größtmöglicher Freiheit für das Individuum steht – sowohl in politischer als auch ökonomischer Sicht.

Liberalismus in Deutschland

Der Liberalismus wird in Deutschland in seinen Grundzügen von der 1948 gegründeten FDP (Freie Demokratische Partei) vertreten. Die Partei vertritt wirtschaftsliberale Ideen, greift klassische Grundzüge auf und setzt sie auf verschiedenen Ebenen um.

Dazu gehören etwa:

  • Vereinfachungen des Steuerrechts
  • Verbesserung des Investitionsklimas durch Privatisierung, Deregulierung und Bürokratieabbau

Gesetze, die die Grundrechte der Bevölkerung bedrohen, werden von der FDP abgelehnt. Dazu gehört beispielsweise die Speicherung von Telefon-Daten. Eine Gesellschaft, in der so wenig wie möglich durch den Staat geregelt wird und der Staat nur eine regulierende Position einnimmt, ist die Basis des Liberalismus.

Einstellung zum Liberalismus in Deutschland

Liberalismus in den internationalen Beziehungen

Im Allgemeinen versteht man unter Internationalen Beziehungen (IB) die Beziehungen einzelner Staaten zueinander. Mittlerweile werden darunter außerdem die Beziehungen von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren, wie zum Beispiel Unternehmen auf transnationaler Ebene, verstanden. Dieses Fachgebiet befasst sich mit Studien der Politik, des Rechts oder der Wirtschaft auf globaler Ebene.

Die Analyseergebnisse werden genutzt, um die Beziehungen einzelner Staaten zueinander zu verbessern und Friedensverhandlungen voranzutreiben. Diese Zusammenarbeit muss nicht nur erhalten, sondern auch gepflegt und analysiert werden, um mögliche Konflikte zu lösen. Schließlich wirken sich politische Unstimmigkeiten auch auf die Bürger der betroffenen Länder aus. Wenn Konflikte gelöst werden, hat das auch immer positive Auswirkungen auf die Wirtschaft sowie die Lebensbedingungen der Bevölkerung.

In diesem Zusammenhang versteht sich der Liberalismus als ein Ansatz, der das Verhalten der politischen und wirtschaftlichen Akteure untersucht, analysiert und darin Gründe für Konflikte herausarbeitet.

Da die internationalen Beziehungen (IB) hauptsächlich innerhalb der Politikwissenschaft diskutiert werden, handelt es sich auch beim IB-Liberalismus um einen politischen Ansatz. Es gibt verschiedene Theorien, die zu erklären versuchen, wie Internationale Beziehungen zustande kommen bzw. wodurch sie geprägt sind.

Womit beschäftigen sich Internationale Beziehungen?

Die Theorie des Liberalismus stellt dabei vor allem die Akteure, ihre Motive, Präferenzen und Interessen in den Mittelpunkt. Laut dem IB-Liberalismus haben Staaten beispielsweise keine einheitlichen Vorstellungen über ihre Ziele und Interessen. Es wird die Freiheit des Einzelnen berücksichtigt, in diesem Fall die Freiheit der einzelnen Akteure zur Interessenbildung.

Die individuellen Vorstellungen und Interessen werden durch Gruppen, wie etwa demokratische Mehrheiten oder andere Interessensgruppen beeinflusst. Einzelne Faktoren, beispielsweise wirtschaftliche Ziele des Staates (Sicherheit, Wohlfahrt, …) werden dabei unterschiedlich gewichtet.

Weichen die Präferenzen, die die Staaten repräsentieren stark voneinander ab, ergibt sich Konfliktpotenzial, das nicht selten mit Gewalt verbunden ist. Der IB-Liberalismus liefert Theorien dazu, wodurch Internationale Beziehungen gefährdet sein können und wie sich diese Risiken verhindern lassen.

Prinzipiell muss dafür zunächst anerkannt werden, dass es unterschiedliche Interessen gibt, sogar innerhalb eines Staates. Im nächsten Schritt wird versucht, dieses Ungleichgewicht auszugleichen, sowohl innerhalb eines einzelnen Staates als auch zwischen verschiedenen Staaten.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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