Lieber auf die richtige Börsenstrategie als auf Vorhersagen setzen

Prognosen zur Börse liegen oft daneben – so auch in 2017 wieder. Wichtig ist daher vor allem eine gute Strategie. (Foto: dominic8 / Shutterstock.com)

Wetterprognosen, Wirtschaftsprognosen, Börsenprognosen – überall werden Anhaltspunkte gesucht, wie es weiter geht. Dabei gilt stets: Je weiter der Blick in die Zukunft geht, desto mehr wird sie zur Glaskugel. Dabei sind schon Prognosen von Unternehmen eine Basis für Bewertung von Aktien. Und in ihrer Gesamtheit dienen sie zur Prognose an der Börse.

Natürlich kommen noch viele weitere Faktoren hinzu, wenn Analysten und Institute mit ganzen Stäben und modellgestützten Berechnungen Börsenprognosen fürs kommende Jahr erarbeiten, an denen sich die Marktteilnehmer gerne orientieren. Die Welt sucht eben Halt in Vorhersagen. Dass sie schwierig sind, sagte schon Mark Twain: „…vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“.

Börsenprognosen auf wackeligen Beinen

Auch kommen wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Schluss, dass anstatt teuer erstellter Prognosen fachkundige Schätzungen ähnliche Ergebnisse hervorbringen. Ob sie zutreffen, zeigt sich wie immer im Nachhinein – bei der Diagnose.

Der Rückblick auf 2017 jedenfalls zeigt, dass viele Institute mit ihren Vorhersagen zu Ende 2016 daneben lagen. Die Spanne der Erwartungen war breit, allein schon weil der Brexit, Trumps Wahl zum Präsidenten, der Aufwind für Le Pen oder Geert Wilders in Europa sowie Massenflucht und Terrorgefahr für Unsicherheit sorgten. Entsprechend sahen die Banken im Durchschnitt einen Anstieg des Dax auf 11.500 Punkte voraus.

Die Hessische Landesbank Helaba ging damals vorsichtshalber mit drei Szenarien ins Rennen: Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit würde der Dax bis auf 12.000 Punkte steigen. Im schlechtesten Falle würde er bei der Wahl europafeindlicher Parteien auf 6.000 Punkte fallen. Am wenigsten wahrscheinlich wurde ein Anstieg auf 14.000 Punkte gesehen.

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Von diesem Ergebnis gingen wiederum die Behavioral Finance-Experten von Sentix Asset Management als ziemlich sicher aus. Die Deutsche Bank und die Commerzbank indes erwarteten einen Stand von 11.300 bzw. 11.700 Punkten. In Bezug auf den Dow Jones rangierten die Börsenprognosen zwischen 19.000 und 21.500 Punkten. Tatsächlich hat er die 24.000-er Marke überschritten und der Dax schoss bis November auf rund 13.400 Punkte, um danach um die Marke von 13.000 zu pendeln.

Ausblick und Überblick statt Vorhersage

Ein Punkt ist ohnehin wichtiger als der einseitige Blick auf Kursstände: Diversifizierung und Absicherung. Auf die richtige Strategie kommt es an. Auch für 2018 kursieren wieder zahlreiche Prognosen – von denen viele beim genauen Hinsehen eigentlich gar keine sind. Ganz einfach, weil sie sich im Spannungsfeld zwischen dem vermeintlichen Zwang zu einer präzisen Vorhersage und dem Zugeständnis an die Unwägbarkeit der Zukunft bewegen.

Viele Schlagzeilen sagen nicht mehr aus als das, was sich ein halbwegs informierter Anleger selbst zusammenreimen mag: Die Chancen auf weiteres Potenzial sind vorhanden. Wie hoch, wird sich an der Großwetterlage und den kommenden Quartalsergebnissen zeigen. Insgesamt könnte man es wie beim Wetterbericht halten: Klare Vorhersagen gelten für einen absehbaren Zeitraum, alles darüber hinaus ist ein vager Ausblick. Denn was nützt die beste Prognose, wenn sich die Zukunft nicht daran hält.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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