Luckin Coffee Aktie: Einstiegschance oder kalter Kaffee?

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China-Aktien standen zuletzt unter Druck. Hintergrund ist der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China, der immer weiter zu eskalieren scheint. (Foto: Tada Images / Shutterstock.com)

Nach deutlichen Kursrückgängen in den letzten Monaten gelten China-Aktien inzwischen wieder als günstig bewertet. Gerade deswegen fragen sich viele Anleger, bei welchen chinesischen Aktien man vielleicht schon zugreifen kann.

Ein Unternehmen, das wohl noch ganz am Anfang steht, ist Luckin Coffee. Die Luckin Coffee Aktie wird in Fachkreisen gerne als „chinesische Starbucks“ bezeichnet, denn das Unternehmen gilt als die führende Kaffeehauskette in China. Inzwischen notiert die Aktie nach dem Börsengang im Frühjahr 2019 (Emissionserlös: 561 Mio. US-$) wieder nahe dem Ausgabepreis von 17 US-$.

Luckin Coffee – Was steckt hinter der Aktie?

Luckin Coffee wurde Anfang 2018 von Jenny Zhiya Qian und Zhengyao Lu gegründet. Der Hauptsitz der Gesellschaft liegt in Xiamen/China. Luckin Coffee bietet verschiedene Kaffee-Sorten in seinen Kaffee-Häusern an, die speziell auf die Vorlieben chinesischer Verbraucher zugeschnitten sind.

Das Besondere an Luckin Coffee: Die Läden sind in der Regel klein (20 bis 60 qm) und eher für Abholer gedacht. Also für Konsumenten, die unterwegs einen Kaffee mitnehmen wollen. Zudem können die Einkäufe in der Regel nur mit dem Smartphone über die Luckin Coffee Mobile App bezahlt werden.

Daneben hat das Unternehmen ehrgeizige Wachstumspläne. Noch in 2019 will Luckin Coffee zum Marktführer aufsteigen. Hierfür betreibt Luckin Coffee bereits 3.000 Kaffeehaus-Niederlassungen in China, etwa 1.000 weniger als der US-Rivale Starbucks. Bis Ende 2019 sollen rund 4.500 Luckin Coffee Läden stehen.

Luckin Coffee in Zahlen

Luckin Coffee ist im letzten Jahr bereits stark gewachsen. In 2018 setzte die Kaffeehauskette 840,7 Mio. Yuan bzw. rund 125 Mio. US-Dollar um. Analystenhäuser kalkulieren für 2019 mit einem weiteren Umsatzsprung auf über 600 Mio. US-$.

Im 3. Quartal 2019 setzte Luckin Coffee 132,4 Mio. US-$ um, ein Zuwachs von rund 650 % gegenüber dem Vorjahr. Allerdings schrieb Luckin Coffee noch tiefrote Zahlen. Der operative Verlust erreichte im jüngsten Quartal rund 100 Mio. US-$.

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Kaffee-Markt mit Riesen-Potenzial in China

Nichtsdestotrotz hat der Kaffee-Markt in China enormes Potenzial. China gilt aufgrund seiner Kultur als Land der Tee-Trinker. Der durchschnittliche Konsument trinkt rund 6 Tassen Kaffee pro Jahr – in Deutschland sind es mehr als 700 Tassen, in Amerika im Schnitt 400.

Glaubt man einer Studie von Frost & Sullivan, soll der Kaffee-Markt in China in den nächsten Jahren im Schnitt um 26 % zulegen. In 2023 könnte der Markt ein Volumen von 25,5 Mrd. US-$ erreichen. Analysten trauen Luckin Coffee in den nächsten Jahren ein durchschnittliches Wachstum von 70 % pro Jahr zu.

Fazit: Luckin Coffee mit viel Wachstumsfantasie, doch Risiken bleiben

Die aktuelle Bewertung von rund 4,5 Mrd. US-$ beruht vor allem auf viel Wachstumsfantasie, die mit der Luckin Coffee Aktie verbunden ist. Anleger können damit rechnen, dass die chinesische Kaffeehauskette auch in den nächsten Jahren weiter kräftig investieren wird. Dadurch sind aber auch auf die nächsten Jahre anhaltende Verluste zu erwarten.

Konservativ orientierte Anleger, die wert auf profitables Wachstum legen, sind beim US-Konkurrenten Starbucks besser aufgehoben. Für Investoren, die hingegen das Risiko nicht scheuen, ist die Luckin Coffee Aktie durchaus einen näheren Blick wert, zumal das Unternehmen nicht nur geografisch expandieren will.

Laut Luckin Coffee Chefin ‎Jenny Zhiya Qian testet das Unternehmen inzwischen auch Tee-Produkte im Verkauf. Außerdem hat Luckin Coffee damit begonnen, Kaffee-Automaten in kleineren Bürogebäuden und Tankstellen aufzustellen, um auch dieses Geschäftsmodell zu testen.

Anleger, die sich für die Luckin Coffee Aktie interessieren, sollten nicht nur die Kosten, sondern auch den Umsatz pro Niederlassung im Auge behalten.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands