Lufthansa Aktie: Was bringt eine Übernahme von Norwegian?

Ob die Lufthansa-Aktie von einer Übernahme von Norwegian profitieren würde, ist sehr fraglich. Die Airline ist den Zahlen nach im Aufwind. (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Zur Simulation von Schwerelosigkeit gibt es in der Luftfahrt Parabelflüge: Erst geht es steil nach oben, dann wieder steil bergab. Ähnlich präsentiert sich der Verlauf der Lufthansa-Aktie seit einem Jahr.

Im August 2017 startete sie von ihrem Tiefpunkt bei rund 18,5 Euro durch, erreichte zum Jahreswechsel den Scheitelpunkt bei über 31 Euro und sackte bis kürzlich auf gut 20 Euro ab.

Umworbener Billigflieger

Kein anderes Papier ist letztes Jahr derart in die Höhe geschossen wie die Lufthansa-Aktie. Nach der Pleite von Air Berlin schien die Kranichlinie alles zu beherrschen. Dann aber sprang Easyjet in die Lücke und mauserte sich zum größten Anbieter in Berlin. Die Briten sind auf innerdeutschen und europäischen Strecken günstiger als die Lufthansa Tochter Eurowings. Auch Laudamotion, an der Ryanair beteiligt ist, hat sein Streckennetz ausgebaut.

Doch schon streckt Lufthansa ihre Fühler aus, um weitere Marktanteile abzugraben. Im Visier: Norwegian Air Shuttle. Die Norweger haben sich zur führenden Billigfluglinie entwickelt und wurden auch wegen ihrer günstigen Angebote nach Amerika bekannt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Lufthansa zum Zuge käme. Schließlich hat sich die IAG, Muttergesellschaft von British Airways und Iberia, mit ihrem Antrag bereits zweimal einen Korb geholt. Ryanair wiederum dementierte, ein Übernahmeinteresse. Entsprechende Meldungen gehen auf Norwegian zurück.

Als nun Lufthansa Chef Sport indirekt Interesse bekundete, sprang zwar das Papier von Norwegian an, doch die Lufthansa Aktie gab weiterhin nach. Kein Wunder, denn es ist fraglich, ob sich eine Übernahme lohnen würde. Zum einen müsste die Lufthansa nach den gescheiterten IAG-Offerten schon ein deutlich besseres Angebot machen. Zum anderen muss sich Norwegian finanziell erholen.

Mehrwert einer Übernahme nicht klar erkennbar

Der Erfolg bei den Fluggastzahlen beruht auf einer aggressiven Expansionspolitik der Norweger. Gerade bei den Amerika-Angeboten ist es ihnen gelungen, auch zunehmend Geschäftsreisende zu gewinnen. Die Airline hat ihr Steckennetz massiv ausgebaut  und letztes Jahr ihre Flotte vergrößert. Hinzu kam eine Serie teurer Triebwerksprobleme mit entsprechenden Ausfällen. Trotz gestiegener Umsätze verzeichnete die Bilanz einen Verlust von umgerechnet rund 190 Mio. Euro.

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Andererseits könnte das Grundkonzept durchaus zu Lufthansa passen: eine Mischung aus billiger Kurz- und Langstrecke. Wer zum Beispiel in die USA fliegen will, begibt sich erst mit dem Partner Easyjet nach Skandinavien, von dort aus geht es mit Norwegian weiter – alternativ von London aus. Auf nordischen und europäischen Kurzstrecken wiederum wird direkt mit Norwegian geflogen.

Bei einer Übernahme könnte die Lufthansa Tochter Eurowings den Zulieferpart von Easyjet übernehmen. Ob aber dann noch die attraktiven Preise zu halten sind, steht auf einem anderen Blatt. Zudem würde Lufthansa eine Firmengruppe kaufen, deren Struktur schwer zu überblicken ist. Norwegian ist ein ganzes Konglomerat aus Flugbetrieben.

Lufthansa Aktie startet wieder durch

Selbst in Argentinien wurde aus Kostengründen eine Tochtergesellschaft gegründet. Durch die Kombination verschiedener Standortvorteile werden Lohn- und Sozialstandards umgangen. Fraglich, wie dies bei der Lufthansa zu integrieren wäre. Schon mit der Boeing-Flotte passt Norwegian nicht so recht zur Unternehmenskultur. Das alles wäre unter Umständen weniger problematisch, wenn der langfristige Mehrwert klar erkennbar wäre.

Das wäre dann der Fall, wenn sich das Konzept der billigen Langstrecke bezahlt machen würde. Norwegian hat sich hier zwar einen Ruf aufgebaut, doch an billigen Amerika-Angeboten sind schon frühere Anbieter gescheitert. Alles in allem bleibt ein dickes Fragezeichen.

Die Lufthansa Aktie-wird sich nach der übermäßigen Kurskorrektur früher oder später wohl auch so erholen. Mit einem KGV von 4,65 ist sie ein Schnäppchen. Der positive Trend bei Passagierzahlen und der Auslastung setzt sich nach einem guten ersten Halbjahr offensichtlich fort.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.