Lyft nach dem Börsengang – Zeit zum Einstieg?

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Die Lyft-Aktie sorgt für Wirbel. Nach einem furiosen Börsenstart ist die Euphorie zunächst verflogen. Was erwartet Anleger? (Foto: Tero Vesalainen / shutterstock.com)

Der Börsengang von Lyft und dessen Rivalen Uber sorgen derzeit an der Wall Street für viel Wirbel. Während Lyft Ende März den Sprung aufs Börsenparkett wagte, steht der Börsengang von Uber in den nächsten Wochen noch bevor.

Lyft ist ein wichtiger Stimmungsindikator für die gesamte Ridehailing-Branche (Mitfahrdienste), die Investoren schon seit Jahren in ihren Bann zieht. Kaum ein anderes Unternehmen hat als private Gesellschaft mehr Geld einsammeln können wie Uber und Lyft – jetzt kommen beide Unternehmen an die Börse.

Lyft nach dem Börsengang: Das können Anleger erwarten

Die Euphorie unter den Anlegern war groß. Lyft hat seine Aktien mit 72 US-$ am oberen Ende der Preisspanne platzieren können. Insgesamt wurden mehr als 30,7 Mio. Lyft-Aktien (Klasse A) an die Investoren verkauft, womit Lyft über 2,1 Mrd. US-$ aus dem Börsengang erlösen konnte.

Nach einem fulminanten Börsenstart rutschte die Lyft-Aktie jedoch bereits am zweiten Handelstag unter den Ausgabepreis von 72 US-$. Investment-Profis fürchten weitere Kursrückgänge, denn Lyft schreibt nach wie vor tiefrote Zahlen und die Bewertung des Mitfahrdienstes ist mit über 23 Mrd. US-$ sehr ambitioniert.

Lyft in Zahlen

Zwar hat Lyft seinen Umsatz in 2018 auf 2,1 Mrd. US-$ verdoppelt und 30,7 Mio. Mitfahrten durch 1,9 Mio. Fahrer abgewickelt, doch am Ende stand noch ein Nettoverlust von 911 Mio. US-$ zu Buche.

Und ein Ende der Verlustserie ist nicht in Sicht. Das in 2012 von John Zimmer und Logan Green gegründete Unternehmen erwartet auch für 2019 ein dickes Minus – insgesamt 1,2 Mrd. US-$. Erst in 2022 soll die Gewinnschwelle erreicht werden, ein Jahr später soll die in San Francisco ansässige Lyft dann profitabel sein.

Warum Lyft immer noch Geld verliert

Viele Anleger fragen sich, warum Lyft so viel Geld verliert. Zwar boomt der Markt für Mitfahrdienste – allein in den USA geben Haushalte mehr als 1,2 Billionen US-$ pro Jahr für Personenbeförderung aus – doch das Geschäft ist schwierig.

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Zum einen ist die Konkurrenz in diesem Mark sehr groß. So ist Lyft mit einem Marktanteil von 39 % in den USA nur die Nr. 2 im Markt hinter Uber. Allerdings konnte Lyft dank hoher Investitionen seinen Marktanteil in den letzten Jahren deutlich steigern (Marktanteil 2016: 22 %). Daneben konkurriert Lyft auch noch mit klassischen Taxi-Diensten.

Derzeit ist Lyft in 300 Märkten in den USA und Kanada aktiv, künftig soll weiter expandiert werden – das kostet Geld. Insbesondere die regulatorischen Hürden in jeder Stadt zu umschiffen, stellt Lyft immer wieder vor Herausforderungen. Teuer sind insbesondere die Versicherungen, die Lyft abschließen muss, um sein Geschäft abzusichern. Diese summieren sich umgelegt auf 1 US-$ pro Fahrt bzw. bis zu 30 % des Umsatzes.

Fazit: Lyft operiert in einem spannenden Zukunftsmarkt, doch Risiken bleiben

Je stärker Lyft derzeit expandiert und desto mehr Kunden der Mitfahrdienst auf seine Plattform holt, desto mehr Geld verliert das Unternehmen. Branchenbeobachter sehen jedoch einen Ausweg. Wenn das Unternehmen eines Tages auf autonome Elektroautos umstellt, könnte Lyft seine Lohn- und Betriebskosten stark senken.

Dennoch sollten sich Anleger nicht vom IPO-Hype rund um Lyft und Uber verrückt machen lassen. Der Markt für Mitfahrdienste (Ridehailing) bietet zwar in den nächsten Jahren enorme Wachstumschancen, allerdings müssen Anleger auch beachten, dass sowohl Lyft als Uber noch tiefrote Zahlen schreiben.

Zudem ist noch ungewiss, ob und wann Lyft seine in Aussicht gestellten Gewinnmargen von 20 % und mehr erreichen kann. Dieses Ziel kann in 3 bis 5 Jahren, aber erst in 10 Jahren erreicht werden. Anleger, die in Lyft und Uber investieren, müssen in jeden Fall viel Geduld mitbringen.

Langfristig bietet die Branche sicherlich großes Potenzial, da immer mehr Menschen in Großstädten auf ein eigenes Auto verzichten und stattdessen auf Mitfahrdienste setzen. Dennoch ist die Lyft-Aktie nur für sehr risikobewusste Anleger interessant, die auch mit Kursrücksetzern leben können.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands