Lyft plant Börsengang – das müssen Anleger wissen

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Lyft plant laut US-Medien den Gang an die Börse und könnte damit dem großen Rivalen Uber zuvor kommen. (Foto: Tero Vesalainen / shutterstock.com)

Schon im Vorjahr wurde bekannt, dass der führende Mitfahrdient Uber einen Börsengang anstrebt. Den gleichen Weg will nun offenbar auch der direkte Konkurrent Lyft einschlagen.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg jüngst berichtete, soll Lyft den Berater Class V Group angeheuert haben, um einen Börsengang vorzubereiten. Glaubt man dem US-Medienbericht, könnte der Börsengang von Lyft schon März bzw. im April 2019 stattfinden. Damit könnte Lyft den großen Branchenprimus Uber die Show stehlen und sich noch früher Kapital an der Börse besorgen als der große Konkurrent.

Lyft-Sprecherin Alexandra LaManna bestätigte die Börsenpläne nur indirekt, wonach mehrere Faktoren die Entscheidung noch beeinflussen. Für Anleger stellt sich dennoch die Frage, ob sich ein Mitmachen beim Lyft-Börsengang lohnt. Dazu ein näherer Blick auf das Unternehmen.

Lyft Börsengang – das steckt hinter dem Unternehmen

Lyft ist derzeit die Nummer 2 unter den Mitfahrdiensten in Amerika mit einem Markanteil von etwa 35 % (Stand: Juni 2018). Genau wie Uber hat Lyft seinen Hauptsitz in San Francisco.

Das Unternehmen Lyft wurde Mitte 2012 von Logan Green und John Zimmer gegründet, wobei Green den Mitfahrdienst als Firmenchef (CEO) führt. Lyft bietet eine mobile Anwendung (App) für das iPhone als auch für Android an, über die Kunden Mitfahrten bei Lyft buchen können.

Über die App werden freie Lyft-Fahrer mit Passagieren vermittelt. Damit steht Lyft in direkter Konkurrenz mit anderen Mitfahrdiensten, aber auch mit traditionellen Taxi-Unternehmen.

Lyft in Zahlen

Lyft ist in mehr als 300 US-Städten aktiv, darunter in New York, San Francisco und Los Angeles. Inzwischen ist Lyft auch nach Kanada expandiert. Anfang 2018 wurde bekannt, dass Lyft bereits 23 Mio. Nutzer zählt, die bereits eine Lyft-Mitfahrt bei dem Unternehmen gebucht haben – ein Zuwachs von 92 % gegenüber dem Vorjahr.

In 2017 hat Lyft 375,5 Mio. Mitfahrten vermittelt, ein Zuwachs von 130 % gegenüber dem Vorjahr. Pro Tag vermittelt Lyft damit im Schnitt mehr als 1 Mio. Mitfahrten. Insgesamt verzeichnete Lyft zuletzt über 1,4 Mio. Fahrer, die für Lyft arbeiten. Im Jahr 2017 erzielte Lyft einen Umsatz von rund 1,0 Mrd. US-$, dürfte dabei aber wie in den Jahren zuvor noch rote Zahlen geschrieben haben. Im Jahr 2016 hatte Lyft bei einem Umsatz von 708 Mio. US-$ einen Verlust von 606 Mio. Dollar eingefahren.

Nach der jüngsten Finanzierungsrunde in Höhe von 600 Mio. US-$ wurde Lyft Mitte 2018 mit rund 15,1 Mrd. US-$ bewertet. Insgesamt hat Lyft seit seiner Gründung bereits Venture-Kapital im Volumen von 5,1 Mrd. US-$ eingesammelt.

Fazit: Lyft-Börsengang nichts für schwache Nerven

Der Lyft-Börsengang dürfte einer der größten Tech-Börsengänge im nächsten Jahr werden, wenn der Mitfahrdienst tatsächlich den Sprung aufs Börsenparkett wagt. Denn bereits Mitte 2018 wurde Lyft mit rund 15,1 Mrd. US-$ bewertet. Im Zuge des Börsengangs müssen Anleger mit einer ähnlichen bzw. noch höheren Bewertung rechnen.

Sowohl Uber als auch Lyft gelten derzeit als unprofitabel, wobei allein der Branchenprimus Uber im Jahr 2017 einen Verlust von 4,5 Mrd. US-$ einfuhr – dies zeigt, wie schwierig der noch junge Markt für Mitfahrdienste ist. Analysten erwarten von Lyft im Zuge des Börsengangs eine weitere internationale Expansion, die zunächst weiteres Geld kosten dürfte. Mit einem schnellen Sprung in die Gewinnzone sollten Anleger eher nicht rechnen.

Der Lyft-Börsengang ist daher nichts für schwache Nerven und nur für äußerst risikofreudige Anleger geeignet. Das Beispiel des Snap-Börsengangs zeigt, dass nicht jedes wachstumsstarke Unternehmen automatisch ein Erfolg wird. Zwar gelang der Börsenstart – die Snap-Aktie stieg am ersten Handelstag um über 44 % – heute notiert das Papier aber deutlich unter dem damaligen Ausgabepreis von 17 US-$.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands