Mäßiges Wirtschaftswachstum: China gibt nicht auf

China Wirtschaftswachstum leidet unter dem Handelsstreit mit dem USA. Steuersenkungen und neue Allianzen sollen für frischen Schub sorgen. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

„Wenn es China gut geht, hat die ganze Welt etwas davon.“ Damit hatte Kanzlerin Merkel vor zwei Jahren natürlich auch die deutsche Exportwirtschaft gemeint. Denn sobald Chinas Wirtschaftswachstum schwächelt, geraten deren Zuwachspläne ins Wanken. Damals hatte China mit 6,7 % die kleinste Wachstumsrate seit 26 Jahren erreicht. 2017 zog sie dann wieder auf 6,9 % an, was Anfang dieses Jahres für Beruhigung sorgte.

Handelsstreit mit USA hinterlässt Spuren

Doch Mitte Oktober gaben sich die Aktienmärkte geschockt. Chinas Wirtschaftswachstum wurde im dritten Quartal 2018 auf 6,5 % nach unten korrigiert. Der wichtigste Aktienindex in Festlandschina, der Shanghai Composite erreichte ein neues Jahrestief: 30 % unter dem Jahreshöchststand. Nicht anders sah es an der Börse von Shenzen aus, wo vorwiegend Technologiefirmen notiert sind. Auch der Hang Seng China Enterprise Index blieb nicht verschont. Hauptverlierer waren etwa der Online-Konzern Tencent sowie der Autobauer Great Wall Motors sowie Air China.

Zur Geschäftsentwicklung passte diese Ausverkaufstimmung nicht so recht. Es war vielmehr die Furcht, es könne weiter bergab gehen angesichts des anhaltenden Handelsstreits mit den USA. Natürlich sind die Zeiten zweistelliger Raten beim Wirtschaftswachstum längst vorbei und China hat sich von der Rolle als Werkbank der Welt verabschiedet. Doch das Gerangel um Strafzölle hinterlässt erste deutliche Bremsspuren.

Steuerreform soll Chinas Wirtschaftswachstum schieben

Dabei treten auch Schwachstellen in den Vordergrund wie die hohe Verschuldung chinesischer Unternehmen und die vielen faulen Kredite der Banken durch die großzügige Vergabe von Darlehen. Kaum aber waren die mageren Zahlen des Wirtschaftswachstums veröffentlicht, ging China in die Offensive und kündigte für 2019 ein Konjunkturprogramm an: Steuer- und Abgabensenkungen in Höhe von mindestens 1 % des Bruttoinlandsprodukts. Erleichterungen von mindestens 103,6 Mrd. Euro sollen der Wirtschaft neuen Schub verpassen.

An den Börsen kam die Nachricht gut an. Die großen Indizes legten wieder etwas zu. Auch der japanische Nikkei profitierte davon. Und nur drei Tage später durfte die Welt erstaunt zur Kenntnis nehmen, wie sich Chinas Parteiführer Xi Jinping und Japans Regierungschef Shinzo Abe die Hände reichten und eine Reihe von Kooperationsverträgen unterzeichneten. Was zuvor wegen der seit 40 Jahren angespannten Beziehungen als schier undenkbar galt, wurde wegen Donald Trumps Tiraden gegen Freund und Feind zur neuen Realität. Er hatte zuvor Japan massiv unter Druck gesetzt, seine Exportüberschüsse in die USA zu reduzieren.  

Während Trump an den Stützen der bewährten Welthandelsordnung sägt, bilden sich neue Allianzen. Die beiden Staatschefs hatten sich unter anderem auf eine Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten in Drittländern verständigt. Das bedeutet nichts anders, als dass sich Japan nun auch an Chinas Renommierprojekt der „Neuen Seidenstraße“ beteiligen dürfte. Außerdem wurde ein erweiterter Währungstausch über rund 22 Mrd. Euro vereinbart, falls es zu Finanzkrisen kommen sollte.

Chinesische Aktienkultur als unzuverlässiger Indikator

Aus chinesischer Sicht kommt dies einer verstärkten Anerkennung der eigenen Währung gleich und schwächt die Stellung der US-Dollar als Weltleitwährung. Auch wenn Japan schon wegen seines Hauptverbündeten USA sehr vorsichtig agieren muss, so sind dies für Anleger positive Signale. China abzuschreiben wäre schlicht zu früh.

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Bei alledem: Chinesische Aktien sind ein vergleichsweise schlechter Indikator für die weitere Entwicklung. Statistiken zufolge werden sie zu 90 % von Kleinanlegern gehalten. Und die agieren weniger professionell als Institutionelle. Zudem sind chinesische Anleger sehr kurzfristig orientiert. Ein halbes Jahr Haltedauer gilt in China bereits als Langfristinvestment. Die ist auch einer der Gründe, warum es häufig zu starken Ausschlägen kommt.

Wer sich für eine chinesische Aktie mit Potenzial interessiert, sollte sich zum Beispiel die Aktie von Haier anschauen. Der weltweit größte Haushaltsgerätehersteller ging dieser Tage in Deutschland an die Börse. Die Aktie ist nun auch an der deutsch-chinesischen Plattform Ceinex der Börse Frankfurt notiert und wird dort in Euro gehandelt. Haier, das vor zwei Jahren die Hausgeräte-Sparte von General Electric gekauft hatte, verabschiedet sich derzeit vom Image einer Billigmarke. Umsätze und Gewinn sind zuletzt um gut 20 % gestiegen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.