Mario Draghi: Porträt über „Mr. Euro“

Mario Draghi polarisiert und hat in seiner beruflichen Laufbahn schon viele Krisen gemeistert. Als EZB-Vorstand manövriert er durch die Eurokrise. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Mario Draghi steht seit seiner Amtseinführung als Präsident der Europäischen Zentralbank am 01. November 2011 regelmäßig in der Kritik. Er leitete im Juli 2012 zwar die Wende der Eurokrise ein, handelt an der Spitze der EZB aber zum Teil recht eigenmächtig und sorgt so für Diskussionen.

Dabei kennt sich Draghi mit europäischer Finanzpolitik gut aus – so hat er schon der Banca d’Italia durch die Schuldenkrise geholfen und bereits davor in diesem Bereich gewirkt.

Mario Draghi: Bankenerfahren und Krisenerprobt

Geboren wurde der studierte Wirtschaftswissenschaftler Mario Draghi 1947 in Rom und lehrte dieses Fach sogar an verschiedenen Universitäten in Italien. Von 1984 bis 1990 war er Direktor der Weltbank und arbeitete anschließend für das italienische Finanzministerium.

Zahlreiche Regierungen scheiterten in seiner Zeit bis 2001, Draghi blieb seiner Position die gesamte Zeit treu. Vom Finanzministerium ging es für ihn zu Goldman Sachs und von dort über die Banca d’Italia zur EZB.

Der „Draghi-Effekt“  – oder auch die Wende der Eurokrise

Einen seiner bedeutendsten Momente bei der EZB hatte Draghi am 26. Juli 2012, als er während einer Rede zur Eurokrise versicherte, alles was nötig ist zu unternehmen, um den Euro zu retten, im Notfall auch Staatsanleihen durch die Zentralbank zu kaufen. „Whatever it takes“ waren seine Worte, die die Wende der Krise ankündigte und die nun als „Draghi-Effekt“ bekannt sind.

Griechenland war damals kurz vor der Staatspleite und der Fortbestand des Euros stand auf dem Spiel. Draghis Einschreiten hat damals zur Rettung des Euros beigetragen, denn schon seine Ankündigung half die Märkte zu beruhigen und das Schlimmste zu verhindern.

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Als Präsident der EZB bleibt Draghi sich treu

2015 begann dann tatsächlich der Ankauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren durch die EZB unter Draghis Führung, trotz großer Widerstände nationaler Banken und der Bundesbank. Schon in seiner Dissertation vertrat Draghi die Position, dass Zentralbanken in Krisen eine aktive Rolle übernehmen müssen und dieser Spur ist er treu geblieben.

Bis Ende 2017 sollen die Investitionen an den Finanzmärkten mindestens noch anhalten. 60 Mrd. € werden monatlich ausgegeben, um den Euro und die Konjunktur zu stützen.

„Mr. Euro“ noch bis 2019 bei der EZB

Kritiker bemängeln das eigenmächtige und nicht mehr unabhängige Handeln der EZB. dabei steht auch Draghi immer wieder am Pranger und wird als Symbolfigur des Kapitalismus gesehen, der seine Kompetenzen überschreitet.

Seine gesamte Amtszeit war bisher von diesem Dilemma geprägt – den Euro zu retten und dafür als Handlanger der Politik bezeichnet zu werden, oder nichts zu tun und das Aus des Euros zu riskieren. Sein aktives Handeln mit unkonventionellen Methoden zur Rettung der gemeinsamen Währung hat ihm den Spitznamen „Mr. Euro“ eingebracht. Bis Oktober 2019 wird Draghi noch an der Spitze der EZB stehen, dann endet seine Amtszeit.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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