Medigene-Aktie – ist der Hype gerechtfertigt?

Ist die Medigene-Aktie auch für Privatanleger interessant oder nur ein Zocker-Papier? (Foto: Denis Linine / Shutterstock.com)

Das bei Martinsried nahe München ansässige Biotech-Unternehmen Medigene gilt als der große Hoffnungsträger der deutschen Biotech-Szene. Seit der Ankündigung der strategischen Kooperation mit dem amerikanischen Gentechnik-Spezialisten bluebird bio im Herbst 2016 kennt die Medigene-Aktie  praktisch nur eine Richtung: nach oben.

Allein in den letzten 6 Monaten legte der Kurs von rund 7 € auf kurzzeitig über 14 € im Januar 2017 zu. Mit eine Ursache für den rasanten Kursanstieg dürfte die Kooperation mit bluebird sein, wodurch Medigene nicht nur eine Vorabzahlung von 15 Mio. US-$ winkt, sondern potenzielle Meilensteinzahlungen im Volumen von über 1,0 Mrd. US-$ samt einer Umsatzbeteiligung an den Nettoverkaufserlösen.

Doch für Anleger stellt sich die Frage: Ist der Hype rund um die Medigene-Aktien gerechtfertigt?

Medigene-Aktie – Der Hype um das Thema T-Zell-Rezeptoren

Hintergrund der Euphorie rund um die Medigene-Aktie ist auch der aktuelle Hype rund um das Thema T-Zell-Rezeptoren, den sogenannten TCRs. Auch Medigene forscht an dieser Immuntherapie zur Krebsbekämpfung.

Die Idee hinter diesem Gentechnik-Konzept: Die körpereigenen T-Zellen des Patienten sollen mit tumorspezifischen TCRs so angereichert werden, dass das Immunsystem selbst in der Lage ist, Krebszellen zu entdecken und zu zerstören.

Der Vorteil dieses Therapiekonzepts: Sollte es gelingen, mit nur einer Gentherapie den Krebs zu besiegen, wäre das Marktpotenzial gewaltig. Langwierige Behandlungen mit Chemotherapien und teuren Krebsmedikamenten könnten überflüssig werden.

Auch die Konkurrenz forscht eifrig an der T-Zell-Therapie

Doch noch ist dies Zukunftsmusik, die T-Zell-Konzepte befinden sich noch im Forschungsstadium. Weder Medigene-Partner bluebird, noch andere T-Zell-Spezialisten wie Kite Pharma, Juno Therapeutics oder Celyad haben bislang ein vermarktungsfähiges Produkt auf den Markt gebracht.

Einzig Kite Pharma und Novartis stehen mit ihren CAR-T-Zell-Therapien im Bereich der Akuten lymphatischen Leukämie (ALL) vor der Marktzulassung. T-Zell-Spezialisten wie Kite Pharma und Juno Therapeutics, die bereits ein Gentechnik-Konzept in der klinischen Phase III testen, werden an der Wall Street bereits mit mehr als 2 Mrd. US-$ bewertet.

Im Vergleich hierzu scheint die Bewertung von Medigene mit rund 250 Mio. € als relativ niedrig – dies dürfte mit ein Grund für den derzeitigen Höhenflug der Medigene-Aktie sein.

Medigene-Pipeline steckt noch in den Kinderschuhen

Anleger sollten jedoch beachten, dass Medigene mit seiner TCR-Forschung erst am Anfang steht. Die TCR-Projekte von Medigene sollen erst im zweiten Halbjahr 2017 bzw. im zweiten Halbjahr 2018 anlaufen (siehe Pipeline, Bild unten).

Medigene Pipeline

Medigene Pipeline, Quelle: Medigene

Dies bedeutet: Noch liegen keine belastbaren bzw. finalen Daten über die Verträglichkeit und die Wirksamkeit der T-Zellen-Therapie von Medigene vor, die eine Marktzulassung rechtfertigen würden.

Vielmehr kann es noch Jahre dauern, bis Medigene seine T-Zellen-Therapie zur Marktreife entwickelt hat. In dieser Zeit drohen dem Unternehmen weitere Verluste durch die kostenintensive Forschung.

Fazit: Medigene eher für spekulativ orientierte Anleger interessant 

Medigene verfolgt mit seiner T-Zell-gerichteten Immuntherapie einen disruptiven Ansatz in der Krebsbekämpfung. Die Kooperation mit bluebird bio ist zudem wie ein Ritterschlag für das Münchner Biotech-Unternehmen anzusehen, gilt bluebird mit mehreren Wirkstoffkandidaten (LentiGlobin, BB2121 etc.) in der klinischen Erprobung als eines der weltweit führenden Unternehmen in der Gentechnik.

Noch aber fehlen bei Medigene wirklich belastbare Daten aus der klinischen Testphase, um auf eine baldige Marktzulassung der T-Zell-Therapie zu spekulieren.

Ferner sollten Anleger bedenken, dass statistisch gesehen mehr als 90 % aller potenziellen Krebsmedikamente bereits in der klinischen Testphase scheitern und nie eine Marktzulassung erreichen (Quelle: National Cancer Institute).

Anleger sollten daher mit einer gewissen Skepsis an ein mögliches Investment an die  Medigene-Aktie herangehen und das Papier eher als spekulative Beimischung im Depot betrachten.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands