Mehr Ethik und Demokratie in der Wirtschaft

Rücksichtslosigkeit, Verantwortungslosigkeit, Konkurrenz-Bekämpfung und Gier herrschen in den Wirtschafts-Systemen vor – und werden sogar noch vom den Märkten belohnt.

Dabei sind Gewinnstreben und Konkurrenz-Bekämpfung zur Maxime erhoben worden.

Das Allgemeinwohl bleibt dagegen auf der Strecke – Zeit also für ein anderes Wirtschafts-System!

Der Unternehmens-Berater Paul Ettl und der Publizist Christian Felber, der an der Wirtschaftsuniversität Wien Alternative Ökonomie lehrt, initiierten eine solche neue Wirtschafts-Ordnung:

die sogenannte Gemeinwohl-Ökonomie.

Mehr Ethik und Demokratie in der Wirtschaft

Diese hat eine humanere, sozialere, ökologischere und demokratischere Ökonomie zum Ziel – und zwar mit einem ganzheitlichen Ansatz, der Folgende miteinander verbindet:

  • Wirtschaft,
  • Ethik,
  • Demokratie,
  • Gender
  • und Ökologie.

Sie wissen bereits, dass diese schon in einigen europäischen Regionen und Unternehmen erfolgreich umgesetzt wurde und dass sich selbst die EU damit beschäftigt.

Mehr Bürger-Beteiligung

Die voran genannten Komponenten könnten von den Bürgern in einem Beteiligungs-Prozess selbst definiert werden. Natürlich fragen Sie sich jetzt, wie das gehen soll.

Die Initiatoren der neuen Wirtschafts-Ordnung sehen das so: Schon heute würde im Kleinstaat Bhutan das Bruttosozial-Glück erhoben.

Die OECD hätte den Better Life Index entwickelt und die UN gebe seit 2012 einen World Happiness Report heraus.

Das Gemeinwohl-Produkt sei ein demokratischer Wohlfahrts-Index. Steige dieses, sei die Verbesserung wesentlicher Aspekte von Lebensqualität gewiss.

Ein Anstieg des BIP garantiere hingegen keine Verbesserung eines dieser Indikatoren.

Die unternehmerische Gemeinwohl-Bilanz

Nach der neuen Wirtschafts-Ordnung wird der Erfolg eines Unternehmens über seinen Beitrag zum Gemeinwohl bemessen – und zwar anhand einer Gemeinwohl-Bilanz.

Diese bemisst, in welchem Umfang das Unternehmen die Verfassungs-Werte umgesetzt hat: hinsichtlich

  • Menschenwürde,
  • Solidarität,
  • Gerechtigkeit,
  • Nachhaltigkeit
  • und Demokratie.

So soll der Gemeinwohl-Beitrag eines Unternehmens bemessen werden

Bemessen wird der Gemeinwohl-Beitrag der einzelnen Firmen u. a. nach diesen Kriterien:

  • Wie sinnvoll ist das Produkt, die Dienstleistung?
  • Wie ökologisch wird produziert, vertrieben und entsorgt?
  • Wie human sind die Arbeits-Bedingungen? Werden Frauen und Männer gleich behandelt und bezahlt?
  • Wie werden die Erträge verteilt?
  • Wer trifft die Entscheidungen?
  • Wie kooperativ verhält sich das Unternehmen auf dem Markt?

Insgesamt sind es 17 Indikatoren, die mit Punkten bewertet werden. Und das ist erst der Anfang…

So könnten Sie als Kunde Informationen über die Gemeinwohl-Bemessung der Unternehmen erhalten

Ob und wie ein Unternehmen gemeinwohlfreundlich ist bzw. wie es bei der Bewertung abgeschnitten hat, könnten Sie so erfahren:

Neben den Strichcodes auf dem Produkt könnte das jeweilige Ergebnis in einer farblich unterscheidbaren Ampel aufgedruckt werden.

Wenn Sie mit Ihrem Handy über diesen Code streichen, erscheint dann die gesamte Gemeinwohl-Bilanz.

So würden Sie alles über die Entstehungs-Bedingungen- und Umstände des Produkts erfahren, um selbst ethisch zu entscheiden, ob Sie es erwerben wollen oder nicht.

Gleichzeitig hätte damit die Marktwirtschaft das Grundversprechen nach umfassender Information erfüllt.

11. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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