Mehr Überschüsse: Staatsschulden in 2018 deutlich gesunken

Die Staatsschulden Deutschlands sind in 2018 unter die 2 Bio. Euro-Marke gefallen. Auch die Aussichten für die nächsten Jahre sind gut. (Foto: travelview / shutterstock.com)

Deutschland hat die Staatsschulden des öffentlichen Gesamthaushaltes im nicht-öffentlichen Bereich im Jahr 2018 stark reduzieren können. Was sperrig klingt, ist eigentlich ganz einfach:  Rund 46 Mrd. Euro Schulden konnten Bund, Länder und Kommunen im ersten Halbjahr 2018 abbauen und somit ihre Verbindlichkeiten bei Kreditinstituten und privaten Unternehmen begleichen.

Der gesamte Schuldenberg der Bundesrepublik wurde um 2,3 Prozent auf 1.934,4 Mrd. Euro reduziert. Die Staatsschulden liegen in Deutschland im Jahr 2018 somit das erste Mal seit 2010, wo eine neue Berechnungsgrundlage eingeführt wurde, unter der Marke von 2 Bio. Euro.

Bund, Länder und Kommunen haben gemeinsam zur niedrigeren Gesamtverschuldung beigetragen

Dass diese hohe Schuldenreduktion in so kurzer Zeit möglich war hat verschiedene Gründe. So haben die Länder sehr ausgabenbewusst agiert und konnten sogar noch mehr Geld einsparen als der Bund.

Für die Länder bedeutet dies konkret einen Schuldenabbau von 21,4 Mrd. Euro, also eine Abnahme von 3,6 Prozent und 574,5 Mrd. Euro noch verbleibende Schulden. Der Bund hat 21 Mrd. Euro eingespart (1,7 Prozent) und somit verbleiben noch 1.223 Mrd. Euro Verbindlichkeiten im nicht-öffentlichen Bereich. Die Kommunen verringerten ihre Schulden um 4,1 Mrd. Euro auf 136,5 Mrd. Euro (2,9 Prozent).

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Dass ein so starker Schuldenabbau in so kurzer Zeit möglich war, liegt vor allem an der guten Konjunktur in Deutschland. Einige Faktoren kommen zusammen und lassen Deutschland dadurch wirtschaftlich immer stärker werden.

So konnte Deutschland seine Staatsschulden im ersten Halbjahr 2018 reduzieren

  • Das niedrige Zinsniveau wirkt sich auf die Verbindlichkeiten der öffentlichen Haushalte positiv aus. Eine Refinanzierung des Staates ist am Anleihenmarkt zurzeit so günstig wie nie zuvor.
  • Geringe Arbeitslosigkeit führt zur steigenden Einnahmen von Beiträgen.
  • Eine gute Geschäftslage bei Unternehmen und die gute wirtschaftliche Situation lassen Steuereinnahmen wachsen.
  • Staatliche Bankenabwicklungsfonds können immer mehr ihrer Schulden aus der Finanzkrise abbauen, was ebenfalls zu höheren Einnahmen führt.

Wie wird sich die Staatsverschuldung in den nächsten Jahren entwickeln?

Die Prognose sieht vor, dass die Staatsverschuldung in Deutschland zum Ende des Jahres 2018 bei 61 % des Bruttoinlandsproduktes liegen wird. Für 2019 sehen die Zahlen noch besser aus: Experten gehen von einem Rückgang der Verschuldung auf 58 % aus. 2020 ist mit 56 % zu rechnen und 2021 sogar nur noch mit 53 %.

Deutschland liegt damit deutlich unterhalb des EU-Schnitts, der für 2018 auf 81,2 Prozent geschätzt wird und für 2019 auf 79,1 % des Bruttoinlandsproduktes aller Länder. Der EU-Stabilitätspakt schreibt 60 % als Verschuldungsmarke vor – diese könnte Deutschland in 2019 wieder unterschreiten und somit schneller als noch in 2017 gedacht. Zuletzt erreichte Deutschland die Vorgaben des EU-Stabilitätspakts vor der Finanzkrise zu Beginn der 2000er Jahre.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.