Merck-Aktie: Krebsmittel Keytruda entwickelt sich zum Wachstumsmotor

Das Krebsmedikament Keytruda wird immer wichtiger für Merck & Co - Was steckt dahinter? (Foto: Crevis / Shutterstock.com)

Das Jahr 2018 hat für den US-Pharmakonzern Merck & Co und dessen Aktie mit einem Rückschlag begonnen. Ein vielversprechender Wirkstoff-Kandidat (Verubecestat) gegen die Alzheimer-Krankheit  wurde in einer späten klinischen Testphase eingestellt, nachdem die Ergebnisse enttäuschend waren.

Für Merck & Co ist dies jedoch kein Beinbruch, hat das Unternehmen mit Keytruda ein Blockbuster-Medikament am Start, dessen Umsatz im jüngsten Quartal um 169 % auf 1,3 Mrd. US-$ gestiegen ist. Damit hat Keytruda bereits 12 % des gesamten Merck & Co-Umsatzes getragen und ist aktuell hinter dem Diabetes-Medikament Januvia der zweitgrößte Umsatzträger des Konzerns.

Dies dürfte aber erst der Anfang sein. Analysten trauen dem Krebsmedikament auch in den kommenden Jahren noch satte Steigerungsraten zu. Viele Anleger fragen sich daher, was ist Keytruda und warum ist dieses Krebsmedikament so wichtig für die Zukunft von Merck & Co?

Was ist Keytruda und was sind Checkpoint-Hemmer?

Keytruda (Wirkstoff: Pembrolizumab) ist ein monoklonaler Antikörper und wurde zunächst in 2014 gegen die Behandlung von fortgeschrittenen Hautkrebs zugelassen, einer Krebsart, der jährlich etwa alleine 10.000 US-Amerikaner zum Opfer fallen.

Keytruda gehört dabei zur neuen Klasse der sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren (PD-1-Inhibitoren) oder kurz Checkpoint-Hemmer, die nicht gegen Krebszellen direkt wirken, sondern vielmehr das Immunsystem dazu bringen, Tumorzellen zu erkennen und selbst zu bekämpfen.

Dabei geht Keytruda ein Kernproblem der Krebsbehandlung an, denn Tumorzellen nutzen oft bestimmte Proteine, sogenannte PD-1-Rezeptoren (Programmierter-Zelltod-Rezeptor 1), die auch in gesunden Körperzellen zu finden sind, um sich zu „tarnen“ und so der Zerstörung durch Immunzellen (T-Zellen) zu entgehen.

Dabei spielt die Interaktion zwischen den beiden Proteinen PD-1 und PD-L1 eine tragende Rolle, denn dadurch wissen T-Zellen, welche Zellen sie angreifen müssen und welche nicht. Viele Krebszellen tarnen sich, um der Immunantwort zu entgehen. Genau hier setzt Keytruda an und hemmt PD-1-Rezeptoren, so dass das Immunsystem auch jene Krebszellen angreift, die sich mit PD-1L Rezeptoren tarnen wollen.

Warum ist Keytruda so bedeutend für Merck & Co?

Das Besondere an Keytruda ist die Vielseitigkeit des Antikörpers, denn dadurch lassen sich gleich eine ganze Reihe von Krebsarten behandeln. Aktuell ist Keytruda bereits für die Behandlung von schwarzen Hautkrebs, Nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC), Hodgkin-Lymphom, Harnblasenkrebs (Urothelkarzinom) sowie für das Plattenepithelkarzinom im  Kopf-Hals-Bereich zugelassen.

Derzeit wird Keytruda in 30 weiteren klinischen Programmen getestet, um die Wirksamkeit von Keytruda auch in anderen Krebsarten bzw. Indikationen auszuloten. Keytruda gehört zu einem von insgesamt 5 Checkpoint-Hemmern (PD-1/L1), die derzeit am Markt zugelassen sind, was bedeutet, dass die Konkurrenz in diesem Bereich noch nicht allzu groß ist.

Analysten trauen dem Medikament dann auch in den nächsten Jahren kräftige Umsatzsteigerungen zu. Nach einem Umsatz von 1,4 Mrd. US-$ in 2016, kletterte der Keytruda-Umsatz in 2017 um weitere 172 % auf 3,81 Mrd. US-$. Analysten aus dem Hause Bernstein rechnen in den nächsten Jahren mit sukzessiv steigenden Umsätzen, im Jahr 2025 könnte Keytruda dann sogar 7,8 Mrd. US-$ zum Gesamtumsatz von Merck & Co beisteuern, so die Bernstein-Prognosen.

Fazit: Keytruda ist und bleibt ein wichtiger Wachstumsmotor für Merck & Co

Fachkreise sehen in Checkpoint-Hemmer bereits als die vierte große Säule neben der Chemotherapie, Bestrahlung und Chirurgie, um den Krebs zu bekämpfen. Keytruda gilt dabei schon als der Goldstandard, wenn es um die Behandlung von 1L-Krankheiten geht. Sollte sich Keytruda auch in weiteren Krebsarten als wirksam erweisen, könnten die sehr optimistischen Umsatzprognosen der Analysten erreichbar sein.

Trotz aller Euphorie rund um Keytruda sollen Anleger nicht vergessen, dass Merck & Co nach wie vor den größten Umsatz mit seinem Diabetes-Medikament Januvia erzielt (5,9 Mrd. US-$ in 2017) – dieses Geschäft ist allerdings rückläufig (minus 4 % in 2017).

Ferner verstärkt sich der Wettbewerb im Markt für Krebsmedikamente, wobei insbesondere auch Bristol-Myers-Squibb versucht, mit seinem Krebsmittel-Blockbuster Opdivo Marktanteile zu gewinnen.

Kurzum: Merck & Co hat mit Keytruda eine vielversprechende Waffe gegen den Krebs in der Hand, allerdings dürften über kurz oder lang weitere Checkpoint-Hemmer anderer Hersteller folgen. Anleger, die sich auf die Merck & Co Aktie einlassen, sollten einen langfristigen Anlagehorizont mitbringen, denn es wird sicherlich noch eine Zeit dauern, bis sich ein möglicher Siegeszug von Keytruda durchschlagend in der Merck-Bilanz bemerkbar macht.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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